15.01.2015

Pressemitteilung Karikaturenausstellung: "Fremde Nachbarn" im Landratsamt

Die aktuellen Ereignisse in Paris werfen einen Schatten auf die neue Ausstellung im Landratsamt, beweisen aber auch, wie wichtig das mutige Eintreten für Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung ist. »Fremde Nachbarn. Karikaturen zum Verhältnis von Flucht und Heimat« ist die Ausstellung von Karikaturen im Foyer des Landratsamtes überschrieben.

Maneis Arbab, der aus dem Iran stammt und seit fünf Jahren in Deutschland lebt, die Karikaturisten-Duos Greser & Lenz aus Aschaffenburg sowie Hauck und Bauer aus Alzenau setzen sich in ihren Zeichnungen mit dem Thema immer fantasievoll, mal witzig, mal nachdenkenswert auseinander. Manchmal so, dass Sinn und Intention auf den ersten Blick deutlich werden, mal aber auch so hintergründig, dass die Blätter einen zweiten und dritten Blick verlangen.

Scherf: "Positives Zeichnen"
Landrat Jens Marco Scherf war über den großen Besuch bei der Vernissage am Sonntagvormittag sehr erfreut und deutete ihn als »positives Zeichen« für die politische Kultur im Landkreis, in dem aktuell 450 Asylbewerber Aufnahme gefunden hätten. Er lobte die Willkommenskultur in den Gemeinden und stellte die Künstler kurz vor, bevor er unter dem Beifall der Besucher formulierte: »Frieden, Freiheit und Demokratie sind nicht selbstverständlich«. Er rief dazu auf, mutig für diese Werte einzutreten.

Domkapitular Clemens Bieber, erster Vorsitzender des Caritasverbandes der Diözese Würzburg, würdigte die Arbeit der Künstler intensiv. Er formulierte: »Karikaturen bringen kurz und knapp, aber sehr anschaulich ein Problem, eine Frage, eine Situation auf den Punkt und provozieren beim Betrachter eine persönliche Stellungnahme.«

Sensible Gesprächskultur 

Sensible Gesprächskultur
Mit dem Blick auf einzelne Arbeiten machte er klar, wie durch Karikaturen ein wichtiger Beitrag zum »öffentlichen Diskurs in wichtigen gesellschaftspolitischen Fragen« geleistet wird. Greser und Lenz träten auf ihre ganz spezielle Art für ein gutes Miteinander mit den »fremden Nachbarn« ein.
Hauck und Bauer machten deutlich, wie wichtig eine neue, sensible Gesprächskultur für den Umgang miteinander sei. Maneis Arbab, der 2009 aus seiner Heimat Iran fliehen musste und bis heute in Würzburg »in einem Aufnahmelager, nicht in Deutschland« lebe, bringe uns alle mit seinen »klugen, feinsinnigen Hinweisen« zum Nachdenken. Mit seinem Eintreten dafür, dass Flüchtlinge möglichst schnell die deutsche Sprache lernen, leiste er einen ganz konkreten Beitrag, dass Fremde nicht gar so lang fremd bei uns bleiben.
Für manchen Zuhörer war es vielleicht etwas erstaunlich zu hören, wie klar sich der Würzburger Domkapitular gegen ein Zuwanderungsgesetz aussprach, bei dem es um die »Auswahl der Besten« geht. Wörtlich sagte Clemens Bieber: »Es berührt mich sehr komisch, dass das Interesse an dem Menschen erst in dem Augenblick wach wird, wo ich mir einen wirtschaftlichen Nutzen, einen Vorteil durch sie verspreche.« Er fragte: »Was ist mit den Menschen, die nicht zu den Besten zählen?« und warnte vor einem »menschenverachtenden Denken«.

Beispielhaftes Projekt
Navid Zahibi gestaltete die Veranstaltung stilvoll mit der Handtrommel aus Persien.
Neben der Präsentation von Karikaturen und Künstlern hatte die Vernissage im Landratsamt noch einen zweiten Zweck:

Best-Practice-Price 2014 

Der Kooperationskreis von KAB, Caritas, Franziskanern und dem Martinushausforum erhielten den mit 2000 Euro dotierten Best-Practice-Preis 2014 der katholischen Erwachsenenbildung Bayern für das »beispielhafte Projekt« der Engelberg-Gespräche überreicht. Reinhard Lattin, KAB-Kreissprecher, dankte für den ermutigenden Preis und lud zur nächsten Folge der Gespräche am 7. März auf den Engelberg ein. Dann wird dort das Thema »Hauptsache gesund!« behandelt.

Die Ausstellung »Fremde Nachbarn« ist noch bis zum 30. Januar im Foyer des Landratsamtes zu sehen. Die Öffnungszeiten: Montag und Dienstag von 8 bis 16 Uhr, Mittwoch von 8 bis 12 Uhr, Donnerstag von 8 bis 18 Uhr, Freitag von 8 bis 13 Uhr. Wegen der großen Nachfrage auch am Sonntag, dem 25. Januar von 14 – 16 Uhr geöffnet.

So sehen Greser & Lenz den Umgang mit den Flüchtlingen, die über das Mittelmeer nach Italien kommen. Fotos: Heinz Linduschka
So sehen Greser & Lenz den Umgang mit den Flüchtlingen, die über das Mittelmeer nach Italien kommen.

Text und Fotos: Dr. Heinz Linduschka

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