26.06.2018

Pressemitteilung Software für Fluglotsentraining auf der ganzen Welt

Wer hätte das gedacht: Im beschaulichen Markt Eschau sitzt ein Top-Player auf dem Weltmarkt. Die Firma Rose Simulation stellt Soft- und Hardware für die Ausbildung von Fluglotsen her und ist eine von nur vier Herstellern weltweit. Das erfuhr Landrat Jens Marco Scherf, begleitete von seinen Juristen Oliver Feil und Stefan Pache, beim Gemeindebesuch am Montag in Eschau.

Der Tag begann mit einer Zusammenkunft im Rathaus, wo Bürgermeister Michael Günther in Anwesenheit von Mitarbeitern der Verwaltung und mehreren Mitgliedern des Gemeinderats seine Gemeinde und ihre größten Projekte vorstellte. Angesprochen wurden unter anderem die Neuordnung der Wasserversorgung, die Kindertagesstätte Sommerau sowie der Hochwasserschutz am Welzheimer Graben.

Erste Station der Rundreise war die Firma Rose Simulation. Gebannt lauschten die Gäste hier den Ausführungen von Geschäftsführer Klaus Fischer. Fischer, selbst ausgebildeter Fluglotse und lange im Training von Fluglotsen tätig, hatte sein Unternehmen in Leidersbach gegründet und zog im Herbst 2017 nach Eschau. Hier programmieren er und sein Team Software für die Fluglotsenausbildung, aber auch Hardware hat die Firma mittlerweile im Programm. Dank Rose Simulation können Fluglotsen weltweit – unter anderem im Ausbildungszentrum in Langen – am Bildschirm trainieren, wie sie Flugzeuge richtig leiten, Zusammenstöße verhindern und am Radarschirm verfolgen. Glanzstück der Firma ist ihre Software. So simulieren Fischer und sein Team beispielsweise komplette Flughäfen in drei Dimensionen.

So kann sich ein Fluglotse an seinen rundum von riesigen Monitoren umgebenen Arbeitsplatz setzen und für beliebige Flughäfen trainieren. Der Lotse hat so einen 360-Grad-Blick – wie in einem echten Tower. Mittels Software werden nun nicht nur verschiedene Flughäfen eingespielt, sondern auch Wettersituationen wie Regen oder Schnee. Auf diese Weise lernen die Fluglotsen realitätsnah. „Wir sind in einem globalen Markt tätig“, erklärte Fischer, der seine Systeme gegen Konkurrenz aus USA, Kanada und Großbritannien auf der ganzen Welt verkauft. Die Firma installiert dann am Ende ihre Geräte und Software in den Ausbildungszentren. Zurzeit arbeitet Rose Simulation an Angeboten für Aserbeidschan und Bangladesch, verriet Fischer. Die Geschäfte laufen gut, so dass der Geschäftsführer gerne erweitern und vier weitere Software-Ingenieure mit Affinität zur 3-D-Programmierung einstellen würde. „Wir sind in Eschau von Bürgern und Gemeinde traumhaft aufgenommen worden“, erklärte Fischer, der mittlerweile selbst nach Eschau gezogen ist. „Sobald Sie konkrete Pläne für die Erweiterung haben, kommen Sie direkt auf Gemeinde und Landratsamt zu“, riet Landrat Scherf dem Geschäftsführer, damit das Verfahren zielorientiert durchlaufen werden könne. 

2018-06-26_Landkreis Miltenberg - Pressearchiv
Dank der Simulationen der Eschauer Firma Rose können Fluglotsen weltweit an Simulatoren trainieren

In der Firma Holzverpackung Bachmann erfuhr die Delegation, wie ein traditionsreiches Unternehmen aus der Holzverarbeitung auf dem Weltmarkt agiert. Geschäftsführer Eberhard Bachmann ließ die Historie des 1900 gegründeten Unternehmens Revue passieren und führte durch die Firma. Spezialität von Bachmann sind Holzverpackungen für außergewöhnliche Produkte. Die Firma hat Lieferverträge mit großen Unternehmen wie Schott, Linde und SEW Getriebemotoren – teilweise sogar als Alleinlieferant. Während früher fast alles in Handarbeit erledigt wurde, hat die Automatisierung auch bei Bachmann Einzug gehalten. Paletten-Produktionslinien mit integrierten Industrierobotern sind im Einsatz, weitere Roboter werden folgen. „Die handwerklichen Tätigkeiten werden immer weniger“, so Eberhard Bachmann, aber es sei auch schwierig, gutes Personal zu bekommen. Er hätte auch gerne ausgebildet, konnte den Platz mangels Bewerbern aber nicht besetzen. Die Firma ist zudem innovativ und hat beispielsweise für Schott eine Holzverpackung für Glasröhren entwickelt, so dass kaum Glasbruch anfällt. In einer Halle werden passgenaue Holzverpackungen für internationale Fracht hergestellt, für den Zoll ver- und entplombt und danach an Flug- und Seehäfen weitergeschickt. Das Unternehmen hat zurzeit 34 Beschäftigte, darunter sechs Aushilfen. Für seinen Personalstamm hat Bachmann nur lobende Worte: „Die gehen für uns durchs Feuer.“

Die Delegation sah sich auch im Ort um und wurde mit Problemen bei der Realisierung des Wohnparks Am Mühlbach konfrontiert, der direkt neben der Wohnanlage „50plus“, entstehen soll. Allerdings liegt direkt neben dem geplanten Gelände eine Schreinerei, von der Emissionen ausgehen. Deshalb ist ein schallschutztechnisches Gutachten notwendig. Das müsse abgewartet werden, so Landrat Jens Marco Scherf, danach könne man sehen, was realisierbar ist. Leider habe sich die Hoffnung auf die Möglichkeiten des Einsatzes passiven Schallschutzes seitens des Bundestages zerschlagen, so Jurist Stefan Pache.

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Um an dieser Stelle einen Wohnpark zu realisieren, muss die Gemeinde Eschau zunächst ein schallschutztechnisches Gutachten abwarten

Letzte Station der Rundreise war das Areal an der Kreuzgasse. Die Gemeinde hat hier Platz geschaffen für Bauen, aber ein Haus bereitet Probleme: Das Anwesen Kreuzgasse 4 darf aus Denkmalschutzgründen nicht abgerissen werden und muss in die Planung integriert werden. Hierzu sollen in naher Zukunft noch Gespräche mit dem Landesamt für Denkmalschutz stattfinden. Dabei will die Gemeinde der Behörde mitteilen, dass sie für dieses Gebäude trotz intensiver Ideensammlung keine wirtschaftlich vertretbaren Nutzungsmöglichkeiten sieht. Das Gebäude darf die Entwicklung von Wohnraum im Ortskern nicht behindern, so Bürgermeister Michael Günther und Geschäftsleiter Walter Wölfelschneider. Das sahen auch die Bürgerinnen und Bürger so, die zum Abschluss im Gasthaus „Zum Löwen“ zu Wort kamen. „Die Eschauer wollen das Ding nicht, das ist schlimm“, sagte eine Bürgerin unter zustimmendem Nicken der Gäste. Wenn das Haus abgerissen würde, könnte hier Platz für kleinteiliges Bauen entstehen, so Bürgermeister Michael Günther. Die Flächen würden dann bevorzugt an Eschauer verkauft, versicherte er.

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Ein Schandfleck, der weg soll – so die einhellige Meinung von Gemeinderat und Bürgerschaft: Das Gebäude Kreuzgasse 4 darf aus Gründen des Denkmalschutzes zurzeit aber nicht abgerissen werden.

Landrat Jens Marco Scherf nahm zudem zu mehreren Fragen Stellung, die an ihn gerichtet wurden. Themen waren unter anderem das privatisierte Krankenhaus Erlenbach sowie Rezepte gegen den Ärztemangel und den Wegzug junger Menschen. „Wir müssen unseren jungen Leuten klarmachen, dass es im Landkreis Miltenberg viele tolle Unternehmen gibt, die spannende Arbeitsplätze und damit Perspektiven bieten“, so Scherf. Auch die Mobilität war ein Thema, zu dem der Landrat Stellung nahm. „Für einen ländlichen Raum ist das Busangebot relativ gut“, sagte er und warb für die neue Busverbindung, die eine zweitstündliche Verbindung nach Wertheim und weiter nach Würzburg ermöglicht. 

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