„Kino für uns alle“ feiert inklusives Filmprojekt
Rund 80 Besucherinnen und Besucher kamen zum 16. Inklusionsabend der Reihe „Kino für alle“ in die Kino Passage nach Erlenbach. Gezeigt wurden der inklusive Kurzfilm „Mord im Miltenberger Schwarzviertel“ der Lebenshilfe Miltenberg sowie der Dokumentarfilm „Open Ocean“ über inklusives Surfen in Portugal.
Bereits vor Filmbeginn kamen die Gäste im Kinobistro zusammen, um das zehnjährige Jubiläum des Kurzfilmprojekts „Mord im Miltenberger Schwarzviertel“ zu feiern. Viele der damaligen Schauspielerinnen und Schauspieler waren ebenfalls gekommen und freuten sich sichtlich, den Film nach so vielen Jahren wieder auf der großen Kinoleinwand zu sehen.
Sabine Prigandt-Kolb von der Lebenshilfe Miltenberg erinnerte daran, wie das Projekt entstanden war: Die Bundesvereinigung Lebenshilfe hatte damals zur Teilnahme am Filmwettbewerb „Familiale“ aufgerufen – und bei der Lebenshilfe Miltenberg entstand die Idee, mit einem eigenen Kurzfilm dabei zu sein. „Dass daraus ein Film entstanden ist, der nominiert und ausgezeichnet wurde, war für uns alle ein riesiges Erlebnis“, so Prigandt-Kolb.
Die Vorgabe lautete, einen zwölfminütigen Film zu drehen, der eine Familiengeschichte erzählt und das Thema Inklusion aufgreift. Mit dem professionellen Kameramann Timo Breitenbach wurde an drei Wochenenden im Winter 2016 gedreht. Rund 30 Menschen mit Behinderung standen dabei als Schauspielerinnen und Schauspieler vor der Kamera, unterstützt von mehr als zehn ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern.
Der Film erzählt eine spannende Geschichte aus Miltenberg: Es ist Karsamstag, frühmorgens um 8 Uhr. Die Metzgerei ist geschlossen, obwohl zahlreiche Personen Fleischwaren bestellt hatten. Schnell beginnt die Suche nach dem verschwundenen Metzger. Der Einsatz lohnte sich: „Mord im Miltenberger Schwarzviertel“ wurde als einer von fünf Filmen für den Familiale-Preis nominiert und ausgezeichnet. Beim Inklusionsabend wurde der Kurzfilm gemeinsam mit zwei Making-of-Filmen gezeigt, die Einblicke in die Entstehung des Projekts gaben.
Ulrike Wohlmann-Förster vom Bundesselbsthilfeverband Kleinwüchsige Menschen und ihre Familien eröffnete den Abend und stellte das Inklusionsteam vor. „Inklusion bedeutet für uns: Vielfalt sehen, Unterschiede wertschätzen – und niemanden außen vor lassen“, sagte sie. Zum Inklusionsteam gehören Dieter Lebert und Jennifer Kranich von der Kino Passage, die kommunale Behindertenbeauftragte Nadja Schillikowski, Sabine Prigandt-Kolb, Saskia Hörst, Ann-Kristin Heidig und Tobias Schneider von der Lebenshilfe Miltenberg sowie Ulrike Wohlmann-Förster. Für Barrierefreiheit im Kinosaal sorgten unter anderem eine induktive Höranlage, die Möglichkeit zur Nutzung der App Greta für Audiodeskription und Untertitel sowie Gebärdensprachdolmetscherin Laura.
Im Anschluss wurde der Dokumentarfilm „Open Ocean“ von Philippe Opigez und Rico Stein gezeigt. Er begleitet Menschen mit und ohne Behinderung beim inklusiven Surfen im Norden Portugals. Im Mittelpunkt stehen Hannes, Fritzi und Malin, die den Ozean aus ganz unterschiedlichen Perspektiven erleben. Der Film zeigt, wie Barrieren überwunden werden können, wenn Offenheit, Unterstützung und passende Rahmenbedingungen zusammenkommen.
Nach der Vorführung waren die Besucherinnen und Besucher eingeladen, ihre Eindrücke zu teilen und über Inklusion im Alltag ins Gespräch zu kommen. Dabei ging es unter anderem um sichtbare und unsichtbare Barrieren, um Teilhabe in Freizeit, Sport und Gesellschaft sowie um die Frage, wie Menschen mit und ohne Behinderung stärker miteinander statt nebeneinander leben können.
Der nächste Filmabend der Reihe „Kino für uns alle“ findet am Donnerstag, 24. September 2026, statt. Gezeigt wird dann der Film „Bis auf die Knochen“.