16.04.2015

Pressemitteilung Ausschüsse informieren sich über Waldbewirtschaftung

Im Forstrevier Breitenbrunn haben sich Landrat Jens Marco Scherf sowie 17 Kreisrätinnen und Kreisräte vom Leiter des Forstbetriebs Rothenbuch, Jann Oetting, über die Waldbewirtschaftung der Bayerischen Staatsforsten informieren lassen. Auch stellvertretender Betriebsleiter Volkmar Zankl und Förster Hubertus Hauk nahmen an der Exkursion teil und steuerten wichtige Informationen bei. Mit der Exkursion wollte der Landrat den Kreisräten ins Bewusstein bringen, welch große Bedeutung der Wald und seine nachhaltige Bewirtschaftung haben. Dass die Kreisräte großes Interesse am Thema hatten, zeigten sie mit zahlreichen Fragen.

Fast 17.000 Hektar Fläche umfasst das den Bayerischen Staatsforsten zugehörige Forstrevier Rothenbuch laut Oetting, der größte Teil liege im Spessart. Rund 50 Mitarbeiter seien für das Reiver tätig, dessen Umsatz pro Jahr bei rund 6,5 Millionen Euro liegt. Man schreibe „eine schwarze Null“, sagte er zu den Mitgliedern der Ausschüsse für Energie, Natur- und Umweltschutz sowie Wirtschaft und Tourismus.

Etwa 75 Prozent der Betriebsflächen seien mit naturnah zusammengesetzten Laubholzbeständen bestockt – größtenteils Buchen und Eichen. Bei den Bäumen, die über 120 Jahre auf dem Buckel haben, liege der Anteil der Laubbäume sogar über 80 Prozent, erklärte Oetting. Insgesamt nehme die Buche über 8.000 Hektar Fläche ein, dazu kämen rund 25 Prozent Eichen und 25 Prozent mit anderen Baumarten. Auf über 28 Prozent der Fläche seien über 140 Jahre alte, naturnahe Laubwälder vorhanden, verwies Oetting auf die im Laufe der Jahrhunderte gewachsenen Bestände. Wie hoch die naturschutzfachliche Bedeutung dieser Wälder sei, spiegelt sich in einigen weiteren Zahlen wider: So sind rund 13.000 Hektar als Vogelschutzgebiet ausgewiesen, über 9000 Hektar als Flora-Fauna-Habitat-Gebiet.

Oetting führte weiter aus, dass die Staatsforsten größten Wert auf eine nachhaltige Bewirtschaftung legen und belegte dies mit mehreren Beispielen. So seien etwa acht Prozent der Gesamtfläche aus der forstlichen Nutzung komplett herausgenommen. Dabei handelt es sich um Waldbestände, in denen über 180 Jahre alte Buchen und über 300 Jahre alte Eichen stehen, so Oetting. Diese sogenannten alten Wälder nähmen eine Fläche von rund 1300 Hektar ein und genössen besonderen Schutz.

Oetting erläuterte, wie sich die Baumarten im Spessart in den letzten Jahrtausenden entwickelt hätten. Die Buche finde hier bessere Wachstumsvoraussetzungen vor als die Eiche, sagte er. Wenn es die 800-jährige Eigentümerherrschaft nicht gegeben hätte, gäb es heute keine Eichen mehr, steht für ihn fest. In einem sogenannten Eichenüberführungsbestand erklärte der Fachmann, wie Eichen geholfen wird, wenn Buchen deren Krone bedrohen. Ohne diese Hilfe würde die Buche die Eiche immer weiter zurückdrängen. Wenn man den Wald in Ruhe lassen würde, „wäre heute die Eiche weg“, erklärte der Forstbetriebsleiter.

Dass das im Wald liegende Totholz teilweise nicht entfernt wird, begründete Oetting mit der Tatsache, dass sich viele Pflanzen an größere Mengen Totholz gebunden hätten. Bislang habe man keine Schädlingsexplosion beobachtet, antwortete er auf eine Frage aus Reihen der Exkursionsteilnehmer. Wenn Eichen neu gepflanzt werden, nehme man nur Eichen aus der Region, entgegnete er auf eine weitere Frage. Das geschlagene Holz werde fast ausschließlich in Betriebe der Region nach Aschaffenburg und Schweinfurt geliefert, so Oetting. Die Douglasie spiele im Staatsforst kaum eine Rolle, erklärte Jann Oetting, sie komme gerade einmal auf einen Anteil von drei Prozent in der Verjüngung. In den Buchenwäldern bringe man keine Douglasien mehr ein, stellte er klar. Förster Hubertus Hauk schätzt den Baum allerdings als standfesten Baum, der sehr gutes Bauholz liefert. Zudem vertrage der Baum Trockenheit sehr gut, zählte er einen weiteren Vorteil der Douglasie auf.

„Wir versuchen, im Forstbetrieb alle berechtigten Interessen zu vereinbaren“, fasste Jann Oetting zusammen und erklärte das selbst erarbeitete Naturschutzkonzept. So habe man die Wälder in vier Klassen eingeteilt: Klasse-1-Wälder seien alte Wälder, Klasse-2-Wälder normale Wirtschaftswälder mit naturnaher Bestockung, Klasse-3-Wälder junge, naturnahe Wälder und Klasse-4-Wälder seien naturferne. In Klasse-1-Wäldern verzichte man durch eine selbst auferlegte Hiebruhe auf eine jährliche Holznutzung von rund 10.900 Erntefestmetern. Um die Totholzziele in den Klasse-2- und Klasse-3-Wälder zu erreichen, verzichte man auf die Verwertung von weiteren rund 4700 Erntefestmetern. Einschränkungen durch die Natura-2000-Richtlinie führten zu einem weiteren Verzicht auf rund 10.000 Festmeter. Das Konzept werde mittlerweile von vielen anderen Betrieben übernommen, sagte Oetting.

Auch in Sachen Klimawandel stelle man Überlegungen an. So denke man in der alle zehn Jahre anfallenden Forstbetriebsplanung darüber nach, welche Baumarten man in 50 Jahren haben wolle. Insgesamt, so Oetting in seinem Fazit nach der mehrstündigen Exkursion, könne man bei der Waldbewirtschaftung nicht viel falsch machen, wenn man Gewaltakte und Extreme vermeide. 

Im Forstrevier Breitenbrunn informierte der Leiter des Forstbetriebs Rothenbuch, Jann Oetting (Fünfter von rechts), Landrat Jens Marco Scherf und die Kreisräte aus dem Landkreis Miltenberg über die nachhaltige Waldbewirtschaftung der Bayerischen Staatsforsten.
Im Forstrevier Breitenbrunn informierte der Leiter des Forstbetriebs Rothenbuch, Jann Oetting (Fünfter von rechts), Landrat Jens Marco Scherf und die Kreisräte aus dem Landkreis Miltenberg über die nachhaltige Waldbewirtschaftung der Bayerischen Staatsforsten.

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