Sieben junge Feldgeschworene vereidigt
Nach der Kirchenparade vom Schneeberger Dorfwiesenhaus in die Wallfahrtskirche Mariä Geburt und dem anschließenden feierlichen Gottesdienst haben sich die Feldgeschworenen des Altlandkreises Miltenberg am Sonntag, 15. März, in der Turnhalle des TV Schneeberg zu ihrem Jahrtag getroffen. Neben Neuvereidigungen stand auch die Ernennung von Ehrenfeldgeschworenen auf der Tagesordnung.
Nach dem musikalischen Auftakt durch die Schneeberger Musikanten (Leitung: Berthold Blatz) dankte Kreisobmann Sven Fertig Pfarrer Christian Wöber für die Gestaltung des Gottesdienstes, begrüßte alle Feldgeschworenen sowie Ehrengäste und dankte allen helfenden Händen für die Organisation des Jahrtags. Die Feldgeschworenen, die auf Lebenszeit vereidigt werden, brächten viel Erfahrung mit und die Älteren würden die Lage aller Grenzsteine kennen, stellte Fertig fest. Daher gelte, dass es sich mit den Siebenern verhalte wie mit gutem Wein: Mit den Jahren würden sie immer besser. Fertig nannte auch interessante Details zur Altersstruktur der Feldgeschworenen. Schriftführer Paul Schmedding habe sich die Mühe gemacht und Zahlen beigesteuert: So beträgt der Altersdurchschnitt knapp 65 Jahre, wobei es sechs Siebener im Alter zwischen 20 und 30 Jahren gibt, aber auch fünf, die über 90 Jahre alt sind. Das Gros der Siebener ist aber zwischen 61 und 90 Jahre alt – das sind 165 Menschen.
Schneebergs Bürgermeister Kurt Repp, der am 1. Mai vom neugewählten Ralf Wöber – selbst Feldgeschworener – abgelöst wird, bezeichnete das Amt des Feldgeschworenen als das älteste kommunale Ehrenamt. Trotz modernster Technik, etwa GPS, seien die Feldgeschworenen immer noch unersetzlich, stellte er fest, sie seien bei jeder Vermessung vor Ort und ihr Einsatz sei unbezahlbar. Sie wachten über die Grenzen und wüssten, wo diese verlaufen – im Gegensatz zu vielen Menschen, die das heute nicht mehr wissen. Repp stellte seine Gemeinde als lebenswerte Wohngemeinde vor, die auch über ein vielfältiges Vereinsangebot mit starker Jugend- und Seniorenarbeit verfügt. Er lobte auch die interkommunale Zusammenarbeit in der Odenwald-Allianz.
Stellvertretender Landrat Bernd Schötterl dankte allen an der Ausrichtung des Jahrtags Beteiligten für ihren Einsatz und hob das ehrenamtliche Engagement der Feldgeschworenen hervor, das es herauszustellen gelte. Das Feldgeschworenenwesen sei einer der ältesten Pfeiler des gesellschaftlichen Miteinanders im fränkischen Kulturraum, die Siebener seien allesamt „echte Friedensstifter in ihren Gemeinden“. Sie sind „Vorbilder für ein friedliches Miteinander“, sagte er. Das Amt sei auch heute noch so wichtig wie vor Jahrhunderten, steht für Schötterl fest. Die „Hüter der Grenzen“ sicherten Grenzsteine durch ein altes, geheimes Zeichen unter dem Stein, das mündlich weitergegeben wird. So könne man unrechtmäßiges Versetzen von Grenzsteinen feststellen, ohne neu vermessen zu müssen. Bei Streitigkeiten wirkten die Feldgeschworenen häufig schlichtend und brächten ihre Ortskenntnis ein.
Schötterl nahm anschließend sieben neuen Feldgeschworenen, darunter eine Frau, den Eid ab. Neu dabei sind: Michael Büttner (Collenberg), Roman Repp (Großheubach), Robin Link (Kirchzell-Buch), Johannes Breunig, Mattea Breunig und Florian Gareus (alle Schneeberg-Zittenfelden) sowie Tobias Breunig (Schneeberg).
Nach Vollendung des 75. Lebensjahres wurden folgende Feldgeschworene zu Ehrenfeldgeschworenen ernannt: Eckard Raub (Altenbuch), Bruno Lebold (Eichenbühl-Windischbuchen), Ernst Störmer (Faulbach-Breitenbrunn), Leo Dörr (Miltenberg-Schippach), Walter Dörr (Miltenberg-Wenschdorf) und Herbert Dümig (Stadtprozelten).
Eine überraschende Nachricht überbrachte der Amtsleiter des Landesamts für Digitalisierung, Breitband und Vermessung, Wolfgang Reindl. Der seit 30 Jahre für den Landkreis Miltenberg Zuständige wird im Laufe des Jahres in den Ruhestand gehen. Als er vor drei Jahrzehnten hierhergekommen sei, habe er sich erst an den Dialekt – vor allem im Spessart – gewöhnen müssen, gestand er.
Im Gegensatz zu Oberbayern, wo Reindl zuvor tätig war, sei das Feldgeschworenenwesen in Franken von Tradition geprägt – kein Wunder, denn im Süden wurde das Feldgeschworenenwesen erst über 400 Jahre später eingeführt. Er ging in der Folge auf die Digitalisierung ein, die die Arbeitsweisen stark verändert habe. Modernste Technik und modernste Geräte seien zwar eine Arbeitserleichterung, aber die Feldgeschworenen seien nach wie vor unverzichtbar, brach er eine Lanze für die Siebener. Die seien nicht nur beim Setzen von Grenzsteinen aktiv, sondern leisteten wichtige Arbeit, wenn es um die Vermittlungen bei Grenzstreitigkeiten geht, belegte er mit einem Beispiel. Mit stehenden Ovationen verabschiedeten die Feldgeschworenen den Amtsleiter, der sich in 30 Jahren viel Respekt und Sympathie erworben hat.
Auf Bitte von Obmann Sven Fertig sprach auch der designierte Landrat Björn Bartels ein kurzes Grußwort. „Auf das Ehrenamt kann man sich verlassen“, lobte dieser die Feldgeschworenen und deren Einsatz für Gerechtigkeit. Er freute sich auf eine gute Zusammenarbeit, sagte er.
Nach den Verbandsregularien – Berichte von Schriftführer, Kassier und Kassenprüfer – wurde der Vorstand entlastet, so dass man zum gemeinsamen Mittagessen überging.