SQG stellt sich im Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus vor

Großer Sitzungssaal
Foto: Medienzentrum Landratsamt Miltenberg

Als Begleiter von Unternehmen und Beschäftigten bei betrieblichen Veränderungsprozessen hat Jens Fischer die Strukturwandel-und-Qualifizierung-gGmbH, kurz SQG, im Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus vorgestellt.

Die gemeinnützige GmbH wurde laut dem Geschäftsführer 1998 gegründet, tätig ist sie am Bayerischen Untermain. Die SQG, die aktuell über ein Eigenkapital von 1,67 Millionen Euro verfügt, hat unter anderem den Landkreis Miltenberg mit 16 Prozent (4.400 Euro) als Mitgesellschafter an Bord, dazu kommen als weitere kommunale Vertreter der Landkreis Aschaffenburg (16 Prozent) und die Stadt Aschaffenburg (30 Prozent, 8.250 Euro). Die IG Metall, die Kanzlei Amberg sowie SAF Holland sind ebenfalls beteiligt.

Schwerpunkt der SQG ist die so genannte Transferkurzarbeit, mit der Härten für bestimmte Zeit abgemildert werden können, wenn der Verlust des Arbeitsplatzes droht. Auf diese Weise kann auch Arbeitslosigkeit vermieden werden. Betroffene Arbeitnehmer treten in ein befristetes Arbeitsverhältnis bei der SQG ein, ihnen werden durch Coaching, Qualifizierung und Weiterbildung neue berufliche Perspektiven, Kenntnisse und Fähigkeiten vermittelt. Im besten Fall führen diese in neue Beschäftigung. Finanziert wird dies von der Agentur für Arbeit und den betroffenen Unternehmen für maximal zwölf Monate. Fischer bezeichnete die Transferkurzarbeit als Vorteil für die betroffenen Arbeitnehmer, die nicht unmittelbar arbeitslos werden und mehr Geld verdienen als bei Arbeitslosigkeit. Sie erhielten zudem eine Qualifizierung und die Möglichkeit für ein Betriebspraktikum. Vor allem aber gewännen sie Zeit für ihre Überlegungen und hätten einen erfahrenen Coach an ihrer Seite.

Die Unternehmen könnten den Personalabbau sozialverträglich gestalten, zielgenau durch den Übertritt in die SQG agieren und den Betriebsfrieden fördern. Derzeit betreue man 200 Arbeitnehmer, bis Ende September würden 150 weitere dazukommen, so Fischer.

Aufgeschlossen zeigte sich das Gremium für eine Bewerbung des Landkreises als Öko-Modellregion. Ziel des vom Bayerischen Staatsministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten eingeführten Modells ist es, den Anteil ökologisch bewirtschafteter landwirtschaftlicher Flächen bis 2030 auf 30 Prozent zu erhöhen. Im Landkreis Miltenberg seien es derzeit 22 Prozent, erklärte Elisabeth Kluin, Managerin der Lokalen Aktionsgruppe (LAG) Main4Eck. Die Öko-Modellregion stärke regionale Wertschöpfungsketten, verbessere die Vermarktung heimischer Bio-Lebensmittel und erschließe zusätzliche Fördermittel für die Weiterentwicklung des Landkreises, ergänzte ihr Kollege Philipp Wollbeck. Das Modell sei prädestiniert, um vor allem kleinstrukturierte Betriebe mit Schwerpunkt Streuobst, Weinbau und regionaler Direktvermarktung sichtbarer zu machen, diese besser zu vernetzen und zusätzliche Wertschöpfungsmöglichkeiten in die Region zu holen. Eine Öko-Modellregion biete zudem den Zugriff auf exklusive Fördermittel für Betriebe. So könnten bis zu 50.000 Euro pro Jahr (davon 90 Prozent Landesmittel) für praxisnahe Projekte in Landwirtschaft, Verarbeitung, Bildung und Vermarktung in den Landkreis fließen.

Verantwortlich für die Umsetzung wäre ein einzustellender Vollzeit-Manager. Für drei Jahre würden Personal-, Sach- und Projektkosten von 396.674 Euro anfallen, von denen 316.880 Euro gefördert würden. Beim Landkreis verblieben über drei Jahre 75.627 Euro, die LAG würde aus Eigenmitteln 4.168 Euro beisteuern. Nach drei Jahren wäre zu entscheiden, ob das Projekt eingestellt oder mit einer 75-Prozent-Förderung für weitere zwei Jahre fortgesetzt wird. Der Ausschuss sprach sich am Ende für den Vorschlag von Landrat Björn Bartels aus, die LAG solle mit allen Beteiligten ein Konzept für eine Bewerbung erarbeiten und dieses dem Kreistag im Oktober 2026 zur Beratung und Beschlussfassung vorlegen.

Weiter beschäftigte sich der Ausschuss mit dem Antrag der SPD, der Landkreis möge ein Konzept zur touristischen Vermarktung erstellen mit einer umfassenden Analyse, einer klaren Zielsetzung und strategischen Maßnahmen, um die Attraktivität der Region zu steigern. Ziel solle es sein, die Tourismusförderung neu zu strukturieren und Einsparpotenziale durch Synergieeffekte zu heben. Die Erstellung eines solchen Konzeptes sei aber nicht Aufgabe des Landkreises, stellte die Büroleiterin des Landrats, Susanne Seidel, fest, die touristische Vermarktung sei keine Angelegenheit des Kreises. Die Existenz mehrerer touristischen Ebenen sei üblich, erklärte sie – angefangen vom Bayern-Tourismus über den Tourismusverband Franken, in dem der Tourismusverband Spessart-Mainland (mit den touristischen Arbeitsgemeinschaften (TAG) Churfranken und Räuberland) und der Touristik-Service Bergstraße-Odenwald (mit der Odenwald Tourismus GmbH) mit der TAG Bayerischer Odenwald und der TAG Munteres Mümlingtal Mitglied seien. Seidel verwies auf ein großes Gutachten mit einer umfassenden Analyse der touristischen Strukturen aus dem Jahr 2017 und sie vermutete, dass eine erneute Analyse vermutlich keine neuen Erkenntnisse bringen werde.

Der Landkreis fördere die touristischen Arbeitsgemeinschaften mit insgesamt 125.000 Euro jährlich: 78.500 für die TAG Churfranken, 24.500 Euro für die TAG Bayerischer Odenwald, 12.500 Euro für die TAG Räuberland und 9.500 Euro für die TAG Munteres Mümlingtal. Dazu kämen Beiträge an den Tourismusverband Spessart-Mainland und den Touristik-Service Bergstraße-Odenwald sowie an den Tourismusverband Franken. Zudem sei der Landkreis Mitglied im Naturpark Spessart und im Geo-Naturpark Bergstraße-Odenwald. Grundsätzlich, so Seidel, arbeiteten die Destinationen und die TAGs eng zusammen – etwa bei Messeauftritten, Online-Buchungsportalen, Pressearbeit und mehr.

Der Ausschuss nahm die Ausführungen zur Kenntnis und sprach sich einstimmig dafür aus, dass sich die TAGs demnächst in einer Sitzung vorstellen sollen. Zuvor war ein Antrag aus dem Gremium, die Verwaltung solle die Wertschöpfungen in den einzelnen TAGs ermitteln, mehrheitlich abgelehnt worden. Mit der Vorstellung der TAGs und touristischen Destinationen im Gremium zeigten sich aber alle Kreistagsmitglieder einverstanden.

Zurück zur Newsübersicht

Einstellungen gespeichert
Datenschutzeinstellungen

Wir verwenden Cookies, um Ihnen ein optimales Webseiten-Erlebnis zu bieten. Dazu zählen Cookies, die für den Betrieb der Seite und für die Steuerung unserer kommerziellen Unternehmensziele notwendig sind, sowie solche, die lediglich zu anonymen Statistikzwecken, für Komforteinstellungen oder zur Anzeige personalisierter Inhalte genutzt werden. Sie können selbst entscheiden, welche Kategorien Sie zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass auf Basis Ihrer Einstellungen womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.

Technisch erforderliche Cookies werden immer geladen.
You are using an outdated browser. The website may not be displayed correctly.