SEFRA-Außenstelle im Landkreis Miltenberg offiziell eröffnet
Große Freude beim Selbsthilfe- und Beratungszentrum für Frauen (SEFRA) und allen Kooperationspartnern: Am Samstag, 18. April, konnte die neue Außenstelle des Vereins im Landkreis Miltenberg offiziell eingeweiht werden; in Betrieb ist sie seit Februar 2026. Hier können Frauen, die Gewalt erfahren, in hellen, ansprechenden Räumen beraten werden.
SEFRA-Vorstandsmitglied Arzu Levent begrüßte zahlreiche Vertreterinnen und Vertreter von Kooperationspartnern und blickte zurück, dass man sich im Verein schon vor rund 20 Jahren einig gewesen sei, dass es eine Außenstelle im Raum Miltenberg brauche. Sie stellte heraus, dass man in Giovanna Camertoni, Larissa Kellner und Bettina Käshammer sehr engagierte, kompetente Mitarbeiterinnen für die Beratung habe, dazu komme in Jeanette Steigerwald eine Verwaltungskraft sowie mehrere ehrenamtlich tätige Frauen. Auch der Vorstand arbeite ehrenamtlich, sagte sie.
Der weiteren Stellvertreterin des Miltenberger Landrats, Monika Wolf-Pleßmann, war die Freude über die Einrichtung der Außenstelle anzumerken. Der Landkreis Miltenberg unterstütze, wie auch Stadt und Landkreis Aschaffenburg sowie der Freistaat Bayern, die Einrichtung, und verwies auf einen Betrag von 88.700 Euro, die der Landkreis SEFRA im Jahr 2026 zukommen lasse. Gewalt gegen Frauen sei ein Thema, bei dem man auch als ländliche Gesellschaft „nicht nur hingucken, sondern diese Gewalt auch ächten müsse.“ Diese Form von Gewalt komme in allen Gesellschaftsschichten vor, sie sei sehr komplex und könne auch in digitaler Form stattfinden, wie sich aktuell im Fall von Collien Fernandes zeige.
Sie kritisierte, dass es noch gravierende Gesetzeslücken gebe, da man in Deutschland der Gesetzgebung in Ländern wie Spanien oder Dänemark hinterherhinke. Die Außenstelle sei ein wichtiger Schritt, um schnelle und verlässliche Unterstützung vor Ort anzubieten, sagte Wolf-Pleßmann und verwies darauf, dass aus manchen südlichen Teilen des Kreises bislang eine lange Anfahrt nach Aschaffenburg notwendig gewesen sei. Das bedeute für beratungsbedürftige Frauen ohne Auto oder Bahnanschluss einen hohen Zeitaufwand. Dazu komme möglicherweise ein enges Zeitfenster durch die Betreuung von Kindern. Die Außenstelle sei „ein Segen“, stellte sie fest und wurde deutlich: „Frauen, die Gewalt erleiden, brauchen unsere Solidarität. Sie brauchen Menschen, die ihnen und ihren Kindern beistehen. Sie brauchen professionelle Beratung.“ Auch der Vertreter des Standortbürgermeisters schlug in die gleiche Kerbe: „Beratung gehört mittlerweile zur
Grundversorgung wie etwa Lebensmittelläden.“
Giovanna Camertoni, Leiterin der Beratungsstelle, verwies auf die vielen existierenden Formen von Gewalt gegen Frauen und Mädchen. Die Hemmschwelle für Frauen, eine Beratung zu suchen, sei oft hoch, wusste sie aus ihrer beruflichen Erfahrung. Frauen könnten sich telefonisch oder per E-Mail (Telefon: 06021/24728, E-Mail: info@sefraev.de) bei SEFRA in Aschaffenburg melden, wenn sie Rat und Hilfe benötigen. Im Erstgespräch nehme man eine Risikoeinschätzung vor, basierend auf der Geschichte der Beziehung, zudem vereinbare man einen ausführlichen Gesprächstermin – entweder in Aschaffenburg oder in der Außenstelle im Raum Miltenberg. Wo sich diese Außenstelle befindet, wird den Frauen aus Sicherheitsgründen erst bei der Terminvereinbarung gesagt. Gemeinsam kläre man dann, ob eine konkrete Gefahr für Frau und/oder Kinder besteht und entwerfe bei Bedarf einen Sicherheitsplan – im Extremfall mit Alarmierung der Behörden. Im Regelfall komme es zu mehreren Folgeberatungen, so Camertoni. Die Situation werde oft dadurch erschwert, dass es starke Bindungen mit dem Täter gibt und teilweise auch Kinder betroffen sind. „Keine Frau geht gerne zur Polizei“, weiß Camertoni, es brauche schon Mut mit anderen Menschen über die Probleme zu sprechen. Wichtig war ihr die Feststellung, dass auch eine Sofort-Dolmetschung in 16 Sprachen möglich sei.
Den Gästen der Eröffnung erklärte sie, dass die Außenstelle jeweils dienstags von 9 bis 16 Uhr geöffnet ist. Sollte es zeitnahe Gespräche brauchen und die Zeit bis zum nächsten Dienstag zu lang sein, könnten Frauen auch kurzfristig einen Termin in Aschaffenburg bekommen, versicherte sie. Im Februar und März 2026 habe man 17 Frauen aus dem Landkreis Miltenberg beraten, davon sieben in der Außenstelle.
Unter den in diesem Zeitraum 89 beratenen Frauen aus Stadt und Landkreis Aschaffenburg waren zwei Frauen, die die Beratung in der Außenstelle Miltenberg bevorzugten, listete Camertoni auf. Im Jahr 2025 habe man 115 Notrufe bekommen, dazu kamen 249 telefonische Beratungen, 40 Online-Beratungsanfragen sowie 702 persönliche und/oder telefonische Beratungen in intensiven Fällen. Die Zahl der Zugänge aus dem Kreis Miltenberg sei aber im vergangenen Jahr um fünf Prozent auf 17 Prozent gesunken. Insgesamt habe man im Jahresverlauf 2025 65 Frauen aus dem Landkreis Miltenberg intensiv beraten. Wie Camertoni betonte, stehe die Außenstelle allen Frauen der Region offen, die von Gewalt betroffen sind. Da man das Personal nicht aufstocken könne, gehe es SEFRA daher darum, flexibler zu werden und die bessere Erreichbarkeit der Beratungsangebote sicherzustellen.
Nach dem offiziellen Teil nutzten die Gäste die Gelegenheit, sich kennenzulernen und sich auszutauschen.
Alles Wissenswerte und Kontaktinformation zu SEFRA sind im Internet unter www.sefraev.de zu finden.