240 Gäste bei Tagung der Städtebauförderung
Mit der Städtebauförderung steht Städten und Gemeinden schon seit über 50 Jahren ein Instrument zur Verfügung, das sie bei der nachhaltigen Stadt- und Ortsentwicklung unterstützt. In diesem Jahr stehen den Kommunen in Unterfranken 39,2 Millionen Euro zur Verfügung, wie Regierungspräsidentin Dr. Susanne Weizendörfer bei der Städtebauförderungstagung in Kleinwallstadt sagte.
In die Wallstadthalle waren am Donnerstag, 1. Oktober, nicht nur Landrat Björn Bartels und Kreisbaumeister Andreas Wosnik gekommen, sondern auch fast 240 Vertreterinnen und Vertreter von Kommunen, Planerinnen und Planer gekommen, darüber hinaus auch Mitarbeitende des Bayerischen Staatsministeriums für Wohnen, Bau und Verkehr sowie des Sachgebiets Städtebau an der Regierung von Unterfranken.
Die Tagung solle Gelegenheit bieten, sich über aktuelle Entwicklungen zu informieren, Erfahrungen auszutauschen, Kontakte zu knüpfen und neue Perspektiven mitzunehmen, eröffnete die Regierungspräsidentin die Tagung. Das Interesse sei groß, der Informationsbedarf ebenso, konstatierte sie. Kleinwallstadt sei ein guter Ort, um Erfolge der Städtebauförderung zu zeigen, verwies sie auf zahlreiche Projekte wie etwa die Wallstädter Höfe. Im Laufe der Jahre seien in der Gemeinde förderfähige Ausgaben von 7,2 Millionen Euro anerkannt und 5 Millionen Euro Fördermittel bewilligt worden. Solche Projekte „schaffen Identität, stärken Gemeinschaft und erhöhen die Lebensqualität“, sagte sie.
In Unterfranken würden aktuell 173 Gesamtmaßnahmen in 102 Kommunen umgesetzt, seit 1971 flossen Weizendörfer zufolge 980 Millionen Förderung in sanierte Ortskerne, neu gestaltete Plätze, modernisierte Gebäude, kulturelle Einrichtungen, Begegnungsorte und vieles mehr. Fördermittel seien wichtig, so die Regierungspräsidentin, aber Ortsentwicklung sei nur da erfolgreich, wo Menschen miteinander arbeiten, diskutieren, planen, rechnen und neu denken. Das Tagungsmotto „MehrWert – nachhaltig, partnerschaftlich, finanzierbar“ beschreibe treffend, worauf es ankommt. Angesichts knapper personeller und finanzieller Ressourcen würden Kooperationen und Synergien immer wichtiger, so Weizendörfer und stellte fest, dass die besten Projekte dort entstehen, wo nicht gegeneinander gearbeitet wird, sondern miteinander. Ihr Dank galt nicht nur den Referenten des Tages, sondern auch Kleinwallstadts Bürgermeister Robert Rodenhausen, der sich zusammen mit seinem Team als perfekter Gastgeber präsentierte.
Der Bürgermeister stellte seine Gemeinde als familienfreundliche Wohngemeinde mit guter Infrastruktur dar, die über ein lebendiges Vereinsleben verfüge sowie einen starken Zusammenhalt auch in den Ortsteilen. Es sei ihm eine große Freude, Gastgeber der Tagung zu sein, sagte er und stellte fest, dass die Städtebauförderung die Gemeinde schon seit fast drei Jahrzehnten begleitet und mit den zur Verfügung gestellten Finanzmitteln viel geschafft worden sei. Die Entwicklung des Orts wäre ohne die Zusammenarbeit vieler Akteure nicht möglich gewesen, dankte Rodenhausen allen die das ermöglicht hätten.
Im ersten Vortrag des Tages informierte Baudirektorin Franziska Spreen (Staatsministerium für Wohnen, Bau und Verkehr) über Aktuelles zur Städtebauförderung in Bayern. Sie hob unter anderem hervor, dass ein Euro Städtebauförderung erhebliche private Investitionen anstößt. Eine Studie zeige zudem, dass pro einer Million Euro Städtebauförderung durchschnittlich zusätzlich rund 40 sanierte oder neue Wohnungen entstehen – und zwar unabhängig von der Förderung. Sie gab bekannt, dass der Bund die Verdopplung der Städtebaufördermittel bis 2029 auf 1,6 Milliarden Euro plant. Sie informierte weiter über Details der Städtebauförderung, deren Schwerpunkte und Programme. In Bayern stünden fünf Programme zur Verfügung: Drei Bund-Länder-Programme, das bayerische Städtebauförderungsprogramm sowie die EU-Städtebauförderung (EFRE). Um in den Genuss der Städtebauförderung zu kommen, brauche es mittlerweile auch kein integriertes städtebauliches Konzept (ISEK) mehr, stellte sie fest. Es gebe aber auch gute Gründe, das weiterhin zu tun, denn eine Leitstruktur sei für eine Gemeinde wichtig. In der Regel gebe es 60 Prozent Zuschuss, mit thematischen Förderboni könnten es bis zu 90 Prozent werden. Kurz ging Spreen auf die Förderinitiative „Leerstand nutzen — Lebensraum schaffen“ ein, mit dem der Leerstand von Wohngebäuden beseitigt werden soll, aber auch anders genutzte, leerstehende Gebäude (Handel/Gewerbe) zu Wohnraum umgenutzt werden können. Weiteres Thema waren die Förderinitiativen „Innen statt Außen“ und „Klima wandel(t) Innenstadt“, bei dem es um Klimaschutz und Anpassungen an den Klimawandel geht.
Neuigkeiten rund um die Städtebauförderung in Unterfranken vermittelte leitender Baudirektor Volker Rasp (Regierung von Unterfranken). Er ging unter anderem auf die Initiative „Leerstand jetzt wohnen – Vom Nicht-Wohngebäude zum neuen Zuhause!“ ein.
Dieses Modellvorhaben will neuen Lebensraum in bestehenden Gebäuden schaffen, die derzeit nicht zum Wohnen genutzt werden, sodass langfristig kostengünstiger, innovativer Wohnraum entsteht. Von den fünf Projekten in Bayern befinden sich zwei in Unterfranken (Marktbreit und Niederwerrn), weitere drei seien in der Entwicklung. Voraussetzung sei unter anderem, dass die Kommune Eigentümer des Gebäudes sei. Weiter informierte er über die Digitalplattform „Digitale Planung Bayern“ und ökonomische Auswirkung der Städtebauförderung. So flössen rund 70 Prozent der Finanzmittel in das Baugewerbe und 20 Prozent in die Planungen. Allerdings, so schränkte er ein, reichten Fördermittel alleine nicht aus, um alle Probleme zu lösen. Die Umsetzung von Projekten sei sehr komplex, personelle und finanzielle Ressourcen seien knapp, der technische Aufwand wie auch die rechtlichen Anforderungen seien hoch, Zusammenarbeit deshalb umso wichtiger.
Mehrere Vorträge, die erfolgreiche Projekte in den Mittelpunkt rückten, bestimmten den weiteren Verlauf des Vormittags: Über „2018 bis 2027: Der gemeinsame Weg zur Mitte – Vom Amtshof zum lebendigen Ort für alle“ sprachen Waldbrunns Bürgermeister Markus Haberstumpf, Stefan Schlicht (Schlicht Lamprecht Kern Architekten) und Matthias Henfling (Bayerngrund). Einen „Werkstattbericht Hegewaldgelände Karlstadt“ lieferten Karlstadts Bürgermeister Michael Hombach, Roland Breunig (archicult) und Andreas Fella (Vorstand Raiffeisenbank MSP) ab.
Welche Ergebnisse die Städtebauförderung in der Praxis gebracht haben, sahen die Gäste am Nachmittag beim Rundgang durch die Marktgemeinde Kleinwallstadt.
Bürgermeister a.D. Thomas Köhler führte zunächst in die Exkursion ein, dabei konnte er aus persönlicher Erfahrung von 24 Jahren die Vielzahl der Projekte nur anreißen, ehe er zusammen mit dem ehemaligen Kämmerer Peter Maidhof und Städteplaner Rainer Tropp auf einen Ortsrundgang ging.
Weitere Informationen zur Städtebauförderung: www.stmb.bayern.de/buw/staedtebaufoerderung/