Bedienerloses System auf Wertstoffhof Bürgstadt wird erprobt
Einstimmig hat der Ausschuss für Natur- und Umweltschutz am Dienstag, 29. September, den Probebetrieb eines bedienerlosen Betriebs auf dem Wertstoffhof Bürgstadt beschlossen. So sollen die Öffnungszeiten ausgeweitet werden, zum Beispiel auf Montage und Dienstage, an denen der Hof derzeit geschlossen ist, sowie auf alle Wochentage und Samstage bis 20 Uhr. Die endgültige Festlegung dieser Zeiten wird im Projektverlauf entwickelt.
Damit will die Kommunale Abfallwirtschaft laut Leiter Tim Bohle weitere Öffnungszeiten ermöglichen, ohne dass Personal der Abfallwirtschaft vor Ort sein muss. Der Probebetrieb sei zudem ein Versuch, das Entsorgungsangebot zu erhöhen und zu vereinfachen und damit möglicherweise illegale Ablagerungen zu vermeiden. Unabhängig vom Probebetrieb wird laut Bohle derzeit die Beleuchtung auf dem Wertstoffhof installiert. Das ist in der Übergangszeit für die Kundschaft wichtig, ebenso für betriebsnotwendige Arbeiten nach dem Ende der Anlieferzeiten.
Der Wertstoffhof biete gute Voraussetzungen für die Umsetzung des bedienerlosen Modells, verwies Bohle auf den Aufbau des Hofs. Die Toranlagen seien modern und funktionierten elektrisch, der Hof sei klar beschildert, die Verkehrsführung gut ausgeschildert und der Zaun um das Gelände verhindere unbefugten Zugang. Was man noch brauche, sei eine Videoüberwachung für die Zeit des bedienerlosen Betriebs. Die Kameras würden aber nur genutzt, wenn man etwa die Verursacher von bedeutenden Fehlbefüllungen ermitteln müsse. Auch könne man mit den Kameras nachvollziehen, ob es Probleme bei Anlieferungen gibt und Hilfe benötigt wird. Die Kameras seien auf eine Sicherheitszentrale aufgeschaltet, erklärte Bohle.
Der Zugang zum Wertstoffhof wird über eine App ermöglicht, das Handy öffnet, sofern es sich im unmittelbaren Nahbereich der Einfahrt befindet, den Zugang zum Wertstoffhof. In App müssten die Kundinnen und Kunden zudem in die Echtzeit-Überwachung einwilligen. Die Anlieferung des Materials basiere auf Vertrauen, sagte Bohle, Erfahrungen anderer Wertstoffhöfe zeigten aber, dass die Fehlwurfquote geringer sei als im regulären Betrieb. Die Einmalkosten des Systems bezifferte Bohle auf maximal 30.000 Euro, dazu kämen jährliche Kosten – monatlich kündbar – von bis zu 32.500 Euro im Jahr. Im Gegenzug bekomme man eine deutliche Erweiterung des Services, so Bohle.
Die Personalkosten könne er nicht zu 100 Prozent beziffern, schränkte Bohle ein, auf jeden Fall sei eine Bereitschaft außerhalb der regulären Dienstzeiten erforderlich mit tariflichen Zuschlägen. Viele Anfragen würden aber über die Hotline und Fernzugriff abgedeckt. Gegebenenfalls brauche man eine Aushilfe für die Reinigung des Geländes. Genaue Zahlen zum Personal werde er erst im Laufe des Betriebs ermitteln können, die Abfallwirtschaft plane zunächst aber ohne zusätzliches Personal.
Landrat Björn Bartels ergänzte, dass man sich mit dem Probebetrieb wertvolle Erkenntnisse zum bedienerlosen Betrieb erhofft. Diese könne man möglicherweise gut brauchen. Denn, so Bartels, der Wertstoffhof in Erlenbach sei an der Kapazitätsgrenze und eine Erweiterung nicht möglich. Möglichweise brauche es daher einen weiteren zusätzlichen Hof im Nordlandkreis – eventuell im bedienerlosen Betrieb. Das Bürgstädter Modell sei für ihn jedenfalls „ein Schritt in die Zukunft.“ Nach der Klärung einiger offener Fragen aus dem Gremium fiel die Zustimmung zur Umsetzung des Konzepts einstimmig.
Ebenfalls einstimmig sagte der Ausschuss Ja zur Schaffung von zwei Stellen im Stellenplan der Kommunalen Abfallwirtschaft. Diese sollen es ermöglichen, Personal zu gewinnen und ihnen das notwendige Wissen zu vermitteln, damit Stellen nachbesetzt werden. So können Mitarbeiter eingestellt werden und für eine Übergangszeit parallel mit den Stelleninhabern arbeiten, bis diese in den Ruhestand gehen. Dabei geht es in erster Linie um Schlüsselpositionen. Die Übergangsstelle falle sofort weg, sobald die in Frage kommende Stelle neu besetzt ist. Grund für den neuen Ansatz ist laut Tim Bohle, dass der Markt für Fachkräfte leergefegt sei. In der Vergangenheit habe man manche Anfragen von qualifiziertem Fachpersonal nicht berücksichtigen können, da die gewünschte Stelle gerade nicht frei war. Mit der Neuregelung könne man gewünschtes Personal schnell einstellen, bevor es nicht mehr verfügbar ist. Zur aktuellen Personalsituation in den Einrichtungen der Abfallwirtschaft bemerkte Bohle, dass mehrere Verrentungen anstünden und einige Mitarbeitende langzeitkrank seien. So bestehe etwa Handlungsbedarf auf der Kreismülldeponie Guggenberg, wo die Betriebsleitung zurzeit nicht zur Verfügung stehe und zudem zeitnah in den Ruhestand gehen werde. Er lobte in diesem Zusammenhang das Personal der Abfallwirtschaftsanlagen und die Mitarbeitenden der Verwaltung, die Stellenlücken zum gewissen Teil geschlossen hätten. Nur so habe man langwierige Schließungen über die letzten drei Jahre verhindern können. Ohne den neuen Ansatz zur Personalgewinnung, befürchtet Bohle, seien längere Anlagenschließungen und Einschränkungen bei den Öffnungszeiten nicht zu vermeiden. Das sah auch der Ausschuss so und genehmigte die beiden Stellen.
Mit dem Netzausbau auf der Kreismülldeponie Guggenberg erhofft sich die Kommunale Abfallwirtschaft laut Tim Bohle, den Großteil ihres Strombedarfs über die eigene PV-Anlage auf der Kompostieranlage decken zu können. Die Kompostierungsanlage hatte der Landkreis im Jahr 2022 übernommen einschließlich der PV-Anlage, diese aber erst im Jahr 2024. Diese ist derzeit eine Volleinspeisungsanlage. Alleine Sickerwasserreinigungsanlage und Kompostierungsanlage bräuchten rund um die Uhr je ca. 40 Kilowattstunden Strom, den man aktuell einkaufen müsse. Das wolle man nun ändern. Auf der Deponie gebe es ein Stromnetz mit derzeit zwei Trafos, so Bohle. Mit dem Netzbetreiber sei man sich einig, dass der Landkreis das Netz übernehmen könne, wenn ein Trafo zur Übergabeschutzstation ausgebaut wird. Sobald dies erledigt ist, könne man den selbst erzeugten Strom auf dem Gelände auch selbst nutzen. Der Auftrag zur Ertüchtigung des Trafos sei erteilt worden, erklärte Bohle. Eine Wirtschaftlichkeitsberechnung habe ergeben, dass man künftig bis zu 70.000 Euro Stromkosten pro Jahr einsparen könne. Eine Ausweitung der Anlage mit Batteriespeicher und zusätzlichen PV-Modulen sei ebenso denkbar. Ob das sich rechnet, werde man prüfen. Bohle zeigte sich zuversichtlich, dass der Strombedarf der Deponie mit Eigenstrom in Zukunft weitestgehend gedeckt werden kann. Die PV-Anlage befinde sich im Übrigen in einem guten Zustand, so Bohle. Sie sei regelmäßig gewartet worden, immer wieder seien Module erneuert worden.
Vergabe: In nichtöffentlicher Sitzung hat der Ausschuss den Ingenieurvertrag für die Oberflächenabdichtung der Kreismülldeponie Guggenberg in den Leistungsphasen 5 bis 9 an das Ingenieurbüro Fritz Speth (Tauberbischofsheim) vergeben.