Tagesordnungspunkt

TOP Ö 2: Sachstandsbericht zur Jugendsozialarbeit an der Berufsschule Miltenberg- Obernburg

BezeichnungInhalt
Sitzung:23.01.2017   JHA/001/2017 
Beschluss:zur Kenntnis genommen
DokumenttypBezeichnungAktionen

Die Mitglieder des Ausschusses nehmen die Ausführungen zur Kenntnis.


Herr Stefan Adams informiert anhand beiliegender Präsentation über die bisherige Arbeit der 2015 neu gestarteten Stelle der Jugendsozialarbeit an der Berufsschule Miltenberg- Obernburg.

 

Landrat Scherf stellt beiliegendes Schreiben von Herrn Kahlert, Leiter der Staatl. Berufsschule Miltenberg-Obernburg, vor.

 

Kreisrat Dr. Fahn merkt an, dass Sprachunterricht der Schlüssel zur Integration sei. Er möchte wissen, wo genau die Probleme der JaS mit Sprachunterreicht seien, wie ehrenamtliches Engagement eingebunden sei und wie die Probleme gelöst werden könnten.

 

Landrat Scherf antwortet, dass man genau strukturieren müsse. Ehrenamtliche Hilfe sei unmittelbar an der Berufsschule nicht das Thema. Die Berufsschule mache ihr schulisches Angebot. Die Jugendsozialarbeit habe auch nicht die Aufgabe, Sprache zu fördern. Die angesprochene Problematik spreche junge Menschen an, bei denen im Rahmen der Ausbildung auffalle, dass die sprachlichen Fertigkeiten nicht ausreichten, um die Ausbildung zu absolvieren. Man müsse dies aber von der Ausbildungsinitiative des Landkreises Miltenberg trennen. Bei dieser Initiative passiere so etwas nicht, weil man sich vorher die sprachlichen Fertigkeiten, Begabungen, Interessen und Anforderungen genau anschaue.

Aktuell hätten Flüchtlinge aus Afghanistan große Angst vor der Abschiebung und den Folgen einer Rückkehr nach Afghanistan. Das mache ein Arbeiten im Klassenzimmer nur sehr schwer möglich. Auch bei den Praktikums- und Ausbildungsbetrieben sei wegen der Abschiebepraxis große Verunsicherung spürbar. Es fehlten Fluchtmöglichkeiten innerhalb des Landes, sogar die Hauptstadt Kabul und das Parlament würden beschossen. Dies alle führe zu psychischen Belastungssituationen, die sich auf den Unterricht extrem auswirkten.

 

Herr Keller sagt, man könne sich das Programm der Staatsregierung zu JaS noch einmal anschauen. Es würden Stellen nur gefördert, wenn sie mindestens den Umfang von 19,5 Stunden haben. Jetzt seien diese Stellen oft an Grund- und Mittelschulen, die mit einer Schülerzahl um die 300, bis zur Mittagszeit und in der Regel an einem Standort besetzt seien. Bei der Darstellung des Umfangs der Berufsschule Miltenberg-Obernburg von ca. 1780 Schülern und zwei Schulstandorten, bei der Darstellung der inhaltlichen Aspekte wie den Schnittstellen zu unendlichen vielen Betrieben, zwei Lehrerkollegien mit 51 Lehrer/innen sei es sehr ratsam, darüber nachzudenken, diesen Bedarf rechtzeitig zu erkennen und darauf zu reagieren.

 

Kreisrätin Passow möchte wissen, wie die Vernetzung verschiedener Akteure stattfindet, wenn in Bezug auf Abbrüche Gespräche geführt würden. Die IHK habe Ausbildungsberater und die meisten Betriebe hätten ebenso Verantwortliche für die Auszubildenden. Per se sei es nicht falsch, wenn verschiedene Akteure mit einer Person sprechen würden, weil jede Ausbildung, die nicht abgebrochen werde, Sinn mache. Sie fragt, ob man die Gespräche und die Erfolge mit Zahlen, Daten und Fakten unterfüttern könne.

 

Landrat Scherf stimmt dem Hinweis zu, dass es viele Ansprechpartner gebe. Das Entscheidende sei, wie vernetzt, koordiniert und arbeitet man zusammen. Er erinnert an die Kooperationsvereinbarung „Jugend stärken“ aus dem vergangenen Jahr, die u.a. die Handwerkskammer, die IHK, das Landratsamt, das Jugendamt/Jugendsozialarbeit, das Schulamt, das JobCenter und die Arbeitsagentur unterschrieben hätten. Alle Institutionen und helfende Hände hätten grundsätzlich das gleiche Ziel, alles besser zu koordinieren und zu vernetzen, damit man gemeinsam arbeiten könne. Er verweist auf die Einrichtung einer Jugendberufsagentur, die entstehen solle, damit man gemeinsam und systematisch helfen könne.

Die Erhebung von Zahlen, Daten und Fakten sei im Rahmen des Bildungsmonitorings eines der Aufgabengebiete von Herr Steinbart. Die Ergebnisse werden nach der Erhebung dem Ausschuss vorgestellt.

 

Frau Seidel ergänzt, dass Herr Steinbart momentan eine Schulabgängerbefragung vorbereite.

 

Kreisrätin Passow möchte wissen, ob Herr Ludorf die jungen Menschen auch begleite, zum Beispiel bei Gängen zur Arbeitsagentur.

 

Herr Adams antwortet, dass genau dies der Job von Herrn Ludorf sei. Wenn er von einem drohenden Ausbildungsabbruch erfahre, was in der Regel durch einen Klassenlehrer erfolge oder durch den Schüler selbst, dann finde er die richtigen Ansprechpartner und gehe den Weg mit dem Auszubildenden gemeinsam.

 

Kreisrat Stich sagt, dass JaS ein tolles Programm sei, und dass alle vorgebrachten Argumente auch für Gymnasien und Realschulen gelten würden. Deswegen sollte man JaS ausweiten und er fordert einen weiteren Vorstoß, dass das Kultusministerium dafür die Verantwortung und Kosten trage.

 

Die Anregung, dass das Kultusministerium einsteige, nehme man gerne entgegen, entgegnet Landrat Scherf. Man würde über den Bayerischen Landkreistag nachhaken. Darüber hinaus könne man sich an die Abgeordneten des Bayerischen Landkreistages wenden.

Im Rahmen der Bildungsregion habe man bezüglich Jugendsozialarbeit an Schulen mit den Verantwortlichen der Realschulen und Gymnasien gesprochen. Dabei sei vereinbart worden, dass sich die Schulen, die ein konkretes Interesse hätten, sich mit dem Konzept der Jugendsozialarbeit inhaltlich auseinandersetzten und sich dann an das Landratsamt wenden sollten. Bisher habe sich allerdings niemand gemeldet.

 

Kreisrat Herrmann stellt fest, dass Berufsschulen sehr komplex seien, sowohl was die Präsenz wie auch die Organisation betreffe, und nicht mit Gymnasien oder Realschulen vergleichbar seien. Das Ankommen einer Jugendsozialarbeit in einer Berufsschule sei sehr schwierig. Letztendlich sei es begrüßenswert, dass der Schulleiter zu Papier gebe, dass er JaS sehr begrüße und auch fordere, dass die Stelle ausgeweitet werde. Praktisch gesehen sei seiner Meinung nach die Erweiterung aber nur zu beschließen, wenn Herr Ludorf diese Stelle übernehme.

 

Landrat Scherf erklärt, dass dies formal nicht möglich und inhaltlich nicht sinnvoll sei, die Stelle an eine Person zu koppeln.

 

Landrat Scherf fasst zusammen, dass er Herrn Kahlert im Januar Rückmeldung geben und vom positiven Feedback des Jugendhilfeausschusses berichten werde. Eine Erweiterung der JaS auf eine ganze Stelle an der Staatlichen Berufsschule Miltenberg-Obernburg werde für die Sitzung des Jugendhilfeausschusses im Mai vorbereitet.

 

Kreisrätin Passow äußert den Wunsch, dass die Vorlage für die Erweiterung noch mit Zahlen, Daten und Fakten unterfüttert werde, was Landrat Scherf zusagt.

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