Sicherheitslage im Landkreis Miltenberg ist weiterhin sehr gut
Nach wie vor leben die Menschen im Landkreis Miltenberg in einem der sichersten Landkreise Bayerns: Das ist die Botschaft des Sicherheitsgesprächs, das Vertreter der Polizei mit Landrat Björn Bartels und der Landkreisverwaltung führten. Demnach liegt die Kriminalitätsbelastung pro Kopf um 29 Prozent niedriger als im unterfränkischen Durchschnitt, die Aufklärungsquote liegt mit 75,4 Prozent auf sehr hohem Niveau.
Kriminalität: Nimmt man den Zehn-Jahres-Vergleich, ist laut Polizeioberrat Johannes Streib, Leiter der Polizeiinspektion (PI) Obernburg, die Zahl der bekannt gewordenen Straftaten – ohne ausländerrechtliche Verstöße – von 4.356 im Jahr 2016 auf 3.485 (2025) gesunken, auch wenn gegenüber 2024 ein Anstieg um 8,2 Prozent zu verzeichnen sei.
Streib und der Leiter der PI Miltenberg, Erster Polizeihauptkommissar Karsten Heinz, waren sich einig, dass die hohe Aufklärungsquote den ambitionierten Kolleginnen und Kollegen zu verdanken sei, „die sich reinknieten und für die der Beruf nicht nur ein Job, sondern eine Berufung ist.“ Die PI Miltenberg zählte 1.201 Straftaten im Jahr 2025 (+ 45 Fälle oder 3,9 Prozent), aufgeklärt wurden 72,8 Prozent. Die PI Obernburg registrierte 2.335 Straftaten (+ 207 Fälle, 9,7 Prozent) und klärte 76,7 Prozent auf.
An der Spitze der Kriminalität liegen laut Streib, der mit dem Leiter der Ermittlungsgruppe, Michael Schlett, gekommen war, Rohheitsdelikte und Straftaten gegen die persönliche Freiheit (21,2 Prozent), gefolgt von Vermögens- und Fälschungsdelikten (17,4 Prozent) und Diebstählen ohne erschwerte Umstände (etwa Ladendiebstähle) mit 15,7 Prozent. Als wichtigste Zahl in diesem Zusammenhang nannte Streib die Häufigkeitszahl, also die Zahl registrierter Straftaten je 100.000 Einwohner. Die liege – ohne ausländerrechtliche Verstöße – bei 2.737. Im Vergleich: Unterfranken mit 3.716 sowie Bayern mit 4.094. Bei den ermittelten Tatverdächtigen sei auffällig, dass der Anteil der Frauen von 20,7 Prozent auf 24 Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen sei. Während der Anteil tatverdächtiger Erwachsener von 81,6 auf 80,2 Prozent sank, berichtete Streib von Zunahmen bei Kindern (4,3 auf 4,8 Prozent) und Heranwachsenden 18 bis 21 Jahre, 5,5 auf 6,5 Prozent). Die Tatverdächtigen seien in 333 Fällen unter Alkoholeinfluss gestanden. Besonders hoch sei dieser Anteil mit 20,8 Prozent bei Rohheitsdelikten sowie bei Widerstandshandlungen oder tätlichen Angriffen auf Vollstreckungsbeamte und Einsatzkräfte mit rund 81 Prozent.
Betrachtet man die Straftatenanzahl ohne Delikte, die nur durch Nichtdeutsche begangen werden können, habe deren Anteil bei 34 Prozent gelegen (2024: 29,4 Prozent). Zum Vergleich: Der Ausländeranteil in der Bevölkerung im Landkreis liegt bei etwa 14 Prozent.
Bei den zugewanderten Tatverdächtigen liege deren Anteil bei 9,5 Prozent, knapp zwei Prozent unter dem Prozentsatz im Jahr 2024.
Ein großes Lob statteten Streib und Heinz den 27 Mitarbeitenden der ehrenamtlichen Sicherheitswacht ab, die die Polizei sehr gut unterstützen und guten Kontakt zur Bevölkerung halten. Ihre Arbeit sei erfolgreich, verwies Streib auf gute Erfahrungen etwa in Sulzbach. Die Ehrenamtlichen hätten 3.370 Stunden im Jahr 2025 geleistet.
Verkehr: Karsten Heinz, der Verkehrssachbearbeiter Jürgen Farrenkopf mitgebracht hatte, berichtete von einem anhaltend positiven Trend beim Rückgang der Unfälle im Landkreis:
Deren Zahl ist von 3.119 (2017) auf 2.733 im Jahr 2025 zurückgegangen, 2024 waren es noch 2.817. Gegen den Trend sei die Zahl der Unfälle mit Personenschäden um 15,2 Prozent von 323 auf 372 gestiegen, eine Begründung hierfür konnte Heinz nicht liefern, solche Werte seien oft Zufall. Die Unfallursachen seien vielfältig, nach wie vor seien Überschreiten der Höchstgeschwindigkeit, Vorfahrtsmissachtung und Fehler beim Abbiegen/Wenden für rund ein Drittel aller Unfälle verantwortlich. Ein leichter Anstieg von 85 auf 98 sei bei den Geschwindigkeitsunfällen zu verzeichnen, sagte Heinz und hob den positiven Effekt des begleiteten Fahrens hervor, denn diese Personengruppe habe später ein deutlich geringeres Unfallrisiko im Straßenverkehr. Apropos Tempo: Die Polizei bekämpfe das zu schnelle Fahren mit häufigen Geschwindigkeitsmessungen, nannte Heinz als Beispiel die B469 bei Breitendiel mit vorgeschriebenem Tempo 70.
Gestiegen ist die Zahl der Unfälle mit Personenschäden unter Alkoholeinfluss: von 18 (2024) auf 25 (2025). Die Zahl der Unfälle unter Drogeneinfluss sei von sieben auf acht Fälle gestiegen, erklärte der Leiter der PI Miltenberg. Es sei allerdings angesichts der vielen, immer wieder neuen Wirkstoffe für die Polizei schwierig, Drogenkonsum nachzuweisen. Nicht in der Statistik enthalten sind laut Jürgen Farrenkopf mehrere Fälle von verhinderten Fahrten unter Alkoholkonsum, wo es gelungen sei, den Schlüssel vor Antritt der Fahrt sicherzustellen. Da die Beamtinnen und Beamten ihr Vorgehen gut erklären, komme es nur selten zu Schwierigkeiten im Umgang mit Bürgerinnen und Bürgern, ergänzte Karsten Heinz.
Bei Unfällen wurden 2025 455 Personen verletzt, davon 73 schwer. Angesichts des Flächenlandkreises könne man mit der Entwicklung zufrieden sein, waren sich Streib und Heinz einig – vor allem im Hinblick auf vergangene Jahre mit über 100 Schwerverletzten.
Leider sei es 2025 auch zu zwei Todesfällen gekommen, bedauerte Heinz. Bei 55 Unfällen unter Beteiligung von Motorradfahrern seien diese in 30 Fällen die Hauptverursacher gewesen (55 Prozent), 2024 waren es noch 75 Prozent. Wenn es zu Radunfällen kommt, verletzen sich 94 Prozent der Beteiligten, verwies Heinz auf die hohe Verletzungsgefahr.
Dass die Zahl der Radunfälle 2025 von 110 auf 139 gestiegen sei und die Zahl der Verletzten von 108 auf 130, sei eine Folge davon, dass mehr Menschen Radfahren und die Radwege voll seien. Bei den Radunfällen ist die Altersgruppe der 51- bis 64-Jährigen am meisten beteiligt, gefolgt von den 65- bis 74-Jährigen und den 75- bis 84-Jährigen. Bei drei Schulwegunfällen verletzten sich zwei Schüler leicht, einer schwer. Bei den Unfällen mit „jungen Erwachsenen“ – 2025 waren es 218 mit 56 Verletzten und einem Toten – seien diese in 61 Prozent der Fälle auch die Hauptverursacher, verwies Karsten Heinz auf die Statistik.
Die Polizei trage zur Verkehrssicherheit mit vielfältigen Maßnahmen bei, listete Heinz unter anderem den Fahrradführerschein, Pedelec-Training, Tempomessungen, das Programm „Hallo Busfahrer“ sowie Gurt-, Helm- und Handykontrollen auf. In den beiden Jugendverkehrsschulen hätten Beamte im Schuljahr 2024/2025 1.240 Kinder der vierten Klassen in Verkehrserziehung unterrichtet und 1.701 Vorschulkinder auf den künftigen Schulweg vorbereitet. Auch bildete man 79 Schülerlotsen und 143 Elternlotsen aus.
Dem Lob der beiden Inspektionsleiter für die hervorragende Zusammenarbeit mit den Fachstellen des Landratsamts gab Landrat Björn Bartels vollumfänglich zurück und dankte allen Polizistinnen und Polizisten für die gute Arbeit.