06.05.2015

Pressemitteilung Landkreis will Deponien wirtschaftlicher betreiben

Bei einer Führung über die Guggenberger Kreismülldeponie haben die Mitglieder des Ausschusses für Energie, Natur- und Umweltschutz am Montag alles Wissenswerte über diese Einrichtung des Landkreises Miltenberg erfahren. Der Leiter der Abfallwirtschaft am Landratsamt, Wolfgang Röcklein, sowie seine Mitarbeiter Kai Strüber und Jürgen Steegmüller zeigten den Kreisräten die Deponien der Deponieklassen 0, I und II und erklärten unter anderem, wie das auf der Deponie anfallende Sickerwasser gereinigt wird. Vor Ort sahen die Kreisräte auch, welche Flächen noch für die Befüllung mit Abfall vorhanden sind.

Dieses Thema wurde auch in der anschließenden Sitzung in der Maschinenhalle der Deponie thematisiert. Wolfgang Röcklein erläuterte die Geschichte der Kreismülldeponie, die laut Beschluss des Kreistags aus dem Jahr 2007 ausgebaut worden war. Das Gremium hatte damals beschlossen, einen Deponieabschnitt für DK-II-Abfälle zu bauen sowie eine DK-0-Deponie neu zu errichten. Grundlage für diese Entscheidungen seien die damals geschätzten Anliefermengen von Abfällen gewesen. Wegen des Arsenproblems habe die DK-0-Deponie aber nicht 2009 in Betrieb gehen können, blickte Röcklein zurück, sondern erst Anfang 2012. Seitdem seien die angelieferten Abfälle deutlich hinter den Erwartungen zurückgeblieben, bedauerte der Fachmann – zuletzt im Jahr 2014 seien es nur 16 Prozent der erwarteten Jahresmenge gewesen. Fazit von Wolfgang Röcklein: Der Betrieb der DK-0-Deponie ist derzeit unwirtschaftlich, da man weit unterhalb der erforderlichen Anliefermengen liegt.

Der Betrieb der DK-II-Deponie arbeite unter Einrechnung der auf der DK-I-Deponie abgelagerten Mengen im unteren wirtschaftlichen Bereich, so Röcklein. Als Gründe für die geringen Abfallmengen führte Röcklein unter anderem riesige Deponien im hessischen Raum an, die mineralischen Abfall sehr preisgünstig annehmen – auch aus dem Landkreis Miltenberg. Das sei eine Folge der fehlenden Ersatzbaustoffverordnung, erklärte Röcklein. In dieser Verordnung sollen die Ablagerungs- und Verwertungsbedingungen für mineralische Abfälle bundeseinheitlich geregelt werden – dafür aber existieren bislang nur Entwürfe. „Mit den Preisen in Hessen können wir nicht mithalten“, stellte er fest und sprach von einer „unbefriedigenden Situation.“ Aber nicht nur aus ökonomischen, sondern auch aus ökologischen Gründen sei es notwendig, die DK-I-Deponie so schnell wie möglich zu verfüllen. Denn erst nach der kompletten Verfüllung könne man die Deponie mit Erdmaterial abdecken und später, nach Ende der Senkungen, endgültig abdichten. Die DK-0-Deponie solle man auch verstärkt verfüllen, um die Wirtschaftlichkeit zu verbessern. Röcklein schlug dem Gremium vor, auf beiden Deponien künftig auch Abfälle von außerhalb des Landkreises anzunehmen und die Preise für diese Abfälle anzupassen. Der Ausschuss beschloss, eine Freigabe für die Annahme von Verwertungsabfällen außerhalb des engen Satzungsspielraums. Die genauen Konditionen werden noch bekannt gegeben.

Dass die zuständige Firma bei der jüngsten Reinigung und Kamerabefahrung der Kanäle auf der Deponie mit erheblichen Verkrustungen zu kämpfen hatte, war den Ausführungen von Kai Strüber zu entnehmen. Dass solche Verkrustungen auftreten, sei nicht neu, sagte Strüber. Dass diese auf einer Länge von 300 Metern binnen einen Jahres auf über zehn Prozent zugenommen hätten, sei dagegen ungewöhnlich. Dieses Abflusshindernis habe mit speziellen Rotations- und Klopfdüsen beseitigt werden müssen. 28.000 Euro habe dies gekostet, sagte Strüber. Da durch diese Reinigung einige andere Wartungsarbeiten entfallen seien, sei unter dem Strich ein Mehraufwand von 17.413 Euro entstanden. Untersuchungen hätten gezeigt, dass die Verkrustungen zu 62 Prozent aus Calcium bestanden. Man sei nun am Tüfteln, wie man diesem Problem beikommen könne, ergänzte Wolfgang Röcklein.

Die Inbetriebnahme des Grünabfallsammelplatzes Erlenbach hat die Anlieferungen im Wertstoffhof Erlenbach nicht um die erhofften 25 Prozent, sondern lediglich um elf Prozent gesenkt, erläuterte Wolfgang Röcklein im nächsten Tagesordnungspunkt. Der Grünabfallsammelplatz werde sehr gut frequentiert, sagte er, aber man habe unterschätzt, dass Anlieferer bei einer Fahrt mehrere Abfallfraktionen entsorgen und auch den Wertstoffhof anfahren, so Röckleins Erkenntnis. Er legte Zahlen vor, dass die längeren Öffnungszeiten im Wertstoffhof am Abend nicht besonders gut angenommen würden, der Andrang am Samstag dagegen sei sowohl im Sommer als auch im Winter stark – nicht nur in Erlenbach, sondern mittlerweile auch in Guggenberg. Nun müsse man abwarten, welche Auswirkungen der neu zu bauende Wertstoffhof Süd haben werde, so Röcklein.

Zum Stand der Prüfung der Kommunalisierung der öffentlichen Müllabfuhr führte Röcklein aus, dass das mit der Prüfung beauftragte Büro teamwerk ag am 13. Juli dem Ausschuss das Ergebnis vorstellen werde. Der weitere Fahrplan sieht vor, nach Vorstellung des Gutachtens – falls es der Ausschuss wünscht –eine Fahrt in einen Landkreis zu organisieren, der Erfahrungen mit der Kommunalisierung der Müllabfuhr hat. Am 12. Oktober müsse der Ausschuss dann seine Entscheidung treffen. Sollte der Ausschuss die Kommunalisierung ablehnen, werde die Verwaltung die europaweite Ausschreibung der Müllabfuhr angehen, so Röcklein. Landrat Scherf sprach von einer „wichtigen, grundlegenden Entscheidung“ des Ausschusses, die dauerhafte Auswirkungen auf den Landkreis haben werde – besonders für den Fall, dass eine Kommunalisierung angestrebt wird.

Einstimmig sagte der Ausschuss Ja zu einem Antrag der Freien Wähler, dass ein Vertreter des Forum Z, einem Netzwerk der kommunalen Abfallwirtschaft, im Ausschuss die Ziele, Aufgaben und Vorteile dieses Netzwerks vorstellen darf. In der gleichen Sitzung wird auch ein Vertreter des Verbands kommunaler Unternehmen/Verband kommunaler Städtereinigungs- und Abfallwirtschaftsbetriebe (VKU/VKS) seine Arbeit vorstellen. In diesem Verband ist der Landkreis schon lange aktives Mitglied. Der Vertreter von VKU/VKS wird dabei auch die Ergebnisse eines Probe-Benchmarkings vorstellen.

Aus nichtöffentlicher Sitzung gab Wolfgang Röcklein bekannt, dass der Landkreis den Vertrag zur Verwertung des gesammelten Elektroschrotts mit dem Entsorgungsfachbetrieb CR Recycling um drei Jahre verlängert hat. 

Auf der Kreismülldeponie Guggenberg beschäftigte sich der Ausschuss für Energie, Natur- und Umweltschutz – hier an der Nordböschung der DK-II-Deponie –, mit der Diskussion von Möglichkeiten, wie man die Deponien schneller befüllen kann.
Auf der Kreismülldeponie Guggenberg beschäftigte sich der Ausschuss für Energie, Natur- und Umweltschutz – hier an der Nordböschung der DK-II-Deponie –, mit der Diskussion von Möglichkeiten, wie man die Deponien schneller befüllen kann.

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