Gesundheitsforum wird zur Gesundheitskonferenz

Blick der Gäste auf das Rednerpodium
Beim Gesundheitsforum im Miltenberger Landratsamt war auch die reformierte Förderung für regionale Pflegenetzwerke ein Thema. Foto: Winfried Zang

Nach längerer Pause kam das Gesundheitsforum der GesundheitsregionPlus am Mittwoch, 28. Oktober, wieder zu einer Sitzung zusammen. Das Forum traf dabei wichtige Entscheidungen zur Weiterentwicklung der Gremienstruktur.

Laut Landrat Björn Bartels, der dem Gesundheitsforum seit seiner Wahl zum Landrat vorsitzt, gelte es, die wachsenden Herausforderungen gemeinsam zu bewältigen.
Man müsse miteinander in den Austausch gehen, sagte er. Auch die Gremien der Gesundheitsregion Plus müssten sich weiterentwickeln, zeigte die Geschäftsstellenleiterin der GesundheitsregionPlus, Isabella Zerritsch, auf. In der Vergangenheit habe sich gezeigt, dass die Beteiligung an den Arbeitsgruppen unterschiedlich ausgeprägt gewesen sei. Auch die verschiedenen Formate und Aufgaben des Gesundheitsforums und der Arbeitsgruppen seien zuletzt nicht immer klar voneinander abgegrenzt gewesen. Auf der anderen Seite gebe es viele positive Erfahrungen wie die gute Vernetzung der Akteure im Landkreis, den wertvollen fachlichen Austausch sowie das Anstoßen neuer Themen, Projekte und Veranstaltungen. Vor diesem Hintergrund sei eine Neuausrichtung der Gremienstruktur angestrebt worden.

Zerritsch zufolge soll das bisherige Gesundheitsforum als zentrale Plattform unter dem Namen Gesundheitskonferenz fortgeführt werden, die künftig allen Mitgliedern der Gesundheitsregion offensteht. Die Arbeitsgruppen der Handlungsfelder Gesundheitsversorgung und Gesundheitsförderung sollten nicht mehr als dauerhafte Großgremien geführt werden, sondern themenspezifisch in kleineren Gruppen organisiert werden. Die Gruppen könnten auch jederzeit aufgelöst werden, wenn das jeweilige Ziel erreicht sei oder keine Fortschritte erzielt würden. Um die Änderungen umzusetzen, brauche es eine Änderung der Geschäftsordnung.

Wie diese aussieht, führte die Leiterin der Abteilung Sicherheit und Ordnung am Landratsamt, Jasmin Grußler, aus. Mit den Änderungen sollen die Arbeit und die Zusammenarbeit verbessert werden, so Grußler, die sich damit auch eine bessere Vernetzung verspricht. Die neuen Arbeitsgruppen sollten mit vier bis zehn Personen kleiner sein und dadurch fokussierter arbeiten können. Wann, wo und wie oft getagt wird, sollen die Gruppen selbst entscheiden. Die jeweiligen Leitungen sollen Kontakt zur Geschäftsstelle halten und ihre Arbeit in der Gesundheitskonferenz vorstellen.
Nachdem der Landrat die Änderung der Geschäftsordnung beantragt hatte, sagte das Forum einstimmig Ja zum Entwurf. Ebenfalls einstimmig sagte das Forum Ja zur Aufnahme von 35 neuen Mitgliedern. Damit sind auch die Mitglieder der Arbeitsgruppen neue Mitglieder der Gesundheitskonferenz mit Stimmrecht. Man sei zudem offen für neue Mitglieder, so Grußler.

Michaela Schwarz (PflegeNetz) stellte die bisherigen und geplanten Veranstaltungen vor. Dazu gehörten 2026 unter anderem der Berufswegekompass in Elsenfeld, ein Gesundheitstag für Pflegekräfte und die Berufsmesse „Karriere mit Herz“. Am 17. November findet noch der Tag der sozialen Berufe statt. Im nächsten Jahr soll zudem ein Ausbildungsmagazin für Gesundheitsberufe erscheinen. Ausführlich informierte sie über die reformierte Förderung für regionale Pflegenetzwerke. Die maximale Fördersumme werde von bislang 25.000 Euro auf 30.000 Euro pro Jahr angehoben. Damit verbunden sei der klare Auftrag, auch die Versorgung und Unterstützung Pflegebedürftiger und ihrer Angehörigen zu verbessern und die Prävention zu stärken. Daraus könne eine noch stärker aufeinander abgestimmte regionale Unterstützungsstruktur entstehen, in der bestehende Angebote nicht nebeneinanderstehen, sondern aus Sicht der pflegenden Angehörigen zusammengedacht werden. Damit könne das PflegeNetz seine Stärken bewahren und die Perspektive der pflegenden Angehörigen zum verbindenden Element der weiteren Entwicklung machen. Gemeinsam werde man darauf schauen, wo bereits gute Strukturen bestehen, wo Lücken sichtbar werden und welche Chancen sich daraus für die weitere Netzwerkarbeit ergeben.

Kurz ging Geschäftsstellenleiterin Isabella Zerritsch auf aktuelle Projekte der GesundheitsregionPlus ein, beispielsweise die Präventionskonferenz. Dabei sei als eines der Top-Themen die Stärkung der psychischen Gesundheit erkannt worden.
Dazu werde am Mittwoch, 11. November, ein Online-Fachvortrag von Prof. Dr. med. Marcel Romanos (Uniklinik Würzburg) zum Thema „Wie wird Prävention wirksam?“ stattfinden. Eine neue Arbeitsgruppe „Psychische Gesundheit“ werde sich am Mittwoch, 9. Dezember, im Landratsamt konstituieren. Das neue Angebot „Sport vor Ort – Mil in Action“ sei im Sommer gut angelaufen, freute sich Zerritsch. Bei den neun Angeboten – alle kostenfrei und ohne Anmeldung besuchbar – seien über alle Kurse gemittelt elf Teilnehmende gezählt worden.

Die neue Lebensretter-App habe nach einem erfolgreichen Testbetrieb im Juli 2026 ihren Wirkbetrieb begonnen, erklärte Mark Weigandt (Geschäftsführer des Zweckverbands für Rettungsdienst und Feuerwehralarmierung Bayerischer Untermain). Man habe damit eine sinnvolle Ergänzung zu den etablierten Rettungssystemen geschaffen, sagte er. Per App würden registrierte, medizinisch qualifizierte Ersthelfer bei Bedarf angefragt, wenn die Zeit bis zum Eintreffen des Rettungsdiensts bei Reanimationen überbrückt werden müsse. Wie das funktionierte, zeigte er an einem anonymisierten Fallbeispiel. Aktuell seien 756 Ersthelfer in der Stadt und im Landkreis Aschaffenburg sowie im Landkreis Miltenberg registriert. Ziel seien 1.000.

Um Jugendliche der Oberstufen über „Wege ins Medizinstudium“ zu informieren, ist laut Isabella Zerritsch im Frühjahr 2027 eine Onlineveranstaltung geplant. Zudem arbeite man daran, weitere Hausarztpraxen als Lehrpraxen zu gewinnen. Auch die Zukunft des Famulaturprogramms wurde diskutiert. Als möglicher neuer Ansatz steht dabei ein Stipendienprogramm im Raum, eine abschließende Entscheidung ist jedoch noch nicht gefallen. Ziel sei es, medizinische Nachwuchskräfte für den Landkreis zu gewinnen und so langfristig die ärztliche Versorgung zu sichern.

Die nächste Sitzung des reformierten Gremiums ist für das kommende Frühjahr geplant, um den Austausch fortzuführen und die gemeinsame Arbeit weiter voranzubringen.

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