Linienbündel sollen neu geordnet werden

Großer Sitzungssaal
Foto: Medienzentrum Landratsamt Miltenberg

Durch eine langfristige Neuordnung der Linienbündel im Landkreis, bei der kleine Bündel zu größeren verschmelzen, soll der öffentliche Personennahverkehr neu geordnet werden. So soll das neue Linienbündel Miltenberg-Süd den Schülerverkehr im Bereich Miltenberg/Amorbach weiter über regulären Busse abwickeln. Die Linienführungen der Buslinien werden, basierend auf empirischen Daten und Berechnungen, angepasst. Außerhalb der Hauptverkehrszeit soll ein On-Demand-Verkehr erprobt werden.

Den Plänen liegt ein hochdetailliertes, mikroskopisches Abbilds der Verkehrsnachfrage zugrunde (MikroMobi), das das Unternehmen ioki im Auftrag der Aschaffenburg-Miltenberg-Nahverkehrsgesellschaft (AMINA) angefertigt hatte. Jonathan Roßmann zeigte im Kreisausschuss am Dienstag, 14. Juli, welche Schlüsse man aus der umfassenden Bestandsanalyse und der Bilanzierung der Schwachstellen zu ziehen sind. So sei die Erschließungsqualität für die Hälfte der Verkehrsbeziehungen schlecht, ebenso die Reisezeitenverhältnisse. Der Weg mit dem ÖPNV dauere im Mittel fast dreimal so lang wie im Individualverkehr. Sowohl im Alltagsverkehr im Raum Amorbach und Miltenberg könne man mit dem neuen Konzept über ein Grundnetz mit Linienanpassungen viele Fahrten abbilden, außerhalb dieser Zeiten sah er ein On-Demand-Verkehr als Mittel der Wahl. Der Schulverkehr solle erhalten bleiben.Durch die empfohlene Neuordnung erhöhe sich die Erschließungsqualität und das Angebot werde verbessert, stellte er fest.

Damit die beiden existierenden Linienbündel – Regiobus Amorbach und Stadtbus Miltenberg – zeitlich synchronisiert werden und das neue Linienbündel Miltenberg-Süd ausgeschrieben werden kann, sind vertragliche Anpassungen notwendig. So soll der Verkehrsvertrag Regiobündel Amorbach, der am 31. Dezember 2026 ausläuft, nur für elf Monate bis zum 30. November 2027 geschlossen werden. Danach soll das neu gebildete Linienbündel Miltenberg-Süd für einen Zeitraum von neun Jahren und einem Monat vergeben werden. Die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden seien laut dem Mobilitätsbeauftragten des Landkreises, Tim Haas, in die Planungen eingebunden, auch im Hinblick auf die Festlegung der Haltestellen in den Orten.

Für den On-Demand-Verkehr sind vier Fahrzeuge für Miltenberg-Süd vorgesehen, antwortete Haas auf eine Frage aus dem Ausschuss, Buchungen seien per App und telefonisch möglich. In diesen Verkehren würden bei Bedarf auch Fahrten verknüpft, eventuell mit Umwegen. Das verdeutliche den öffentlichen Charakter dieses Verkehrs im Gegensatz zum Taxiverkehr. Man werde den VAB-Tarif anwenden, möglicherweise mit einem „Komfortzuschlag“, damit Menschen, die Fahrten buchen, auch tatsächlich am Haltepunkt auftauchen. Auch Sondertarife seien anwendbar, erklärte Haas. Für Landrat Björn Bartels ist klar, dass diese Verkehre nicht nur der Wirtschaftlichkeit dienen, sondern auch der Nachhaltigkeit: So müsse nicht ein großer Bus fahren, wenn nur wenige Menschen eine Fahrt buchen, erklärte er.

In der anschließenden nichtöffentlichen Sitzung stellte die Kreisverwaltung die Kostenprognose für die neuen Verkehre vor, auch wurde über den Zuschlag für die elfmonatige Interimsvergabe und die Einleitung des Vergabeverfahrens diskutiert.

Linienbündel Maintal-Südost: Der Ausschuss nahm zur Kenntnis, dass das Linienbündel Maintal-Südost mit den Buslinien 61,76, 74 und 76 auch weiterhin von der Firma Wießmann & Sohn (Mönchberg) eigenwirtschaftlich betrieben wird. Der Antrag des Busunternehmens sieht neben dem bisherigen Fahrtenangebot einige weitere Fahrten am Wochenende vor. Die Genehmigungsurkunde für den Betrieb sei Anfang Juli ausgestellt worden, erklärte Tim Haas, der Betrieb sei für den Landkreis kostenneutral. Um eine zeitliche Synchronisierung mit dem benachbarten Linienbündel Leidersbachtal zu
erreichen, wurde die Konzession für 37 Monate erteilt – also bis zum 31. Dezember 2030. Danach soll ein neu zu bildendes Linienbündel für einen Zeitraum von zehn Jahren vergeben werden.

Einstimmig hat der Kreisausschuss dem Kreistag die Beschaffung eines gebrauchten Wechselladerfahrzeugs für den überörtlichen Brand- und Katastrophenschutz empfohlen. Laut Kreisbrandrat Martin Spilger werde damit das seit 14 Jahren bestehende Wechselladerkonzept weiterentwickelt. Das Fahrzeug, das vermutlich um die 250.000 Euro kosten wird, soll beim THW-Ortsverband in Miltenberg stationiert werden. Das Fahrzeug kann unter anderem für Einsätze wie Waldbrände, Hochwasserschutz, Pumpen und Abstützung eingesetzt werden. Insbesondere bei der Bekämpfung von Waldbränden
könne mit der Stationierung beim THW auf tatkräftige, bestens ausgebildete Helfer gesetzt werden. Spilger stellte dem Ausschuss zudem das Wechselladerkonzept des Landkreises vor mit allen Standorten, an denen Wechselladerfahrzeuge und Abrollcontainer stationiert sind.

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