Stötzner-Schule feiert: Individuelle Förderung seit 60 Jahren im Fokus

Günther Oettinger hält eine Rede
Die Glückwünsche des Landkreises Miltenberg zum 60-jährigen Bestehen der Heinrich-Ernst-Stötzner-Schule überbrachte stellvertretender Landrat Günther Oettinger der Schulleiterin Martina Plott. Foto: Winfried Zang

Mit Trommelklängen der dritten Klasse hat am Samstag, 26. September, das Fest anlässlich des 60-jährigen Bestehens der Heinrich-Ernst-Stötzner-Schule in Miltenberg begonnen. Der Beitrag bildete den Auftakt zu einem fröhlichen Fest mit Festakt, musikalischer Unterhaltung und einem Tag der offenen Tür.

Eigentlich für Ende Juni geplant, hatte die Schule laut Schulleiterin Martina Plott das Fest aufgrund der extremen Temperaturen absagen müssen. Nun, Ende September, lief beim Nachholtermin alles bestens: Bei perfektem Spätsommerwetter konnte die Veranstaltung von der Aula in den Pausenhof verlegt werden. Das war schon deswegen der richtige Schritt, da so viele Gäste gar nicht in die Aula gepasst hätten. Die Schulleiterin blickte vor großem Publikum zurück auf die Anfänge der einstigen Sonderschule, die im Schuljahr 1965/1966 mit 26 Kindern in der neuen Volksschule begonnen hatte. Im Laufe der Jahre kamen immer mehr Schülerinnen und Schüler dazu, immer mehr Klassen mussten gebildet werden. Die wurden aufgrund von Platzmangel beispielsweise nach Wenschdorf und Reichartshausen ausgelagert, ehe man 1974/1975 in ein Gebäude vor der Realschule in Miltenberg-Nord zog. 1995/1996 habe es bereits 14 Klassen mit 180 Schülerinnen und Schülern gegeben, blickte Plott zurück, so dass der Unterricht teilweise in verschiedenen Gastschulhäusern stattfinden musste. Nach dem ersehnten Spatenstich im September 1995 sei man 1996/1997 in das neue Gebäude neben der Realschule umgezogen. Der Schule habe man den Namen von Heinrich-Ernst-Stötzner gegeben, denn der Reformpädagoge habe stets dafür gekämpft, dass jedes Kind unabhängig von seinen Fähigkeiten und Beeinträchtigungen das Recht auf eine individuelle und respektvolle Bildung hat. „Wir können stolz sein, seinen Namen zu tragen“, fand die Leiterin des Förderzentrums mit dem Förderschwerpunkt Lernen. Ein großes Dankeschön stattete die Schulleiterin allen ab, die mit großem Einsatz das Schulfest unterstützten und dabei halfen, dass das Fest ein großer Erfolg wurde.

Für den Landkreis Miltenberg als Sachaufwandsträger der Stötzner-Schule stellte der weitere Stellvertreter von Landrat Björn Bartels, Günther Oettinger, fest, dass sich in den letzten sechs Jahrzehnten die Gesellschaft, die Arbeitswelt und die Schule immer wieder verändert hätten. Dazu hätten neue pädagogische Ansätze, technische Entwicklungen und veränderte Anforderungen den Schulalltag geprägt. Gleichgeblieben sei aber, dass junge Menschen und ihre persönliche Entwicklung im Mittelpunkt stehen. Die Schule sei ein Ort, „an dem junge Menschen ermutigt werden, ihre Stärken zu entdecken und ihre Möglichkeiten zu nutzen.“ Dabei würden alle mit den eigenen Fähigkeiten, Interessen und Bedürfnissen wahrgenommen, so Oettinger. Das verlange von den Fachkräften Fachwissen, Geduld, Einfühlungsvermögen und großes persönliches Engagement. Daher dankte Oettinger allen, die die Schule zu dem machen, was sie ist, aber auch den Kindern, die die Schule lebendig gestalten und eigene Ideen, Talente und Persönlichkeiten einbringen. Er sei überzeugt, dass die Schule für die kommenden Jahre gut aufgestellt sei, schloss Oettinger.

Kinder schlagen auf Trommeln
Auf Trommeln brachte die dritte Klasse Schwung in den Festakt zum 60-jährigen Bestehen der Heinrich-Ernst-Stötzner-Schule Miltenberg. Foto: Winfried Zang

Glückwünsche im Namen der Stadt Miltenberg überbrachte dritter Bürgermeister Dr. Marcus Breunig. Was 1965 begonnen habe, sei heute ein fester und wichtiger Bestandteil der Bildungslandschaft, sagte er. Kinder so zu begleiten, dass ihre Persönlichkeit, ihre Stärken und ihre jeweiligen Bedürfnisse berücksichtigt werden, sei eine anspruchsvolle Aufgabe. Leider setzten aber große Klassen, knappe Ressourcen und feste Vorgaben des Schulsystems der individuellen Begleitung Grenzen. Umso wichtiger seien Orte wie die Stötzner-Schule, an denen genauer hingeschaut werden kann. Wo das möglich ist, könnten Stärken sichtbar werden, Motivation zurückkehren und neues Selbstvertrauen entstehen. Gute Förderung mache Mut und helfe einem Kind, den eigenen Weg zu finden und ihn mit wachsendem Zutrauen zu gehen.

Schulamtsdirektor Michael Brummer stellte das Reifen und Erwachsenwerden der Stötzner-Schule in den Mittelpunkt seines Grußworts. Man habe sich viele Gedanken gemacht, als diese Schulform gegründet worden sei, so Brummer, man habe Visionen entwickelt und große Verantwortung übernommen. Hier, in dieser wunderbaren Einrichtung, werde niemand alleingelassen, man gehe den Weg gemeinsam, alle seien „liebevolle Einzelkunstwerke.“ Brummer hob die hervorragende Zusammenarbeit hervor, wenn beispielsweise Sonderpädagogen die Grund- und Mittelschulen in Diagnostik, Beratung, Förderplanung und vertrauensvoller Kooperation unterstützen.

Die Schulband unter Leitung von Tobias Jeßberger umrahmte die Veranstaltung musikalisch, dazu kamen ein Liedvortrag der vierten Klasse, ein Tanz der Klassen 2a und 2b, ein Sketch der siebten Klasse sowie ein Ausschnitt aus dem Musical „Till Eulenspiegel“, dargeboten von der Theater-AG und dem Chor.

Viel Spaß hatten die Gäste anschließend beim Auftritt der Mitmachband „Dunnäkeil“, ehe die Schule ihre Türen öffnete und über verschiedene Projekte informierte.

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