Familienstützpunkte feiern zehnjähriges Bestehen

Gruppenfoto
Ein Dankeschön in Form von Blumensträußen gab es für vier Frauen, die sich um die beiden Familienstützpunkte im Landkreis Miltenberg verdient gemacht haben (von links): Erlenbachs Bürgermeister Christoph Becker, Katrin Wolf, Claudia Joos, Birgit Sarembe, Anke Vieth, Caritas-Vorstand Heinrich Almritter und stellvertretender Landrat Bernd Schötterl. Foto: Winfried Zang

Kaum zu glauben, wie schnell die Zeit vergeht: Zehn Jahre ist es her, dass im Landkreis Miltenberg zwei Familienstützpunkte etabliert wurden. Dieses niedrigschwellige Angebot für alle, die mit Familienthemen befasst sind, hat sich zur Erfolgsgeschichte entwickelt, wie sich bei der Jubiläumsfeier am Mittwoch, 21. Oktober, in der Frankenhalle Erlenbach zeigte.

Die Familienstützpunkte wurden 2016 ins Leben gerufen: der Stützpunkt Süd – angedockt an die Caritas – im Franziskushaus Miltenberg, der Stützpunkt Nord zunächst im Jugendzentrum Erlenbach, mittlerweile im Sozialreferat der Stadt im Bahnhofsgebäude. Hier können sich Mütter und Väter, werdende Eltern, Großeltern und andere Menschen in Erziehungsverantwortung – egal welcher Herkunft, Religion und Weltanschauung – kostenfrei und wohnortnah vertraulich beraten lassen. Das Angebot wird vom Bayerischen Staatsministerium für Familie, Arbeit und Soziales sowie dem Landkreis Miltenberg gefördert. Die Stützpunkte verfolgen einen präventiven, familienorientierten und ganzheitlichen Ansatz.

Für den Landkreis freute sich stellvertretender Landrat Bernd Schötterl vor zahlreichen Gästen über die Etablierung der Familienstützpunkte. Die zeigten eindrucksvoll, „wie aus einer Idee ein Angebot geworden ist, das heute für viele Familien ganz selbstverständlich dazugehört.“ Familienalltag sei nicht immer einfach, wusste Schötterl, es gebe „kleine Fragen und große Herausforderungen“. Manchmal brauche es nur eine Information oder einen guten Rat, manchmal ein offenes Ohr – und manchmal Hilfe, die richtige Anlaufstelle zu finden. Genau hier setzten die Familienstützpunkte an, die Familien beraten, informieren und begleiten. Aber sie seien auch Orte der Begegnung, des Austauschs und der Vernetzung. Ganz wichtig aus Sicht des Landkreises: „Unterstützung soll Familien möglichst früh erreichen und nicht erst dann, wenn aus einer kleinen Unsicherheit ein großes Problem geworden ist.“ Genau deshalb seien die Stützpunkte ein wichtiger Bestandteil der präventiven Familienarbeit. Schötterl dankte allen, die in den Familienstützpunkten aktiv sind, den Trägern, den Kommunen, den Fachstellen und Kooperationspartnern. Denn, so der stellvertretende Landrat, „Familienbildung funktioniert nicht im Alleingang, sie lebt von der Zusammenarbeit unterschiedlicher Stellen.“ Er wünsche sich, „dass die Familienstützpunkte auch in den kommenden Jahren Orte bleiben, an denen Familien willkommen sind, Orientierung finden und erleben, dass sie mit ihren Fragen nicht alleine sind.“

Gäste beobachten den Vortrag
Anke Vieth (links) und Birgit Sarembe blickten auf die Entwicklung der Familienstützpunkte in den letzten zehn Jahren zurück. Foto: Winfried Zang

Heinrich Almritter (Vorstand Kreiscaritasverband), hob das große Netzwerk hervor, das hinter den Familienstützpunkten steht und ohne das die Arbeit nicht möglich wäre. Die Stützpunkte seien ein Ausdruck dessen, was im Landkreis gemeinsam im sozialen, gesellschaftlichen und pädagogischen Bereich erreicht wurde. In den Anfangsjahren hätten Judith Appel, Claudia Joos und Iris Neppl das Thema professionell auf den Weg gebracht, blickte er zurück. Beginnend mit einer Bestands- und Bedarfsabfrage, habe man ein Familienbildungsnetzwerk auf den Weg gebracht. Dank des Kreistags habe man schnell die Ausschreibung für die Familienstützpunkte auf den Weg gebracht. Dass ein Stützpunkt bei der Caritas angedockt wurde und ein anderer bei der Stadt Erlenbach, habe sich als taugliches Konzept erwiesen. Almritter lobte die Kooperation von Landkreis, Kommunen, Behörden und Wohlfahrtsverbänden. Im Übrigen, so Almritter, könne er sich einen dritten und vierten Stützpunkt gut vorstellen – möglicherweise angedockt an einen Kindergarten.

Erlenbachs Bürgermeister Christoph Becker freute sich, dass das Konzept vor einer Dekade auf den Weg gebracht worden sei und stellte alle heraus, die daran mitgearbeitet haben und dies noch tun. „Es ist so, als ob die Familienstützpunkte schon immer dagewesen sind“, so sein Eindruck. Das sei der Verdienst vieler Persönlichkeiten, lobte er das daraus hervorgegangene Netzwerk, das niedrigschwellig arbeite und hochkompetent helfe. Dass es zwei Standorte gebe, sei ein Gewinn für alle, so Becker. „Wir sind stolz darauf, dass es gelungen ist, dieses Kind auf die Welt zu bringen“, fand er und bat zusammen mit Heinrich Almritter und dem stellvertretenden Landrat Bernd Schötterl vier Frauen nach vorne, die für die Familienstützpunkte stehen: Anke Vieth (Stützpunkt Süd), Birgit Sarembe (Stützpunkt Nord) sowie Katrin Wolf und Claudias Joos (beide Landratsamt) bekamen als Dank für ihr Engagement einen großen Blumenstrauß – und
langen Applaus von den Gästen.

Gäste verfolgen den Vortrag auf der Bühne
280 Gäste lauschten dem Vortrag von Thomas Fuchs zum Thema „Was Kinder brauchen.“ Foto: Winfried Zang

Für Anke Vieth und Birgit Sarembe sind die Familienstützpunkte „ein Ort der offenen Türen für alle, die sich in irgendeiner Form Familie nennen.“ Der Familienbegriff sei heute so vielfältig wie nie, sagte Sarembe, die Herausforderungen seien groß: Man habe oft das Gefühl, allein zu seine, man fühle sich überlastet. Genau hier setzten die Stützpunkte an: „Wir sind da, wenn Eltern Fragen haben und wir zeigen Wege auf, da wir wissen, wo es Antworten gibt“, stellte Anke Vieth dar. Das liege am großen Netzwerk, an das man Eltern vermitteln könne. Die Arbeit trägt Früchte, wie man an Zahlen ablesen konnte: Waren es 2017 noch 47 Beratungen pro Jahr, so stieg diese Zahl auf 430 im Jahre 2025. Die Zahl der Angebote innerhalb der letzten Dekade bezifferte Vieth auf 550, dazu kamen 4.200 Beratungen mit 15.500 Teilnehmenden. 2025 habe man 2.780 Teilnehmenden 90 Angebote unterbreitet, sagte sie. Eine Säule der Familienstützpunkte sei die Begegnung – etwa mit kostenlosen Familiencafés, wo man sich zwanglos trifft, miteinander Sorgen und Freude teilt und sich gegenseitig stützt. Dazu kommen Spielplatzaktionen, Filmabende und vieles mehr. Es gebe auch Bildungsangebote wie Erste-Hilfe-Kurse, Workshops, Vorträge und Themenabende. Ziel sei es, Familien zu stärken. Man erhebe den Bedarf und schaue, ob passende Angebote möglich sind, so Vieth. „Uns gehen die Ideen nie aus“, versprach sie. Birgit Sarembe freute sich über ihre „erfüllende und sinnstiftende Aufgabe“. Sie und Anke Vieth dankten der damaligen Koordinatorin Claudia Joos und ihrer Nachfolgerin Katrin Wolf, aber auch den ehemaligen Stützpunktleiterinnen Inge Richter und Alexandra Fahn.

Der Abend endete mit dem Vortrag des promovierten Diplom-Psychologen, Verhaltenstherapeuten, Lehrtherapeuten, Supervisors und Buchautors Thomas Fuchs zum Thema „Was Kinder brauchen“. In unterhaltsamer, kompetenter Form richtete er seinen Blick auf die Kindererziehung – aber aus dem Blick von Kindern mit Schwerpunkt darauf, Kinder so zu entwickeln, dass sie allen Herausforderungen angstfrei und positiv begegnen können. Fuchs stieß bei seinem Vortrag auf ein interessiertes Publikum, das die Frankenhalle so füllte, dass noch zusätzlich Stühle herbeigeschafft werden mussten. Rund 280 Gäste ließen sich vom Vortrag mitreißen und nahmen viele Erziehungsimpulse mit nach Hause.

Zurück zur Newsübersicht

Einstellungen gespeichert
Datenschutzeinstellungen

Wir verwenden Cookies, um Ihnen ein optimales Webseiten-Erlebnis zu bieten. Dazu zählen Cookies, die für den Betrieb der Seite und für die Steuerung unserer kommerziellen Unternehmensziele notwendig sind, sowie solche, die lediglich zu anonymen Statistikzwecken, für Komforteinstellungen oder zur Anzeige personalisierter Inhalte genutzt werden. Sie können selbst entscheiden, welche Kategorien Sie zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass auf Basis Ihrer Einstellungen womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.

Technisch erforderliche Cookies werden immer geladen.
You are using an outdated browser. The website may not be displayed correctly.