Naturschutzfachkartierung im Landkreis Miltenberg beginnt
Im Auftrag des Bayerischen Landesamtes für Umwelt (LfU) beginnt im Landkreis Miltenberg die dreijährige Naturschutzfachkartierung. Damit, so Landrat Björn Bartels, „gewinnen wir notwendige aktuelle Erkenntnisse über seltene Arten und ihre Lebensräume im Landkreis.“ Diese Daten seien eine wesentliche Grundlage für sachgerechte Entscheidungen im Naturschutz. Die Ergebnisse unterstützen Behörden, Kommunen, Planungsbüros und Forschungseinrichtungen bei fachlich fundierten Naturschutzentscheidungen.
Die Naturschutzfachkartierung liefert Informationen über bedrohte Tierarten, ist eine Bestandsaufnahme und erfasst eine fachlich begründete Auswahl an Flächen, die für den Naturschutz wichtig und erhaltenswert sind. Sie hat weder das Ziel noch die Möglichkeit, Flächen unter Schutz zu stellen oder Grundstückseigentümern bestimmte Bewirtschaftungsweisen vorzuschreiben. Mögliche Einschränkungen ergeben sich ausschließlich aus bestehenden gesetzlichen Vorgaben.
Bei der Kartierung werden vorhandene Daten auf den neuesten Stand gebracht und bisher nicht betrachtete Flächen erstmalig untersucht. Die Ergebnisse werden in einer landesweiten Datenbank zentral gespeichert. Das LfU koordiniert die Arbeiten bayernweit und stellt Ergebnisse auf Anfrage für Planungsvorhaben zur Verfügung.
Ein externes Planungsbüro startet 2026 mit der Untersuchung von sechs Artengruppen mit bis zu 100 Zielarten auf ausgewählten Flächen im gesamten Landkreis. Dabei werden im ersten Jahr die Insektengruppen Libellen, Tagfalter und Heuschrecken priorisiert – insbesondere gefährdete Arten nach roter Liste, wie die Speer-Azurjungfer, der Zahnflügel-Bläuling, der Warzenbeißer und der Heidegrashüpfer. Zusätzlich werden häufige Arten erfasst, um eine Basis für künftige Klimawandel-Analysen zu schaffen.
Im Frühjahr 2027 beginnen im nördlichen Landkreis Miltenberg und in den Waldgebieten des Spessarts und Odenwaldes weitere Feldstudien zu verschiedenen Vogelarten.
Mehrfache Begehungen in ausgewählten Streuobstflächen und Wäldern sollen Brutnachweise von Wendehals, Gartenrotschwanz, Halsbandschnäpper und Mittelspecht erbringen. Parallel dazu wird nach Reptilien und Amphibien, wie beispielsweise Schlingnatter, Kreuzkröte und Laubfrosch geforscht.
Die neue Kartierung greift auf die langjährigen, oft ehrenamtlich erhobenen Erkenntnisse zurück und schließt vorhandene Datenlücken. Die Arbeiten erfolgen in enger Abstimmung mit den Naturschutzbehörden des Landratsamtes, der Regierung Unterfranken und lokalen Expertinnen und Experten. Die Kartierung vergleicht aktuelle Artnachweise und Lebensraumdarstellungen mit älteren Daten, um Bestandsentwicklungen seltener Arten zu bewerten „So können Pflegemaßnahmen und Fördergelder effektiv geplant und eingesetzt werden. Das eigentliche Ziel ist nicht nur das reine Artenwissen, sondern die Schaffung einer soliden Basis für den langfristigen Schutz von Artenvielfalt und Biodiversität,“ führt Ines Langensiepen, Abteilungsleitung Naturschutz am LfU, aus.
Weitere Informationen im Netz:
www.lfu.bayern.de/natur/naturschutzfachkartierung/index.htm