Fachveranstaltung des Regionalen Planungsverbands zur Wohnraumverdichtung
<Bayerischer Untermain> Am Freitag, den 3. Juli 2026 sind über 60 Mitglieder des Regionalen Planungsverbands der Einladung zur Fachveranstaltung „Verdichtete Wohngebiete: Wie kann qualitätsvolle Siedlungsentwicklung gelingen?“ im Landratsamt Aschaffenburg gefolgt.
Die vier Vorträge und der anschließende fachliche Austausch haben aufgezeigt, wie die kommunale Bauleitplanung im Einklang mit dem Regionalplan des bayerischen Untermains und damit nachhaltig, überregional sowie flächensparend und gleichzeitig lebenswert gelingen kann. Die Fachveranstaltung verfolgte das Ziel, unbebaute Flächen auch weiterhin zu schützen, indem bereits bebaute Flächen stets bedarfsgerecht genutzt werden, um gleichzeitig Natur und Klima zu schützen wie auch angemessen Wohnraum zu bieten und nachhaltiges Wirtschaftswachstum zu ermöglichen.
Der erste Vortrag von Anne Weiß von der Regierung von Unterfranken gab den Auftakt, indem zunächst diejenigen Vorgaben vorgestellt wurden, die der Regionalplan zur Siedlungsstruktur trifft. „Der durchschnittliche Unterfranke lebt derzeit auf rund 54 Quadratmetern. Tatsächlich gibt es aber zahlreiche Familienstrukturen und Lebensphasen mit unterschiedlichen Anforderungen an die jeweils passenden Wohnformen und Wege der Mobilität. Im Zentrum steht also die Frage: Passen die verfügbaren Wohnformen zu den tatsächlichen Lebensbedürfnissen der Menschen?“, fasste Anne Weiß die Herausforderungen bei Gestaltung des Regionalplans zusammen.
Für den zweiten Vortrag war Barbara Hummel zu gewinnen, die als Stadtplanerin in ihrem Münchner Büro „Hummel und Kraus“ tätig ist. Mit Blick auf den Geschosswohnungsbau im ländlichen Raum brachte sie planerische Praxiserfahrung aus Südbayern mit: „Ein gesundes Wohngebiet sollte aus verschiedenen Wohnformen bestehen, so dass Menschen in ihren unterschiedlichen Lebensphasen ein gemeinsames Gebiet bewohnen und die Lebensqualität davon profitiert. Die Herausforderung ist dabei zum Beispiel, dass größere Mehrgenerationenhäuser die bestehende Architektursprache zeitgemäß weiterentwickeln müssen, dass sie sich bestens einfügen und die Menschen schlussendlich gerne darin leben möchten.“.
Eine der Geschäftsführerinnen der Kärle-Gesellschaft für Landmanagement und Umwelt aus Weikersheim, Melanie Eisner, vermittelte im dritten Vortrag „Mut zur Dichte - wie gute (Bauleit-)Planung lebenswerte Wohnquartiere schafft“. Anhand erfolgreicher Beispiele machte sie deutlich: „Wir müssen wenig genutzte oder gar ungenutzte Flächen auch in Ortskernen identifizieren und kreative Wege finden, dort Leben hinein zu bringen. Wenn das wirklich gelingen soll, ist meine Empfehlung an die Bürgermeisterinnen und Bürgermeister, die städtebauliche Weiterentwicklung der bestehenden Orte zur „Chefsache“ zu machen.“
Einen weiteren Einblick in verdichtete Wohnformen in der Praxis schaffte Elisabeth Drescher, die erste Bürgermeisterin des Weinorts Sommerach: „Im Altort haben wir ein altes Scheunenviertel aufgekauft und das Areal durch gleich mehrere, modernste Häuser aufgewertet, die sich dennoch perfekt einfügen. Gleichzeitig finden sich beispielsweise mit dem Haus der Begegnung Gemeinschaftsräume für Menschen aller Generationen in direkter Nähe zur bestehenden und benachbarten Gastronomie, alt eingesessenen Bäckerei oder auch zur Kirche. Zudem planen wir in einem Baugebiet ein Projekt mit fünf fest definierten Haustypen und schaffen damit ein durchmischtes Gebiet - explizit ohne Tiny Houses, die unterm Strich nie eine so gute Flächenbilanz erzielen könnten.“
Organisiert wurde die Fachveranstaltung vom Regionalen Planungsverband in Kooperation mit der Flächensparoffensive des Freistaats Bayern.