E-Mobilität hält auch im ÖPNV Einzug

Teilnehmende stehen auf einem Parkplatz vor einem Elektrobus und lassen sich diesen zeigen
Der von der Firma OMNY getestete Elektrobus stieß bei den Teilnehmenden eines Austauschs zur Elektromobilität im ÖPNV auf reges Interesse. Foto: Winfried Zang

Der öffentliche Personennahverkehr soll durch die EU-Richtlinie Clean Vehicles Directive umweltfreundlicher werden. In Deutschland wurde dies durch das Saubere-Fahrzeug-Beschaffungs-Gesetz umgesetzt. Öffentliche Auftraggeber wie der Landkreis Miltenberg sind damit verpflichtet, bei der Ausschreibung von Verkehrsleistungen Mindestquoten für neu angeschaffte emissionsarme und emissionsfreie Fahrzeuge festzulegen. Das hat Auswirkungen für Verkehrsdienstleister wie etwa OMNY, die im Auftrag des Landkreises Linien fahren.

Welche Herausforderungen das Gesetz für Busunternehmer hat, erfuhren der weitere Stellvertreter des Landrats, Ralf Reichwein, und der Mobilitätsbeauftragte des Landkreises, Tim Haas, am Mittwoch, 5. August, bei einem Vor-Ort-Termin im OMNY-Betriebshof im Elsenfelder Ortsteil Rück-Schippach. Von der Aschaffenburg-Miltenberg-Nahverkehrsgesellschaft (AMINA) stießen Geschäftsführer Jürgen Römer und Dr. Georg Pfleiderer dazu, für den Markt Elsenfeld Bürgermeister Kai Homann, die OMNY-Geschäftsführer Horst Schauerte und Armin Löber sowie weitere Gäste.

Die Firma Gute Reise Hauck, die im Landkreis die Ausschreibung einiger Linien gewonnen hatte, hat ihren Linienverkehr mittlerweile in die OMNY GmbH überführt, die Verwaltung hat Ecovista (Augsburg) übernommen. Nach Vorstellung des Standorts durch Armin Löber bestieg die Gruppe einen Ikarus 80e, um einen Fahreindruck dieses Elektro-Midi-Busses mit 18 Sitz- und 42 Stehplätze zu gewinnen. Angetrieben wird der in Ungarn hergestellte Bus von einem Elektromotor mit 200 Kilowatt Leistung, der das Gefährt laut Herstellerangabe bis zu 410 Kilometer weit kommen lässt. Mit dem Ikarus teste man den mittlerweile dritten Elektrobus, informierte Horst Schauerte, an anderen Standorten habe man MAN- und Iveco-Busse im Einsatz. Es gelte nun, Erfahrungen zu sammeln, damit man in den nächsten Ausschreibungen ein konkretes Angebot hinterlegen könne.

Das größte Problem sei mittlerweile nicht der Preis der Elektrofahrzeuge, sagte er: Ein vergleichbarer Bus habe vor zwei Jahren bis zu 650.000 Euro gekostet, mittlerweile sei dieser für etwa 450.000 Euro zu haben. Rechne man noch Einnahmen durch die Vermarktung der THG-Quote (jährlich zwischen 10.000 und 15.000 Euro) dazu, lasse sich das durchaus rechnen. Als Herausforderung nannte er vielmehr weitere Kosten, die auf Unternehmen zukommen: Der Betriebshof müsse umgebaut werden, man brauche neue Leitungen und genügend Strom, um die Busse zu laden. Den in Elsenfeld stationierten E-Bus beispielsweise lade man mangels Ladeanschluss im Hof an der Schnellladesäule einer Tankstelle. Diese Herausforderungen betreffen aber nicht nur OMNY, sondern auch alle weiteren Busunternehmen, die sich um Linienbündel bewerben. OMNY hat für seine Tests noch Zeit, denn der neue Vertrag für die Linienbündel Elsavatal und Regiobus Miltenberg wird erst zum 1. Januar 2031 in Kraft treten; die Ausschreibung folgt noch. Zunächst erfolgt die Ausschreibung für die Busverkehre im südlichen Landkreis, deren Verkehrsstart bereits im kommenden Jahr vorgesehen ist.

Das Saubere-Fahrzeug-Beschaffungs-Gesetz wird dabei in der Kalkulation Niederschlag finden, denn neue Busse im Linienverkehr müssen künftig im Mittel zu mindestens 65 Prozent sauber sein. Das heißt, dass die Hälfte dieser Busse komplett emissionsfrei fahren muss – also entweder mit Strom oder Wasserstoff. Die andere Hälfte muss emissionsarm sein. Dazu gehören beispielsweise Verbrenner-Motoren, die mit sogenanntem HV100-Dieselkraftstoff angetrieben werden. Dieser als klimaschonend bezeichnete Kraftstoff wird aus erneuerbaren Rohstoffen wie Altspeiseöl und tierischen Fetten hergestellt. Die Anbieter versprechen CO2-Emissionen, die um 90 Prozent unter denen von regulärem, fossilem Diesel liegen. Auch solche Busse hat OMNY bereits im Einsatz, erklärten Armin Löber und Horst Schauerte. Wasserstoff als Antrieb sei interessant, gab Schauerte zu, aber unabhängig von der Verfügbarkeit sei das Tanken anspruchsvoll. Zurzeit sei das nicht bezahlbar, fand er. Apropos bezahlen: Der Geschäftsführer ist sich sicher, dass der Öffentliche Personennahverkehr in Zukunft eher teurer werden wird, denn die Clean Vehicles Directive verlangt von allen Anbietern von Verkehrsleistungen erst einmal hohe Investitionen in Infrastruktur und neue Fahrzeuge, die in der Folge auch erwirtschaftet werden müssen. Dass die Elektromobilität aber funktioniert, beweise man in Freising, wo OMNY den gesamten Linienverkehr fast ausschließlich mit 29 MAN-Elektrobussen bedient, so Schauerte. Der rege Austausch brachte allen Teilnehmenden wichtige Erkenntnisse, wie der ÖPNV der Zukunft aussehen wird.

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