04.02.2016

Pressemitteilung Landrat besichtigt Stadt Klingenberg

Landrat Jens Marco Scherf hat die Reihe seiner Gemeindebesichtigungen am Mittwoch in der Stadt Klingenberg fortgesetzt. Zusammen mit seinen Juristen Oliver Feil und Stefan Pache standen neben einem Verwaltungsgespräch und dem Austausch mit den Fraktionsvorsitzenden des Stadtrats auch Unternehmensbesichtigungen an.

Den Auftakt bildete ein Gespräch mit Bürgermeister Ralf Reichwein, den städtischen Referatsleitern und den Beschäftigten im Übergangsrathaus in der Konrad-Wiegand-Schule in Trennfurt. Zur Freude des Bürgermeisters brachte der Landrat die genehmigte Nutzungsänderung für das Rathaus mit. Diese Nutzungsänderung ist allerdings zeitlich bis Ende Juli 2017 befristet – bis dahin muss die Stadt eine Lösung für ein neues Rathaus finden. Dass ein solches keinesfalls in einer Schule entstehen wird, sei sich der Stadtrat einig gewesen, so Reichwein. Im folgenden Gespräch wurde neben zahlreichen Themen unter anderem die Flüchtlingssituation thematisiert.

Dass die Stadt in der Firma R+W ein Ausnahmeunternehmen beherbergt, zeigte sich in der anschließenden Besichtigung des Kupplungsspezialisten in Trennfurt. Empfangen wurde die Delegation von Geschäftsführer Rüdiger Faustmann, seinem Nachfolger Steffen Herter und Prokurist Frank Kronmüller. Landrat Jens Marco Scherf freute sich über eine sehr vielfältige Unternehmensstruktur im Landkreis Miltenberg und stellte die starke industrielle Prägung des Kreises in der Metropolregion Frankurt-Rhein-Main dar. „Das ist eine Stärke des Landkreises, wir sind der industrielle Kern dieser Wirtschaftsregion“, sagte Scherf und versicherte, den Unternehmen unter anderem mit hohen Investitionen in die Bildung zu helfen.

Kronmüller stellte das 200 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter starke Unternehmen vor, das mit seinen Präzisions- und Industriekupplungen Kunden auf der ganzen Welt beliefert. Das 1990 gegründete Unternehmen war 2011 an die 1400 Mitarbeiter zählende Poppe + Pottoff-Gruppe verkauft worden, die vorwiegend im Automotivebereich tätig ist. Kronmüller stellte die Raumsituation der Firma dar, die zurzeit in beengten Verhältnissen produziert. Trotz einer angemieteten Produktionshalle wäre man sehr daran interessiert, ein großes Grundstück zu erwerben. Bürgermeister Ralf Reichwein sähe es sehr gerne, wenn R+W in Klingenberg bleiben würde. „Wir brauchen eine Lösung“, sagte Reichwein und kündigte an, deshalb mit dem Stadtrat zu reden. Bereits 1992 sei ein Industriegebiet jenseits der B469 angedacht, später allerdings verworfen worden. Landrat Jens Marco Scherf betonte, dass den ansässigen Unternehmen der Rahmen für ihre Weiterentwicklung geboten werden muss.

Einen weiteren Vorzeigeunternehmer präsentierte Ralf Reichwein im alten Gewürzamt, wo Ingo Holland für ein Gespräch zur Verfügung stand. „Ich bin stolz auf Ingo Holland, weil er den Namen Klingenberg in die Welt hinausträgt“, sagte Reichwein. Holland ließ die Geschichte seines Unternehmens Revue passieren und freute sich auf den Neubau, der „hoffentlich bald fertig ist.“ Mit der Bereitstellung von Räumen für eine Kochschule will der einstige Spitzenkoch seine Geschäfte auf ein weiteres Standbein stellen. Verbunden damit sei auch eine Personalaufstockung, sagte Holland. Er wies darauf hin, dass er auch die Kooperation mit heimischen Landwirten sucht. So decke er beispielsweise seinen kompletten Bedarf an Kümmel und Koriander mittlerweile aus der Region. Diese Aussage stieß bei Landrat Jens Marco Scherf auf große Freude, denn auch ihm sei der Konsum von Produkten aus der Region ein großes Anliegen. Scherf listete die Bemühungen des Landkreises auf, Fairtrade-Landkreis zu werden. Anlässlich der „Fairen Woche“ im September wolle man nicht nur dieses Siegel präsentieren, sondern auch ein Siegel „Aus der Region“. „Wir müssen das Bewusstsein der Menschen für faire und regionale Produkte stärken“, forderte Scherf und erntete damit breite Zustimmung.

Auch die Kunst kam nicht zu kurz, als sich Bürgermeister Reichwein und Landrat Scherf bei einer Altstadtbesichtigung zwei Künstlerateliers anschauten. Brigitte Seiler, Vorsitzende des Kunstraums Churfranken, wies auf die zahlreichen Ateliers hin, die mittlerweile über die Altstadt verteilt sind und in denen die Künstler an den Wochenenden arbeiten. Ohne das Engagement der Stadt wäre das allerdings nicht möglich. Denn, so Ralf Reichwein, die Stadt übernehme die Miete der Räume, so dass die Künstler lediglich die Nebenkosten tragen müssen. „Wir fühlen uns hier sehr wohl, weil man uns bestens aufgenommen hat“, so Brigitte Seiler. Der 58 Mitglieder starke Verein sei sehr aktiv, sagte sie und verwies auf mehrere Veranstaltungen, die man organisiert habe. Sehr gut angekommen sei die lange Künstlernacht, freute sie sich. Bunte Stühle, die am Wochenende auf der Straße stehen, zeigten die Anwesenheit der Künstler. Dies führe häufig dazu, dass die Menschen mit den Künstlern ins Gespräch kommen. Im Löw-Haus würden überregionale Künstler ausstellen, ergänzte sie. Seiler wies auch auf die Kooperation der Künstler mit dem Kindergarten hin. Geplant sei zudem, eine Theatergruppe für Aufführungen in der Altstadt zu gewinnen, kündigte Ralf Reichwein an.

Wie man mit Hilfe der Dorferneuerung einen Ortsmittelpunkt neu gestalten kann, zeigte der Bürgermeister seinen Gästen in Röllfeld. Hier wurden die obere und untere Mariengasse neu gestaltet. Durch die Verlegung des Bachs habe man eine große grüne Fläche gewonnen, erklärte Reichwein. Ein Pavillon diene nicht nur als Bushaltestelle, sondern auch als Platz für Standkonzerte. Neben Geldern der Dorferneuerung habe die Stadt selbst rund eine Million Euro investiert, so Reichwein.

Es sei spannend, Klingenberg aus einer anderen Perspektive gezeigt zu bekommen, sagte Landrat Jens Marco Scherf beim Abschluss der Besichtigung in der Winzerstube Wengerter, als er seine Erkenntnisse zusammenfasste. Bürgermeister Reichwein freute sich über wichtige Weichenstellungen im vergangenen Jahr und warf den Blick auf weitere Projekte wie etwa Hochgeschwindigkeitsinternet für Klingenberg und das neue Umfeld für den Friedhof Klingenberg. Die Verbreiterung der Wilhelmstraße sei auf einem guten Weg, auch wenn man zurzeit auf zwei Häuser keinen Zugriff habe. „Aber wir waren noch nie so nah dran wie jetzt“, sagte Reichwein. Die Entscheidung zum neuen Rathaus müsse noch getroffen werden, zu klären seien auch die Erweiterung von Wohngebieten und die Frage, ob man den Firmen neue Flächen anbieten könne. Das Leichenhaus Röllfeld müsse umgebaut und saniert und wahrscheinlich müssten alle drei Friedhöfe umstrukturiert werden.

Landrat Jens Marco Scherf und der Bürgermeister diskutierten anschließend mit den Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat – Georg Klingenbeck (CSU), Steffen Scholz (Freie Wähler Klingenberg und Röllfeld), Rainer Wöber (Freie Wähler Trennfurt), Thorsten Meyerer (SPD) sowie Udo Ackermann (2. Bürgermeister) und Willi Stritzinger (3. Bürgermeister) – über Themen wie Wasserversorgung, Hochwasserschutz, Dorferneuerung, Verkehr und Asyl. 

Prokurist Frank Kronmüller führte die Delegation mit Landrat Jens Marco Scherf, Bürgermeister Ralf Reichwein und Geschäftsführer Steffen Herter (von links) durch die Räume des Trennfurter Kupplungsspezialisten R+W.
Prokurist Frank Kronmüller führte die Delegation mit Landrat Jens Marco Scherf, Bürgermeister Ralf Reichwein und Geschäftsführer Steffen Herter (von links) durch die Räume des Trennfurter Kupplungsspezialisten R+W.

: „Wir fühlen uns hier sehr wohl“, versicherte die Vorsitzende des Kunstraums Churfranken, Brigitte Seiler, Klingenbergs Bürgermeister Ralf Reichwein und Landrat Jens Marco Scherf.
„Wir fühlen uns hier sehr wohl“, versicherte die Vorsitzende des Kunstraums Churfranken, Brigitte Seiler, Klingenbergs Bürgermeister Ralf Reichwein und Landrat Jens Marco Scherf.

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