Adorno-Beethoven-Thomas Mann Konzertlesung

  
Datum: 10.11.2019
Uhrzeit: 17 Uhr
Beschreibung: Konzert-Lesung anlässlich des 50. Todestags von Theodor W. Adorno

Theodor W. Adorno: Klavierstück

Einführung
Vor 50 Jahren starb Theodor W. Adorno. Er war nicht nur Philosoph und Soziologe, sondern gleichermaßen Musikphilosoph und Komponist. Sein Kompositionslehrer war kein Geringerer als Alban Berg. Er erlangte quasi indirekt auch literarische Berühmtheit, weil er Thomas Mann über mehrere Jahr hin intensiv bei der Arbeit an seinem Roman "Doktor Faustus" begleitet hat. Schon vor dieser engen Kooperation im amerikanischen Exil hatte Thomas Mann bei den Vorarbeiten zu seinem Roman Adornos Schrift "Schönberg und der Fortschritt" (der 1. Teil der später erschienenen "Philosophie der neuen Musik") und seinen Essay "Über den Spätstil Beethovens" gründlich gelesen. Dieser Essay stellt neben den konkreten Hinweisen Adornos die theoretische Grundlage zum VIII. Kapitel des "Doktor Faustus" dar, dessen ersten Teil zu Beethovens letzter Klaviersonate op. 111 ich Ihnen gleich vorlesen möchte.
Worum geht es? Nun, es geht zunächst um die Frage, warum Beethoven keinen 3. Satz für die Sonate op. 111 geschrieben hat. Und damit geht es um nicht weniger als um die Frage, was ein Künstler gegen Ende seines Lebens, quasi im Angesicht des Todes, noch mitteilen möchte. Man ist geneigt, von einem Vermächtnis zu sprechen, von einer Besinnung auf das Verhältnis des eigenen künstlerischen Ausdrucks zur Tradition. Nach vielfachem Ringen subjektiven Künstlertums mit den Formen der Konvention ist Beethoven mit dieser Sonate seiner Genialität soweit inne, dass er sie angesichts des nahenden Todes nicht mehr auftrumpfend behaupten muss, sondern sie gelassen ausströmen lassen kann. So etwa legt Adorno es dar. Und Thomas Mann lässt es Wendell Kretschmar, dem Lehrer seines Helden Adrian Leverkühn, seinen Zuhörern erklären.
Doch hören Sie selbst.
Lesung: Kapitel VIII. "Doktor Faustus", Seite 75 - 86

Ludwig van Beethoven, Sonate für Klavier, op. 111

- Pause -

Theodor W. Adorno: Klavierstück (alternativ: Alban Berg, Sonate op. 1)

Im "Doktor Faustus" spielen neben Beethoven und den Kompositionen Adrian Leverkühns, deren Konzeption weitgehend von Adorno stammt, weitere Werke anderer Komponisten eine Rolle, so etwa Schuberts Lied "Der Wanderer", dessen Einsamkeitsthematik Adrian Leverkühn unmittelbar auf sich bezieht. Schubert hat dazu eine Klavierfantasie geschrieben, auf die Adorno 1928 - dem 100.Todesjahr Schuberts - Bezug nimmt.
Franz Schubert, Wanderer Fantasie


Zugabe: Frederic Chopin, Notturno cis-moll, opus 27,1
Dieses Stück schätzt Adrian Leverkühn sehr. Er schreibt dazu in einen Brief an Serenus Zeitblom: "Das übertrifft an desperatem Wohlklang alle Tristan-Orgien - und zwar in klavieristischer Intimität...."

Dauer: 1. Teil ca. 70 Minuten
Dauer: 2. Teil ca. 30 Minuten

Veranstaltungsort: Grüner Saal Amorbach
Schlossplatz  1
63916  Amorbach Logo BayernAtlas
Veranstalter: Landratsamt Miltenberg Kulturreferat
Brückenstr.2, Miltenberg
Eintritt: 19,90
Eintritt ermäßigt: 16,60
Zielgruppe: Alle
Art der Veranstaltung: Sonstiges
© 2011 Landratsamt Miltenberg | Brückenstr. 2 | 63897 Miltenberg | Tel: 09371 501-0
Fernwartung