Biodiversität in vielen Facetten diskutiert

Teilnehmer sitzen im Stuhlkreis
In drei Arbeitsgruppen diskutierten die Teilnehmenden des Runden Tischs Biodiversität im Miltenberger Landratsamt verschiedene Themen. Foto: Winfried Zang

Mehrere kompakte Vorträge und Workshops, in denen Ideen für mehr Biodiversität im Naturpark Spessart entwickelt wurden, haben den Runden Tisch Biodiversität am Montag, 4. Mai, im Landratsamt Miltenberg geprägt. Im großen Sitzungssaal stellte sich zu Beginn der Zusammenkunft auch Miltenbergs neuer Landrat Björn Bartels vor.

Biodiversität sei ein allgegenwärtiges Thema, das ein Anliegen aller Menschen sein sollte, stellte Bartels klar und freute sich auf mehrere spannende Themen. Sabrina Jochum, Projektmanagerin im Naturpark Spessart und Gebietsbetreuerin für Grünland im Landkreis Miltenberg, moderierte die Veranstaltung an und stellte fest, dass es sich bei dem Treffen um den ehemaligen Runden Tisch Artenvielfalt handelt, dessen Teilnehmerkreis man allerdings verkleinert habe, um effektiver arbeiten zu können. Weniger Vorträge, dafür mehr Workshops, das sei das Ziel.

Dr. Marina Wolz stellte das Biodiversitätszentrum Rhön vor, das mittlerweile der Regierung von Unterfranken zugeordnet wurde. Ziele seien unter anderem die Förderung der Biodiversität, die Umsetzung modellhafter Projekte, Forschung und Monitoring, auch diene man als Schnittstelle zwischen Forschung und Praxis.
Laut Ulrich Müller, Naturschutzfachkraft am Miltenberger Landratsamt, hat das Bayerische Landesamt für Umwelt nach der beendeten Biotopkartierung eine Naturschutzfachkartierung für den Landkreis Miltenberg ausgeschrieben. Der Auftrag umfasse die Kartierung von ausgesuchten Arten der Artengruppen Vögel, Reptilien, Amphibien, Libellen, Tagfalter und Widderchen sowie Heuschrecken auf ausgewählten Flächen. Der Zuschlag für den Auftrag sei aber noch nicht erteilt worden.

Christian Salomon, Naturpark-Gebietsbetreuer für Grünland, referierte über die Offenhaltung von Wiesentälern im Spessart und zeigte ausgewählte Flächen, wo man Nutzung und Pflege koordiniere. An einigen Stellen funktioniere das aber leider nicht, so wie man das vorgesehen habe. Es gebe einige Flächen mit dringendem Handlungsbedarf, zeigte er auf, vor allem Gehölze müsse man zurückdrängen. Auch gelte es, diesbezüglich die Öffentlichkeitsarbeit zu verstärken.
Dr. Steffen Scharrer (Bund Naturschutz) stellte das Vorhaben „SandAchse Main“ vor, mit dem die erfolgreiche „SandAchse Franken“ an den Flüssen Rednitz, Pegnitz und Regnitz in Form eines Förderprojekts mit wertvollen Sandflächen in der Region Miltenberg verbunden werden könnte. Im Kern geht es darum, Sandlebensräume, in denen zahlreiche seltene Tier- und Pflanzenarten gedeihen, zu erhalten und wieder herzustellen.
Mit einer Sandachse am Main könne man die Sandlebensräume in Franken und Hessen (rechtsrheinisch) in einem Bogen vernetzen und so einen großräumigen Biotopverbund schaffen. Einen Förderantrag „SandAchse Main“ habe man eingereicht, erklärte Scharrer und zeigte zahlreiche Insektenarten, die Sandflächen benötigen.
Von erfolgreichen Bemühungen, Geflüchtete ehrenamtlich für Belange des Naturschutzes zu aktivieren, berichtete Sabrina Jochum. Erste erfolgreiche Anfänge habe es im Bereich des Naturparks bereits vor zehn Jahren gegeben, blickte Jochum zurück. „Geflüchtete dürfen im Ehrenamt arbeiten“, stellte sie klar, das sei geprüft worden. Bezahlt würden sie mit dem Mindestlohn gemäß den zuschussfähigen Höchstsätzen in der Ländlichen Entwicklung (ZHLE). Da immer weniger Ehrenamtliche im Naturschutz tätig seien, sei dies eine Möglichkeit, um wichtige Arbeiten erledigen zu können – etwa das Ausstechen von Jakobskreuzkraut.

In drei Workshops sammelten die Naturschutzfachleute anschließend Ideen für Vernetzungen und Verbesserungen der Biodiversität. Ein Thema war die Offenhaltung von Spessarttälern, die aufgrund von finanziellen und personellen Engpässen schwierig umzusetzen ist. Man solle die Landwirte vermehrt unterstützen und mit ihnen gut zusammenarbeiten, so ein Ergebnis. Es gelte, künftig mehr „Power in die Fläche zu bringen.“ Im letzten halben Jahr sei aber sehr viel passiert, ergänzte Christian Salomon.

Die Gruppe, die sich mit der Umsetzung von Projekten des Biodiversitätszentrums Rhön in den bayerischen Mittelgebirgen beschäftigte, hatte mehrere Ideen. So könne man unter anderem das Projekt „Wildbienendörfer“ in den Spessart übertragen, auch sei denkbar, im Spessart ein Projekt zur Identifizierung von Nachtfaltern zu initiieren – eventuell als sogenanntes Citizen-Science-Vorhaben, also das Arbeiten mit Ehrenamtlichen aus der Bürgerschaft. Ein „Bio-Blitz“ sei ideal, um an einem Tag in einem bestimmten Gebiet unter Anleitung von Experten alle Tiere und Pflanzen zu kartieren, so ein weiterer Vorschlag.

Eine Gruppe, die sich mit den Aufgaben der Gebietsbetreuer und der Ranger im Landkreis Miltenberg befasste, konnte sich das SandAchsen-Projekt des BN gut als Arbeitsfeld vorstellen. Man könne mit Hilfe des örtlichen Bürgermeisters den Kontakt zu den Flächenbesitzern suchen und versuchen, diese für die Wiederherstellung von zugewachsenen Sandflächen zu begeistern. Grundlage für eine Legitimierung dieses Vorhabens könne ein existierender Naturschutz-Bebauungsplan sein. Am Grohberg in Faulbach müsse man versuchen, zusammen mit örtlichen Landwirten eine geordnete Beweidung und Flächenpflege sicherzustellen.

Am Ende der Sitzung diskutierte man noch das Waschbärenproblem, das in der gesamten Region ein dringendes Thema ist. Eine schnelle Lösung fanden die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aber nicht. Abschussprämien oder die finanzielle Förderung von Lebendfallen waren Ansatzpunkte, für beide Ideen gab es aber Pro- und Kontra-Argumente.

Der nächste Runde Tisch Biodiversität soll im Jahr 2027 im Landkreis Main-Spessart stattfinden; möglicherweise mit dem Angebot einer vorhergehenden Exkursion.

Zurück zur Newsübersicht

Einstellungen gespeichert
Datenschutzeinstellungen

Wir verwenden Cookies, um Ihnen ein optimales Webseiten-Erlebnis zu bieten. Dazu zählen Cookies, die für den Betrieb der Seite und für die Steuerung unserer kommerziellen Unternehmensziele notwendig sind, sowie solche, die lediglich zu anonymen Statistikzwecken, für Komforteinstellungen oder zur Anzeige personalisierter Inhalte genutzt werden. Sie können selbst entscheiden, welche Kategorien Sie zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass auf Basis Ihrer Einstellungen womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.

Technisch erforderliche Cookies werden immer geladen.
You are using an outdated browser. The website may not be displayed correctly.