Jahresabschluss 2025 auf den ersten Blick erfreulich
Einen auf den ersten Blick erfreulichen Jahresabschluss für das Jahr 2025 hat Kämmerer Steffen Krämer am Donnerstag, 8. Oktober, dem Kreisausschuss vorgelegt. Trotz deutlich besserer als geplanter Zahlen der Ergebnis- und Finanzrechnung mahnte der Kämmerer angesichts kommender Herausforderungen zu Vorsicht.
So sei Krämer zufolge im Jahr 2025 ein Betrag von rund 4,74 Millionen Euro in der Ergebnisrechnung herausgekommen – statt geplanter 128.000 Euro. Stark dazu beigetragen habe das Ergebnis beim Öffentlichen Personennahverkehr: Man habe mit einem Minus von 2,55 Millionen Euro geplant, am Ende sei ein Überschuss von 700.000 Euro herausgekommen. Dieses Ergebnis sei „sehr verwunderlich“, sagte Krämer, der die Position nochmals vom Rechnungsprüfungsamt überprüfen lassen will.
In der Finanzrechnung stand ein Ist-Ergebnis von 14,8 Millionen Euro zubuche – 11,5 Millionen Euro über dem Ansatz. Das habe neben den positiven Entwicklungen in der Ergebnisrechnung unter anderem daran gelegen, dass Forderungen in Höhe von 5 Millionen Euro (Ende 2024) 2025 zurückgegangen seien, so Krämer. Erfreulich sei der Endbestand von rund 16,4 Millionen Euro liquider Mittel, davon entfielen 15,6 Millionen Euro auf den Landkreis Miltenberg, der Rest unter anderem auf die Abfallwirtschaft.
Angenehmer Effekt der Zahlen sei laut Krämer, dass man den eigentlich geplanten Kredit von 5,5 Millionen Euro nicht gebraucht habe. Die Schlussbilanz betrage in der Summe der Aktiva und Passiva jeweils 253.922.874 Euro, sagte der Kämmerer.
Er nannte anschließend einige Kennzahlen wie die Eigenkapitalquote I (40,8 Prozent gegenüber 40,0 Prozent in 2024), die Fremdkapitalquote (8,1 Prozent gegenüber 9,2 Prozent in 2024) sowie die Personalaufwandsquote von 18,1 Prozent (2024: 18,4 Prozent). Die Transferaufwandsquote, die Geldleistungen ohne direkte Gegenleistung an Dritte umfasst, bezifferte Krämer auf 43,5 Prozent. Darin enthalten sind der Transferaufwand für den ÖPNV sowie das Sozialamt.
Er müsse allerdings Wasser in den Wein gießen, relativierte Krämer das Jahresergebnis 2025. Zum einen gebe es immer noch Unsicherheit wegen des ÖPNV-Ergebnisses, der Umbau des Busbahnhofs Elsenfeld werde teurer als erwartet, für Klimaanpassungsmaßnahmen in Schulen seien Eigenmittel von 2,4 Millionen Euro beschlossen worden (im Rahmen der Haushaltsverabschiedung 2026 waren die Klimaschutzrückstellungen von 5 Millionen Euro auf 100.000 Euro gekürzt worden). Die Bezirksumlage werde kräftig um 4,33 Prozent auf 25,02 Prozent steigen, was für den Kreis um fast 9 Millionen Euro höhere Ausgaben bedeutet. Und es sei abzusehen, dass auch Positionen wie etwa für Personal, Jugendhilfe und Sozialhilfe weiter steigen würden.
Angeregt wurde aus dem Gremium, die Verwaltung möge einen Benchmark-Vergleich mit anderen Landkreisen – zumindest unterfrankenweit – ermöglichen, um sich vergleichen zu können. Möglicherweise könne man das über den Innovationsring oder den Landkreistag anstoßen, zeigte sich Landrat Björn Bartels offen für diese Anregung.
Einstimmig sagte der Kreisausschuss Ja für eine höhere Unterstützung des Roten Kreuzes im Landkreis für die Bewältigung der Aufgaben im Bevölkerungsschutz. So wird die Förderung von bislang 40.000 auf maximal 50.000 Euro erhöht, damit das BRK das Defizit aus der ehrenamtlichen Tätigkeit teilweise decken kann. Wie Sachgebietsleiter Marcel Fleckenstein sagte, unterstütze das BRK den Landkreis vielfältig bei der Wahrnehmung seiner Aufgaben im Bevölkerungs- und Katastrophenschutz, insbesondere durch die Schnelleinsatzgruppen. Die Erhöhung trage den gestiegenen Anforderungen an den Bevölkerungsschutz sowie der Bedeutung der durch das BRK vorgehaltenen Einsatzstrukturen Rechnung und unterstütze insbesondere den Erhalt, die Einsatzbereitschaft und die Weiterentwicklung der erforderlichen Fahrzeuge, Ausrüstung und organisatorischen Strukturen.
Daniel Muschik, BRK-Sachgebietsleiter Bildung und Engagement und Sachbearbeiter Einsatzdienste, legte eine lange Liste von Fahrzeugen und Geräten vor, die das BRK für seine 300 ehrenamtlichen Einsatzkräfte vorhält. Jährlich entstünden so Kosten bis zu 300.000 Euro für Aus- und Fortbildung, Dienst-, Einsatz- und Schutzkleidung, Wartung und Instandhaltung der Fahrzeuge, Neu- und Ersatzbeschaffungen von Material, Instandhaltung von Medizinprodukten, Treibstoffe und Energiekosten sowie einiges mehr.
Dies alles müsse der Kreisverband selbst finanzieren, stellte er fest. Auch im Bereich des erweiterten Katastrophenschutzes seien Fahrzeuge und Material zu finanzieren, sagte Muschik. Zurzeit beschaffe man zwei neue Fahrzeuge – einen Rettungstransportwagen für 240.000 Euro sowie einen Einsatzleitwagen für rund 375.000 Euro, für den man eine Förderung von 166.000 Euro erwartet. Der Ausschuss erkannte die Leistungen des BRK an und sagte die höhere Förderung in Form einer freiwilligen Leistung einstimmig zu.
Rechnungsprüfer Daniel Steegmüller trug den Jahresabschluss 2025 der Rohe’schen Altenheimstiftung vor, der vom Rechnungsprüfungsausschuss örtlich geprüft wurde. Er gab bekannt, dass keine Unregelmäßigkeiten aufgefallen seien. Lediglich drei rein formelle Prüfungsanmerkungen seien gemacht worden. Die wirtschaftlichen Verhältnisse seien geordnet, die Zahlungsbereitschaft sei uneingeschränkt gegeben. Die Bilanzsumme betrug in Aktiva und Passiva jeweils 8.563.644 Euro. Der Ausschuss stellte den Jahresabschluss einstimmig fest und erteilte die Entlastung. Der Jahresüberschuss 2025 in Höhe von 34.124 Euro wird laut einstimmigem Beschluss wie folgt verwendet: 3.412 Euro werden in die freien Rücklagen eingestellt, der Rest in eine Rücklage für Instandhaltung der Gebäude und Räume der Einrichtung.
Ebenfalls einstimmig sagte der Kreisausschuss Ja zum Beitritt des Landkreises Miltenberg zum Förderverein Technische Hochschule Aschaffenburg. Die Büroleiterin des Landrats, Susanne Seidel, stellte fest, dass mit dem Beitritt die Hochschule als wichtiger Bestandteil des Wirtschafts- und Wissenschaftsstandorts gefördert werden soll. Zwischen Landkreis und TH bestehe bereits eine enge Verbindung – etwa durch die Studiengänge „Mittelstandsmanagement“ und „Digitales Marketing/E-Commerce“ am Campus Miltenberg. Mit dem Beitritt könne man beispielsweise die Vernetzung weiter ausbauen, die Verbindung zwischen Hochschule und Landkreis nachhaltig stärken, die gute Zusammenarbeit mit den zuführenden Schulen fördern und Praktikumsplätze für Studierende akquirieren. Dem Landkreis entstehen durch den Beitritt jährliche Kosten von 200 Euro.
Keine Einwände hatte der Ausschuss gegen den Vorschlag des Mobilitätsbeauftragten Tim Haas, der Landkreis möge in der Interessensgemeinschaft Taubertal mitwirken. Grund ist die Ankündigung der Bahn, die Zughalte auf der Tauberbahn zu reduzieren mit dem Ziel, den Stundentakt an den Knotenpunkten zwischen Lauda und Crailsheim sicherzustellen – und das trotz Millioneninvestitionen in die Infrastruktur. Als Reaktion darauf hatte der Kreistag Main-Tauber eine Resolution verabschiedet mit dem Ziel, dass alle gesellschaftlichen Kräfte daran arbeiten sollen, weitere Einschränkungen zu vermeiden und Verbesserungspotenziale zu identifizieren. Dies gelte auch für die benachbarten Bahnstrecken der Maintalbahn, der Madonnenlandbahn und der Hohenlohebahn. Landrat Björn Bartels betonte die umfangreichen Pendlerverflechtungen zwischen dem Landkreis Miltenberg und der Tauberbahn. Insofern habe die Angebotsreduzierung auch direkte Auswirkungen auf die Menschen im Landkreis Miltenberg. Der Landkreis wird daher an der Gründungsversammlung der Interessensgemeinschaft Tauberbahn am 20. Oktober in Igersheim teilnehmen.