24.11.2015

Pressemitteilung Zum „Rollentausch“ in die Lebenshilfe-Werkstätten

Auch in diesem Jahr wieder haben zahlreiche Einrichtungen der Freien Wohlfahrtspflege und private Träger in Bayern die Aktion Rollentausch angeboten. Eine Woche lang bot diese Aktion Personen des öffentlichen Lebens die Möglichkeit, sich ein Bild von den Herausforderungen des Alltags in sozialen Einrichtungen zu machen.

In Großheubach nutzte stellvertretender Landrat Thomas Zöller die Gelegenheit, sich in der Lebenshilfe-Werkstatt Großheubach umzuschauen, einer von vier Standorten der Lebenshilfe-Werkstätten Schmerlenbach. Werkstattleiter Bernhard Wetzka und Geschäftsführer Reinhard Lippert versorgten Zöller mit den wichtigsten Informationen, ehe sich der Landratsstellvertreter auf einen Rundgang machte. „Viele Besucher sind überrascht, was hier geleistet wird“, sagte Wetzka, als er die vielen Arbeitsplätze mit hochmotivierten Menschen mit Behinderungen zeigte.
Wie Zöller sehen konnte, gibt es kaum etwas, was in den Werkstätten nicht produziert wird. Große Hersteller wie Takata-Petri, SAF Holland und viele lokale Firmen wie Josera, WIKA, Rauch und Faust geben hier Produktionen in Auftrag. Aufmerksam beobachtete Zöller, wie schnell und geschickt die 196 Menschen mit Behinderung hier arbeiten. Egal ob Boxen aus Holz, Teile für die Fahrzeugindustrie, Montage von Teilen oder Verpacken – die hier Arbeitenden leisten die gleiche Arbeit wie anderswo. Bernhard Wetzka hob vor allem die hohe Motivation der Arbeiterinnen und Arbeiter hervor: „Unsere Leute sind toll, sie arbeiten gerne und sehr gut.“ Das, so Wetzka, sehe man daran, dass es so gut wie keine Reklamationen gibt.
Dass die hier produzierten Teile von hoher Qualität sind, wusste Thomas Zöller aus eigener Erfahrung. Vor seiner politischen Karriere war er in der freien Wirtschaft tätig und hatte dabei häufig mit in Großheubach gefertigten Produkten zu tun. „Die waren immer sehr gut“, wusste er. Doch nicht nur die Qualität ist gut, auch die hier produzierten Mengen sind hoch. 2012 beispielweise wurden laut Geschäftsführer Reinhard Lippert in den vier Lebenshilfe-Werkstätten in Großheubach, Stockstadt, Aschaffenburg und Schmerlenbach in der Summe pro Tag 32.550 Fertigteile hergestellt.
Um den Anforderungen der Kundschaft zu genügen, hat sich die Lebenshilfe auch zertifizieren lassen – sowohl nach ISO 9001 als auch nach der Akkreditierungs- und Zulassungsstelle Arbeitsförderung (AZAV). Das sei wichtig, so Bernhard Wetzka, denn die großen Kunden bräuchten qualitativ hochwertige Produkte.
Einen sehr guten Ruf genießt zudem der Wein, der auf rund einem Hektar Rebfläche nach Bioland-Richtlinien von 13 Menschen mit Behinderung und zwei Betreuern angebaut wird. Die Bewirtschaftung umfasst alle notwendigen Arbeiten von der Bodenpflege über den Schnitt und die Traubenlese bis zur Weinabfüllung; den Ausbau erledigen Winzer der Region. Das Weinfest der Lebenshilfe-Werkstätten ist mittlerweile weithin bekannt.
In den Großheubacher Werkstätten, die im Jahr 1982 bezogen wurden, sind Bernhard Wetzka zufolge zurzeit 196 Menschen mit Behinderung tätig, dazu kommen 45 Angestellte, fünf Praktikanten und drei Personen, die Bundesfreiwilligendienst oder ihr Freiwilliges Soziales Jahr ableisten. Angegliedert ist zudem die Tagesförderstätte in Klingenberg mit elf in der Werkstatt Tätigen und sechs Angestellten sowie zwei Praktikanten.
Am Ende seines Besuchs zeigte sich Thomas Zöller beeindruckt von den Leistungen, die hier erbracht werden. Nach Hause nahm er eine Anregung mit, die Einrichtung einer Bushaltestelle in der Nähe prüfen zu lassen. Denn viele der hier arbeitenden Menschen mit Behinderung würden gerne öffentliche Verkehrsmittel nutzen, wenn eine Haltestelle zur Verfügung stünde.
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