Die Geschichte einer Drogensucht, aber ohne erhobenen Zeigefinger

Sohn fällt auf der Bühne seiner Mutter in die Arme
Die Sorge um ihren drogenabhängigen Sohn Jonathan brachte nicht nur seine Mutter Susanne, sondern fast die gesamte Familie zur Verzweiflung (Szene aus dem Theaterstück „HIGH“). Foto: Winfried Zang

Es beginnt mit Lachgas, gefolgt von Joints, Ecstasy, LSD, verschreibungspflichtigen Medikamenten wie Oxys, Benzos und Kokain: Die Geschichte, die das Theaterstück „HIGH –Irgendwer hat immer irgendwas“ erzählt, ist typisch für Drogenkarrieren. Aber sie macht auch Hoffnung, dass man die Drogensucht überwinden kann. Auf die über 250 Schülerinnen und Schüler aus Schulen des gesamten Landkreises Miltenberg machte das Stück des Theaterhaus-Ensembles Frankfurt jedenfalls tiefen Eindruck.

In zwei Vorstellungen verfolgten sie am Montag, 19. Januar, das Geschehen auf der Bühne der Aula in der Miltenberger Johannes-Hartung-Realschule. Mit dem Engagement des Frankfurter Ensembles traf die ausrichtende Fachstelle Suchtprävention des Landratsamtes Miltenberg voll ins Schwarze. Die Schülerinnen und Schüler der achten Klassen, die sich etwa in dem Alter befinden, in dem Bühnenakteur Jonathan mit vermeintlich harmlosen Drogen begann, zeigten am Ende mit vielen Fragen, dass ihnen das Thema wichtig ist.

Auf der Bühne erzählten Mutter Susanne (59) und ihr Sohn Jonathan (21), welche Dramen der Drogenkonsum des Sohnes verursachte und wie dies die Familie fast auseinanderbrechen ließ. Es brauchte keine aufwändigen Kulissen, Licht- oder Soundeffekte, um den Drogenkonsum und seine Auswirkungen darzustellen. Die Akteure zeigten, untermalt von Musik und mit Tanzelementen, die Abwärtsspirale, die mit dem Drogenkonsum in Gang gesetzt wurde. Manchmal zutiefst traurig,
dann wieder mit kurzen Lachern – die allerdings im Hals stecken blieben –, oft mit knallharten Aussagen: Das Theaterstück ließ die Schülerinnen und Schüler über 60 Minuten ein Wechselbad der Gefühle durchlaufen.

Was gut ankam: Das Stück hebt nicht den Zeigefinger und holt die Moralkeule heraus. Vielmehr stellt es die Gefühlswelt von Mutter und Sohn gegenüber. Der Sohn schwärmt von unterschiedlichen Drogen und erklärt, welche Drogen er braucht, um welchen Zustand zu erreichen. Er stellt sich als Profi dar, der seinen Konsum genau dosieren kann – was aber niemals funktionieren kann. „Die Zeit war spannend und geil“, blickt Jonathan dennoch zurück. Für Mutter Susanne war die Zeit – für sie „eine dunkle Zeit“ – dagegen furchtbar. Sie stellt den von Jonathan geschilderten positiven Auswirkungen von Drogen die von ihm nicht wahrgenommenen negativen Auswirkungen gegenüber. Dazu kommen die Selbstzweifel, ob sie als Mutter etwas falsch gemacht hat. Am Ende, erzählt sie, habe sie selbst eine Therapie gebraucht. Die vielen Ausfallerscheinungen des Sohns, sein ungehemmter Drogenkonsum, aber auch die Kontakte mit der Polizei einschließlich einer Hausdurchsuchung belasten die gesamte Familie – auch den Vater und einen weiteren Sohn –, auf das Extremste. Erst mit dem Entzug von Jonathan ist wieder ein normales Familienleben möglich.

Was am Ende die lebhafte Fragerunde in Gang brachte, war das Geständnis von Mutter und Sohn, dass sie eine wahre Geschichte gespielt haben – ihre eigene. Passiert ist das alles nicht in einer Großstadt, sondern ganz in der Nähe, in Laufach bei Aschaffenburg. Begonnen habe sein Drogenkonsum nicht mit Cannabis, sondern mit Zigaretten und Alkohol, antwortete Jonathan auf eine Frage aus dem Publikum. Er habe einfach etwas Neues ausprobieren wollen, blickte er zurück auf die Anfänge seiner Drogensucht. Am Ende seien es dann „mehrere Tiefpunkte hintereinander“ gewesen, die ihn vom Entzug überzeugt hätten. Einen Rückfall habe er aber auch schon gehabt, gestand er, aber im Entzug lerne man, damit umzugehen. Vor allem Kokain sei heute gefährlich, glaubt er, denn „bei Feiern kokst eigentlich immer jemand.“ Die Sucht habe ihn viel Geld gekostet, beantwortete er eine weitere Frage. Verständlich: Wer mit 13 Jahren beginnt und erst mit 19 Jahren mit Drogen aufhört, braucht jede Menge Geld. Manchmal seien es 50 Euro am Tag gewesen, blickte er zurück. Heute hat er den Weg zurück in die Gesellschaft wieder gefunden: Nach Ablegung des Fachabiturs studiert Jonathan heute Architektur, als Schauspieler trägt er zur Aufklärung über Drogen bei.

Organisiert und ermöglicht wurde die Veranstaltung von Birgit Englert und Amelie Kunkel von der Suchtpräventionsstelle des Landratsamtes Miltenberg.

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