Demokratie-Ausstellung an der Berufsschule eröffnet
„Demokratie stärken – Rechtsextremismus bekämpfen“: Nach einer Station in der Berufsschule Obernburg ist die Ausstellung der Friedrich-Ebert-Stiftung über die Bedeutung der Demokratie für die Gesellschaft nun bis einschließlich 7. Mai auch in der Berufsschule am Standort Miltenberg zu sehen.
Bevor die Schülerinnen und Schüler der Berufsschule das Thema in Workshops vertieften, wurde die Ausstellung am Montag, 27. April, vor vollen Reihen offiziell eröffnet. Heike Linhart, weitere stellvertretende Schulleiterin, freute sich über das große Interesse mehrerer Klassen und dankte dem Sozialpädagogen und Jugendsozialarbeiter Igor Kos, dass er diese Ausstellung in Kooperation mit der Ebert-Stiftung organisiert hatte. Alle Zeitfenster für Workshops seien für die Dauer der Ausstellung ausgebucht, stellte sie zufrieden fest.
Monika Wolf-Pleßmann, stellvertretende Landrätin, hielt in ihrer Begrüßung ein Plädoyer für die Demokratie. Auch heutzutage gäbe es wieder verstärkt gefährliche rechtsradikale Tendenzen, nicht nur in Deutschland, sondern auch in vielen anderen Teilen der Welt. Für Wolf-Pleßmann garantiert die Demokratie in einer offenen Gesellschaft Wohlstand, Sicherheit und die persönliche Freiheit. Aber, schränkte sie ein: „Demokratie kann verloren werden, wenn man nichts für sie tut, sie nicht pflegt.“
Miltenbergs Bürgermeister Bernd Kahlert stimmte zu: Die Werte, die man heute in Deutschland genießt – Freiheit, Menschlichkeit, Meinungsfreiheit – seien nicht selbstverständlich. Sie müssten „jeden Tag neu verstanden, gelebt und verteidigt werden.“ Demokratie brauche Bildung, sagte Kahlert, denn nur wer versteht, könne hinterfragen und verantwortungsvoll entscheiden. Den genauen Blick gelte es auf die Medien zu richten: Einerseits sei es noch nie so einfach gewesen, an Informationen zu kommen, andererseits sei es noch nie so schwer gewesen, Wahrheit von Meinung oder gezielter Täuschung zu unterscheiden. Kritisch bleiben, Quellen prüfen – diesen Rat gab der Bürgermeister, speziell im Zusammenhang mit sozialen Medien. Da die Mittelschule Großheubach ebenfalls an Workshops teilnehmen wird, ging Großheubachs Bürgermeister Gernot Winter wie Bürgermeister Kahlert zuvor auf die Rolle der Menschen beim Kampf um den Erhalt der Demokratie ein und stellte fest, dass Demokratie kein „Zuschauersport“ sei, man müsse etwas dafür tun.
Aufmerksam verfolgten die Gäste den Vortrag von Birgit Mair vom Institut für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung (ISFBB). Die Buch- und Filmautorin beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Holocaust und seinen Opfern, spricht mit Überlebenden und verfolgt die rechtsextremistischen Tendenzen in Deutschland aufmerksam. Sie hat Einblicke in die Neonazi-Szene und weiß, wie Rechtsextreme Menschen fangen – mit gezielten Falschmeldungen in sozialen Medien, mit Umdeutung von Symbolen, mit der Verwendung rechter Codes. Dazu komme, dass sich die Rechten mit einem parlamentarischen Arm sogar legal zeigen. Mair gab den Schülerinnen und Schülern die Definition von Rechtsextremismus an die Hand, nannte die Namen einiger Neonazi-Gruppierungen und stellte fest: „Viele rechte Strömungen ziehen an einem Strang.“ Eine Gegenstrategie sei, Fakten zu checken, auch nannte sie Anlaufstellen beim Auftreten von rechter, rassistischer, antisemitischer und digitaler Gewalt.
Die im Foyer der Schule aufgebaute Ausstellung, die noch bis zum 7. Mai in zahlreichen Workshops im Mittelpunkt stehen wird, beschäftigt sich mit den Facetten von Rechtsextremismus, dem dahinterliegenden Weltbild und Strategien, die von
rechtsextremen Kreisen bei der Ansprache von Jugendlichen verwendet werden. Dabei wird der Bogen von neurechten und rechtsextremen Einstellungen über Aktivitäten rechtsextremer Organisationen und Parteien bis hin zu Rechtspopulismus geschlagen. Die Ausstellung geht dabei auch auf das Gewaltpotenzial von rechten Bewegungen und Gedankengut ein. Ein Schwerpunkt wird auf die Auseinandersetzung mit neuen digitalen Strategien der neuen rechten Szene gelegt. „Schau hinter die Fassade“, lautet die zentrale Aufforderung an die Besucherinnen und Besucher der Ausstellung.