Landrat überreicht vier Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten

Die zu ehrenden Personen mit Landrat Björn Bartels
Vier Menschen, die über Jahrzehnte Verantwortung für die Gesellschaft übernommen haben, wurden mit Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten für Verdienste im Ehrenamt ausgezeichnet. Im Bild (von links) Landrat Björn Bartels, Hermann Spinnler, Christel Völker, Helena Frankenberger und Friedbert Trunk. Foto: Winfried Zang

In der Vinothek, der „guten Stube“ des Miltenberger Landratsamts, hat Landrat Björn Bartels am Dienstag, 20. Oktober, vier Menschen ausgezeichnet, die über Jahrzehnte Verantwortung für die Gesellschaft übernommen haben. Als Anerkennung überreichte er Helena Frankenberger, Hermann Spinnler, Friedbert Trunk und Christel Völker das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten.

Eine freiheitliche und demokratische Gesellschaft funktioniere nicht allein durch staatliche Institutionen, Gesetze oder Verwaltungen, stellte Bartels fest, sie brauche vielmehr Menschen, „die bereit sind, sich einzubringen und ihr Lebensumfeld mitzugestalten.“ Ehrenamt beginne oft unspektakulär, aber schnell würden aus einzelnen Aufgaben Jahre und manchmal sogar Jahrzehnte. „Was für die Engagierten selbst irgendwann selbstverständlich erscheint, ist für unsere Gemeinschaft aber alles andere als selbstverständlich“ sagte der Landrat, daher sei es wichtig, Danke zu sagen. Das Ehrenzeichen des Bayerischen Ministerpräsidenten für Verdienste im Ehrenamt sei eine ganz besondere Form der Anerkennung, erklärte Bartels. Es werde seit 1994 an Menschen verliehen, die sich durch langjährige aktive Tätigkeit in Vereinen, Organisationen oder anderen Gemeinschaften mit kulturellen, sportlichen, sozialen oder anderen gemeinnützigen Zielen hervorragende Verdienste erworben haben. In der Regel stehe dahinter ein Engagement von mindestens 15 Jahren, bei den heute zu Ehrenden müsse man aber über deutlich längere Zeiträume sprechen. Mit dem Ehrenzeichen sei zugleich die Berechtigung für die unbefristet gültige goldene Bayerische Ehrenamtskarte verbunden, die bei vielen öffentlichen und privaten Akzeptanzpartnern in ganz Bayern Vergünstigungen biete. Zwei der zu Ehrenden hätten die Karte bereits, zwei weitere würden sie erhalten.

Helena Frankenberger (Röllbach) engagiert sich seit 1998 in der Pfarrgemeinde Röllbach. Von 1998 bis 2006 war sie im Pfarrgemeinderat. Sie behielt dabei ältere wie auch jüngere Menschen im Blick, packte aber auch beim Pfarrfest und der Vorbereitung der Sternsingeraktion an. Sie nähte neue Gewänder für die Sternsinger und hielt die Kleidung in Ordnung. Frankenberger war zudem von 1998 bis 2010 im Seniorenausschuss der Pfarrgemeinde aktiv und half bei Seniorennachmittagen, Vorträgen und weiteren Veranstaltungen. Über viele Jahre waren sie Lektorin und Kommunionspenderin, sie übernahm auch die Krankenkommunion für ältere Menschen. Über mehrere Jahrzehnte trug sie in Röllbach und Schmachtenberg das Sonntagsblatt aus – zeitweise in mehr als 100 Haushalte. Frankenberger habe immer gesehen, wo Hilfe gebraucht wird und habe ganz selbstverständlich mit angepackt – häufig im Hintergrund und ohne großes Aufheben.

Hermann Spinnler (Sulzbach) übernahm 29 Jahre lang Verantwortung im Vereinsring Sulzbach: von 1994 bis 2001 als zweiter Vorsitzender und von 2001 bis 2023 als Vorsitzender. Dies sei umso bemerkenswerter, als er dies über viele Jahre parallel zu seiner Tätigkeit als Bürgermeister getan habe. Um den Blick für den einzelnen Verein nicht zu verlieren, brauche es Fingerspitzengefühl, Erfahrung und einen ausgeprägten Sinn für Gemeinschaft, so der Landrat. Spinnler habe viele Veranstaltungen wie die Sulzbacher Kerb, den Faschingsumzug und den Kinderfasching, die zum gesellschaftlichen Leben der Marktgemeinde gehören, über Jahrzehnte begleitet und mitgeprägt. Das habe er nicht nur organisatorisch im Hintergrund getan, sondern auch im Fasching mit Büttenreden in Mundart. Spinnler sei auch offen für Neues gewesen – etwa 2019 als Mitinitiator und
Ausrichter des ersten Sulzbacher Vereinsring-Camps, bei dem rund 30 Kinder gemeinsam eine besondere Zeit erleben konnten.

Friedbert Trunk (Rüdenau) sei umfassend aktiv gewesen, stellte der Landrat fest. Ein wesentlicher Teil seines ehrenamtlichen Lebens gehöre seit 1977 der Musik und dem Gesangverein „Liederkranz“ Rüdenau. Dort sei er als Beirat, Kassier und Vorstandsmitglied nicht nur Verwalter gewesen, sondern habe auch Entwicklungen angestoßen: 2009 war er Gründungsmitglied des Gemischten Chores, 2011 ging der erste Liederabend auf seine Initiative zurück. Als 2014 ein Kinder- und Jugendprojektchor den „Räuber Hotzenplotz“ auf die Bühne brachte, stand er sogar selbst in der Hauptrolle auf der Bühne. Seit 2014 sei er Ehrenmitglied des Gesangvereins. Auch um das Vereinsarchiv kümmerte er sich akribisch. Trunks musikalisches Engagement begann sehr früh: Bereits von 1964 bis 1983 spielte er im Musikverein Rüdenau. Auch in der Pfarrei St. Ottilia Rüdenau übernahm er zahlreiche Aufgaben – unter anderem als Mesner, Küster, Lektor, Kantor und Kommunionhelfer. Von 2018 bis 2022 war er im Pfarrgemeinderat und dort Schriftführer. Dazu kämen eine langjährige Verbundenheit mit der Freiwilligen Feuerwehr und kommunalpolitisches Engagement: Von 1981 bis 1990 saß er im Gemeinderat, auch seit 2020 ist er hier aktiv.

Christel Völker (Eschau) engagiert sich seit mehr als zwei Jahrzehnten im sozialen und kirchlichen Bereich. Von 2002 bis 2018 war sie 16 Jahre lang Kassiererin des VdK-Ortsverbands Eschau. Hier half sie bei der Organisation gesellschaftlicher Veranstaltungen und hatte besonders diejenigen Menschen im Blick, für die Begegnung, Austausch und Gemeinschaft wichtig sind. Diesem Anliegen sei sie auch als Leiterin des Seniorenkreises Sommerau treugeblieben, wo sie von 2005 bis 2016 Seniorennachmittage, gemeinsame Veranstaltungen und Ausflüge organisierte. In der Pfarrgemeinde St. Laurentius Sommerau habe sie sich unter anderem im Reinigungsteam der Kirche engagiert und bei Pfarrfesten und weiteren Veranstaltungen geholfen. Ein besonderes Kapitel sei der Strickkreis der Kolpingsfamilie Sommerau, dessen Leitung Völker 2002 übernahm. Dort gehe es um weit mehr als um das Stricken, stellte Björn Bartels fest, die regelmäßigen Treffen schafften Gemeinschaft und Austausch. Gleichzeitig entstanden unzählige handgefertigte Arbeiten, deren Verkaufserlöse sozialen und gemeinnützigen Einrichtungen zugutekamen.

Nach der Übergabe der Ehrenzeichen, zu der auch die Bürgermeister der Heimatgemeinden der Geehrten gratulierten, tauschten sich alle Gäste bei einem Imbiss aus.

 

 

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