Aufgabenfelder der Abfallentsorgung im Fokus
Der Ausschuss für Natur- und Umweltschutz hat sich in seiner Sitzung am Montag, 6. Juli, ausschließlich mit Themen der Abfallentsorgung beschäftigt. Die Ausschussmitglieder wurden ausführlich über die Kommunale Abfallwirtschaft informiert.
Tim Bohle, Sachgebietsleitung der Kommunalen Abfallwirtschaft, stellte den Regiebetrieb des Landkreises vor, der mit 59 Mitarbeitenden ein Haushaltsvolumen von 20 Millionen Euro umfasst. Bohle gab einen Einblick in die laufenden Verträge, die die Abfallwirtschaft mit Dienstleistern in den Bereichen Müllabfuhr, Transport und Verwertung von Grünabfall und Mülltransport zum Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt eingegangen ist. Dazu kommen die Abfuhr des Gelben Wertstoffsacks und der Glaserfassung, wobei hierfür nicht der Landkreis zuständig ist, sondern die Dualen Systeme, die die Leistungen ausschreiben und vergeben.
Die Restmüllmenge habe 2025 zuletzt bei 19.860 Tonnen gelegen, sagte Bohle und verwies auf einen sinkenden Trend. Im Gegenzug sei die Menge des Bioabfalls auf zuletzt 8.663 Tonnen (Vorjahr: 8.000 Tonnen) gestiegen. Beim Papierabfall sänken die Mengen seit Jahren. Dass es zuletzt nur noch 8.437 Tonnen waren – es waren 2021 noch über 10.000 Tonnen – liege unter anderem an zunehmend leichteren Verpackungen. Rund 1.000 Tonnen Sperrmüll und Altholz seien 2025 über das Abrufsystem eingesammelt worden, dazu kommen 4.644 Tonnen Leichtverpackungen über den gelben Wertstoffsack sowie 3.000 Tonnen Altglas über die Altglascontainer. Nach der Auflistung der Zahl der Mülltonnen verwies Bohle auf rund 1.800 Pflegetonnen im Landkreis.
Damit sich die Ausschussmitglieder einen Eindruck von den Anlagen der Abfallwirtschaft verschaffen können, unterlegte Kai Strüber – zuständig für den Betrieb und das Personal der Abfallwirtschaftsanlagen– seine Ausführungen zur Kreismülldeponie Guggenberg, der Müllumladestation Erlenbach und dem Wertstoffhof Süd in Bürgstadt mit Luftaufnahmen.
Er stellte die Anlagen vor und ging auf wichtige technische Anlagen ein wie beispielweise die Sickerwasserreinigungsanlage und die Anlage zur Regenerativ-Thermischen-Oxidation zur Behandlung der Restorganik in der Deponie Guggenberg sowie das dortige Kompostwerk. Zentrale Einrichtung auf der Müllumladestation Erlenbach sei die Umschlaghalle für Restmüll, Sperrmüll, Papiermüll und Elektroschrott, zeigte Strüber auf, der die Schredderanlage für Sperrmüll, eine automatische Löschanlage für die Umschlaghalle und den Grünabfallplatz ansprach. Der Wertstoffhof Süd in Bürgstadt sei rein für private Anlieferungen konzipiert, Problemabfälle würden hier nicht angenommen.
Zum Gemeinschaftskraftwerk Schweinfurt, in dem der Landkreis Mitgesellschafter ist, sagte Tim Bohle, dass dort der im Landkreis Miltenberg anfallende Müll verbrannt wird. Die dabei entstehende Fernwärme werde abgegeben und vergütet. Neu als Gesellschafter werde der Landkreis Bad Kissingen aufgenommen, sagte Bohle und kündigte die Erneuerung der drei Müllverbrennungsöfen ab dem Jahr 2035 an. Aufgrund eines geschätzten Investitionsvolumens von 270 Millionen Euro werde dies beträchtliche Auswirkungen auf den Verbrennungspreis haben.
Aktuell habe die Abfallwirtschaft die Sperrmüllkapazität um monatlich 240 zusätzliche Termine für die Abfuhr von Sperrmüll erweitert. Die Restmülltouren seien optimiert worden, die Erweiterung der Photovoltaikanlage auf dem Kompostwerk Guggenberg sowie die Umstellung der Anlage auf Eigenverbrauch mit Speicherlösung und Erwerb des Netzes laufen. Terminvereinbarungen für Anlieferungen auf den Wertstoffhöfen seien mittlerweile auch rund um die Uhr telefonisch mittels KI-Unterstützung möglich, gab er bekannt, persönlich sei die Terminvereinbarung von Montag bis Freitag von 8 bis 12 Uhr erreichbar.
Die kommunale Abfallwirtschaft kämpfe mit mehreren Herausforderungen, berichtete Bohle etwa von illegalen Abfallablagerungen an Containerstandorten und der Überfüllung von Standplätzen mit Glascontainern. Diese Ablagerungen nähmen zu, kritisierte er, berichtete aber von einem Erfolg: So seien kürzlich die Verursacher einer Vermüllung ermittelt worden. Wenn es an einzelnen Standorten nicht funktioniere, versetze man auch Container.
Auf dem Altkleidermarkt trete eine leichte Verbesserung ein, sagte er und freute sich, dass man für die Ware aus dem Landkreis Miltenberg einen zuverlässigen Verwerter gefunden habe. Um die Sammlung sicherzustellen, arbeite man mit dem Roten Kreuz zusammen.
Die getrennte Alttextilverwertung bleibe aber ein Zuzahlungsgeschäft. Größtes Problem seien verschlissene und verdreckte Kleidung in den Container, appellierte Bohle an alle Bürgerinnen und Bürger, nur tragbare Kleidung einzuwerfen.
Bei den Elektroschrottcontainern berichtete er von Problemen wie falscher Entsorgung sowie Aufbrüchen und Vandalismus. Vor allem falsch entsorgte Akkus in den Containern würden zur Gefahr für Leib und Leben für Mitarbeiter. Aufgrund der hohen Zahl von Fehlwürfen könne das System in seiner jetzigen Form kaum weiterbetrieben werden, forderte er eine dringende Anpassung des Systems.
Für die überfüllten Glascontainer sei nicht der Landkreis verantwortlich, vielmehr die Firma Weisgerber Umweltservice GmbH und deren Auftraggeber die Noventiz Dual GmbH mit Sitz in Köln. Die Sammlung laufe nicht zufriedenstellend, machte Tim Bohle unmissverständlich klar, trotz Anmahnungen sei keine nachhaltige Besserung festzustellen. Man stehe aber im intensiven Austausch mit dem dualen System.
Wichtiger Bestandteil der Arbeit der Abfallwirtschaft bleibt die Öffentlichkeitsarbeit. Sie sei elementar für Informationen zur richtigen und verantwortungsvollen Entsorgung, ließ sich den Ausführungen Bohles entnehmen. Ein Bestandteil sei die kostenlose Abfall-App, mit der schnell und flächendeckend Informationen an derzeit über 17.000 Nutzerinnen und Nutzer vermittelt werden – unter anderem aktuelle Änderungen und Hinweise auf Abholzeiten mit Erinnerungsfunktion, auch Terminvereinbarungen können gebucht werden. Mit dem Beitritt zur Kampagne #wirfuerbio klärt die Abfallwirtschaft über alle Themen rund um Bioabfall auf, das vorhandene Infomaterial kann vielfältig genutzt werden. Die Abfallberatung biete zudem Führungen auf den Abfallwirtschaftsanlagen an, komme zum Unterricht in die Schulen und mit dem Puppentheater LariFari auch in Kindergärten. Demnächst werde es mehr Informationen zum ersten Unterflursystem zur Müllsammlung in Miltenberg geben, kündigte Bohle an. Da klassische Informationskampagnen mit Broschüren und Aufklebern ausgedient hätten, habe man mit der Anbringung großflächiger Graffiti an der Umschlaghalle in Erlenbach neue Wege beschritten. Für 15.000 Euro sei in Kooperation mit der Agentur Lucky Walls ein Konzept erstellt worden, um Sichtbarkeit zu erzeugen und die klare Botschaft „Heute trennen – für morgen“ zu vermitteln. Das Graffiti-Motiv werde vielfältig genutzt werden, kündigte Bohle an.