23.09.2015

Pressemitteilung Initiative bringt neun junge Flüchtlinge in Ausbildung

Strahlende Gesichter bei neun jungen Flüchtlingen: Sie haben dank der Ausbildungsinitiative des Landkreises Miltenberg in Kooperation mit zahlreichen Partnern im September eine Ausbildung beginnen können.

Diese Initiative sei ein Modellprojekt, stellte Landrat Jens Marco Scherf im großen Sitzungssaal des Miltenberger Landratsamtes fest, wohin am Montagabend alle Beteiligten gekommen waren. Für die Ausbildung junger Flüchtlinge gebe es von staatlicher Seite keine Strukturen, also habe man selbst gehandelt, so Scherf. Impuls sei ein Anruf von Johannes Oswald bei ihm, Scherf, gewesen. Darin habe der Miltenberger Unternehmer die Ausbildung der jungen Flüchtlinge thematisiert.

Daraufhin habe man alle mit Bildung und Ausbildung befassten Organisationen und Betriebe zusammengeholt, um Ideen zu entwickeln, wie ein solches Projekt gelingen könne. Scherf listete auf Seiten des Landkreises das Schulamt und Jugendamt auf, darüber die Caritas-Asylsozialberatung, Arbeitgeber, Handwerkskammer, Industrie- und Handelskammer, Arbeitsagentur und Jobcenter sowie die Gesellschaft zur beruflichen Förderung (GbF). Angesichts der demografischen Entwicklung, die eine sinkende Zahl von Jugendlichen prognostiziert, sei es wichtig, jedem jungen Menschen die Chance auf einen guten Start ins Berufsleben zu geben, stellte Scherf fest. Angesichts von 700 unbesetzten Lehrstellen in der Region Bayerischer Untermain biete die Zuwanderung junger Menschen auch Chancen, sagte Scherf.

Die neun ausgewählten Auszubildenden, die niemandem einen Ausbildungsplatz wegnähmen, hätten ein mehrteiliges Auswahlverfahren überstanden, blickte der Landrat zurück. Klar sei aber auch, dass diese jungen Leute in den nächsten Jahren ihrer Ausbildung Begleitung und Förderung bräuchten – etwa in sprachlicher Hinsicht, aber auch in fachspezifischen Fragen.

Damit sei die Arbeit aber nicht beendet, kündigte Scherf an. So sei es wichtig, das Konzept in der Fläche umzusetzen, wies Scherf auf zurzeit 800 Asylbewerber im Verfahren, 280 Flüchtlinge in der Erstaufnahme und 65 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge im Landkreis hin. „Wir müssen eine Systematik entwickeln und überlegen, wie wir die Flüchtlinge berufliche integrieren können“, nannte Scherf die nächste große Herausforderung. So überlege man zurzeit, eine Art Jugendberufsagentur ins Leben zu rufen.

Für den Landrat steht aber auch fest, dass man nicht nur jungen Flüchtlingen eine Chance geben muss, sondern allen Jugendlichen mit Unterstützungsbedarf – ungeachtet ihrer Herkunft – helfen müsse. „Das ist eine große Verantwortung“, stellte Scherf fest. „Ich bin sehr optimistisch, dass dass wir das schaffen, denn wir haben gute Partner“, zeigte sich der Landrat überzeugt von den guten Ansätzen, die es nun weiter zu entwickeln gelte. Der Anfang stimme ihn positiv, meinte Scherf: „Hier kommen junge Menschen, die motiviert sind und anpacken wollen.“

Günther Oettinger, Kreisvorsitzender des Bayerischen Städte- und Gemeindetags, brachte allen Beteiligten für ihr Engagement Bewunderung und Respekt entgegen. „Ich habe mir nicht vorstellen können, dass es gelingt“, stellte er fest. Dass sich die jungen Auszubildenden sehr über ihre Lehrstellen freuten, zeigten sie, indem sie sich ausdrücklich bei ihren Arbeitgebern für diese berufliche Chance bedankten.

Folgende junge Flüchtlinge haben im September ihre Lehre begonnen:
Arzu Dadasova (Afghanistan) und Jibrill Abdi Ismaail (Somalia), beide in Ausbildung zum Pflegehelfer/zur Pflegehelferin in der BRK-Berufsfachschule für Altenpflege und Altenpflegehilfe Erlenbach
Armenak Manukyan (Ukraine/Krim) in Ausbildung zum Metzger in der Metzgerei Sämann in Faulbach
Barry Wurry (Guinea) in Ausbildung zum Bäcker in der Bäckerei Hench in Miltenberg
Daouda Zoromé (Elfenbeinküste) in Ausbildung zum Hochbaufacharbeiter in der Baufirma Trautmann in Sulzbach
Soufiane Rami (Marokko) in Ausbildung zum Kfz-Mechatroniker in der Franken-Garage Bürgstadt
Hamed Saidi (Afghanistan) in Ausbildung zum Maler und Lackierer bei Drei Maler Betzwieser in Miltenberg
Ahmad Siar Shahsawar (Afghanistan) in Ausbildung zum Bankkaufmann bei der Sparkasse Miltenberg-Obernburg
Hasan Jafari (Iran) in Ausbildung zum Technischen Produktdesigner bei der Firma Oswald in Miltenberg. 

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Dank der Anstrengungen von Landkreis, Schule und Wirtschaft haben neun junge Flüchtlinge im September eine Ausbildung im Landkreis Miltenberg beginnen können. Das Bild zeigt die Lehrlinge zusammen mit den Firmenvertretern sowie Landrat Jens Marco Scherf (links) und Günther Oettinger, dem Vorsitzenden des Kreisverbands des Bayerischen Städte- und Gemeindetags (rechts).

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