Imaginäre Landschaften und neugierige Kinderaugen
Zahlreiche Gäste haben der Miltenberger Malerin Jutta Winterheld mit dem Besuch der Vernissage am Mittwoch, 14. Oktober, ihre Wertschätzung gezeigt. In der Kochsmühle Obernburg mussten noch Stühle herangeschafft werden, damit der Großteil der rund 80 Besucherinnen und Besucher Platz fand. Die Ausstellung dient mit aktiven Führungen für Kinder auch als Grundlage für den Schaefler-Preis.
Er sei sehr froh, dass es in Obernburg Räume wie die Kochsmühle gibt, um Kunst ausstellen zu können, stellte Obernburgs Bürgermeister Nikolaus Volland bei der Begrüßung fest. Kunst sehe jeder Mensch anders, jeder entdecke etwas Eigenes.
Winterheld gestalte in ihren Bildern die Natur auf persönliche Weise neu, sagte er. Kinder etwa begegneten ihrer Umgebung mit Neugier und Staunen, ohne dass sie das Gesehene einordnen. Seine sechsjährige Tochter habe die Ausstellung besucht und sei begeistert gewesen, erzählte der Bürgermeister. Er freute sich, dass Kinder hier die Kunst entdecken und selbst kreativ werden können.
Der Titel der Ausstellung „Mit den Augen wandern“ sei wunderbar gewählt, wandte sich der weitere Stellvertreter von Landrat Björn Bartels, Ralf Reichwein, an die Künstlerin. In ihren Bildern gebe es etwas zu entdecken, der Blick wandere über Farben, Formen, Landschaften, Weite und Himmel. Dann wiederum begegne man ganz anderen Motiven, den ausdrucksstarken Kinderporträts. Winterhelds Landschaften, so Reichwein, „bilden die Natur nicht einfach naturgetreu ab, vielmehr entstehen aus Erlebtem, Empfundenem und der eigenen Vorstellung neue Bildwelten, die viel Raum für eigene Gedanken und Gefühle lassen.“ Genau das mache Kunst so wertvoll, sagte er, „sie schreibt uns nicht vor, was wir sehen sollen, sie lässt und selbst entdecken, selbst empfinden und selbst interpretieren.“
Reichwein ging weiter auf die sogenannten aktiven Führungen ein, in denen Kinder die Künstlerin und ihre Werke kennenlernen. Anschließend werden sie selbst aktiv und bringen ihre Eindrücke zu Papier. Wie gut dieses Angebot angenommen wird, zeigte sich daran, dass die Führungen zum größten Teil ausgebucht seien. Die aktiven Führungen gäben jungen Menschen die Möglichkeit, mit ihren eigenen Augen zu sehen und mit ihrer eigenen Fantasie etwas Neues entstehen zu lassen. Aus den von den Kindern und Jugendlichen gestalteten Werken würden am Ende die Nominierten für den Schaefler-Preis ausgewählt, so Reichwein.
Sein Dank galt der Künstlerin, aber auch Cornelia König-Becker, die eng an der Auswahl der Bilder und der Gestaltung der Ausstellung mitgewirkt habe. Ein großes Lob richtete er an das Führungsteam Margarete Bernhard, Sonja Böhmer, Jessica Hösch, Christiane Leuner, Nadia Trautmann und Joachim Weissenberger. Ohne das Engagement des Kulturreferats unter Leitung von Juliana Fleischmann wäre die Ausstellung und die Vernissage nicht möglich gewesen, richtete Reichwein seinen Dank an das Landratsamt.
Er hob zudem die Kooperation mit der Stadt Obernburg hervor, die die Kochsmühle zur Verfügung stelle.
Es sei an der Zeit gewesen, Jutta Winterheld mit einer Ausstellung zu würdigen, führte Cornelia Becker-König in die Ausstellung ein. Winterheld habe ein umfangreiches Werk geschaffen, hatte die Galeristin bei einem Besuch bei der Künstlerin mit eigenen Augen gesehen. Winterheld sei auch deswegen mit Blick auf die Kinder für die Ausstellung geeignet, weil sie bei aller professionellen Strenge und Abstraktion nie die Welt des Spielerischen in Verbindung zur Kindheit verloren habe. Ihre Bilder erzählten etwas Essenzielles – mit Gewitterwolken, Wasser, ewigen Steinen, knorzigen Bäumen mit kahlen Ästen etwa. Auf den Landschaftsbildern seien zudem weder Tiere noch Menschen zu sehen. Winterheld habe sich die Freiheit genommen, eigene Landschaften und imaginäre Orte zu komponieren, sagte König-Becker, sie male nicht naturgetreu. Beispielhaft ging sie auf einige Werke ein. So seien direkt im Eingangsbereich zwei auf den ersten Blick völlig gegensätzliche Werke zu sehen, sagte sie und verwies auf das Motiv eines schneebedeckten Bergs mit einem nebenstehenden Kinderporträt. Der Natur in ihrer unzugänglichsten Form stünden neugierige Kinderaugen gegenüber, die Antworten suchen. Für König-Becker ist das aber kein Gegensatz. Manche Werke zeigten farbige, abstrakte Malereien mit zuweilen luftigen, poetischen Wirkungen. Auf anderen Bildzyklen sehe man expressive, energische und dynamische Wirbel von Farb- und Formelementen.
Es sei eine tolle Sache, dass man in der Kochsmühle in Kooperation mit dem Kulturreferat einen Freiraum für Kinder und Jugendliche geschaffen habe, sagte sie. Hier könnten junge Menschen Kunst erleben und hätten die Möglichkeit, ihre Blicke wandern zu lassen und an die Bilder heranzugehen.
Im Anschluss nutzten die Gäste die Gelegenheit, mit der Künstlerin ins Gespräch zu kommen und bei einem Rundgang die Bilder auf sich wirken zu lassen. Dabei half auch der Tipp des Landratsstellvertreters Ralf Reichwein: Der hatte nicht nur empfohlen, den Bildern einen zweiten Blick zu schenken, sondern auch, ein paar Schritte zurück zu gehen und die Bilder aus der Weite zu betrachten und so neue Details zu entdecken.
Musikalisch umrahmt wurde die Vernissage vom Streichquartett der Musikschule Erlenbach mit Linus Stadtmüller, Pius Stadtmüller, Anna Zhang und Victoria Nummer unter Leitung von Doris Völcker.
Die Ausstellung ist noch jeweils samstags (16 bis 18 Uhr) sowie sonn- und feiertags (14 bis 17 Uhr) geöffnet, zudem findet am Sonntag, 25. Oktober, um 15 Uhr der „Kunstdialog mit Mapec“ statt, bei dem Martin Pechthold und Jutta Winterheld gemeinsam durch die Ausstellung führen.