28.07.2017

Pressemitteilung Landschaften und Arten erhalten

Das europaweite Schutzgebietsnetz Natura 2000 hat zum Ziel, wichtige Lebensräume für Flora und Fauna zu erhalten – auch im Landkreis Miltenberg. Hier gilt es, gefährdete Arten wie die Gelbbauchunke zu erhalten und vor dem Aussterben zu schützen. An einem runden Tisch, moderiert von Landrat Jens Marco Scherf, sind am Mittwoch im Miltenberger Landratsamt die Managementpläne für das „Steinbruchgebiet bei Umpfenbach“ und das „Naturschutzgebiet Aubachtal bei Wildensee“ vorgestellt worden. Verantwortlich ist die höhere Naturschutzbehörde an der Regierung von Unterfranken, umso wichtiger der Dialog vor Ort.

Vor rund 30 Vertretern aus Kommunen, Forst, Landwirtschaft, Jagd und Naturschutz stellte Isabel Stöcker von der höheren Naturschutzbehörde die Gebiete vor. Im 66,5 Hektar großen Naturschutzgebiet Aubachtal, das sich auf dem Gebiet der Gemeinden Eschau, Mönchberg und Collenberg befindet, haben die Fachleute naturnahe Fließgewässer und magere Flachland-Mähwiesen als Flora-Fauna-Habitat-Schutzgüter aufgenommen, als Arten gemäß den Richtlinien wurden Bachneunauge und Mühlkoppe identifiziert. Um den Bach zu erhalten, sollten sämtliche Eingriffe, Störungen und Einleitungen vermieden und bachgleitende Gehölze erhalten werden. Der Längs- und Querverbau sollte reduziert werden, Pufferstreifen entlang des Bachs sollten geschaffen werden. Auch sei zu beobachten, wie sich Neophyten wie etwa das drüsige Springkraut ausbreiten; eventuelle Vorkommen seien zurück zu drängen.

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Das Aubachtal bei Wildensee, größtenteils als Naturschutzgebiet ausgewiesen, muss als wertvoller und schützenswerter Lebensraum erhalten werden.
Foto: Siegmar Hartlaub
 

In den mageren Flachland-Mähwiesen wurde eine erste Mahd in der ersten Junihälfte empfohlen, der zweite Schnitt je nach Aufwuchs der Vegetation. Üblicherweise, so heißt es im Managementplan, seien „phänologische Nutzungstermine geeigneter als starre kalendarische Terminvorgaben, um den spezifischen Witterungsverhältnissen und der davon abhängigen Wuchsleistung der Flächen optimal Rechnung zu tragen.“ Auf Düngung und Pflanzenschutz sollte verzichtet werden, die Mahd sollte streifenförmig erfolgen, um Tieren die Flucht zu ermöglichen, heißt es im Plan. Der richtige Mahdzeitpunkt sei wichtig, verdeutlichte auch Ralph Keller (Bayerischer Jagdschutzverein), der spätere Termine vorzog, da dann in der Wiese lebende Jungtiere bereits Fluchtinstinkte hätten. Als Alternative zur Nutzung von Flächen komme auch eine Beweidung in Frage, heißt es im Plan weiterhin. Dies sei im Aubachtal aber ausgeschlossen, da es sich zu 90 Prozent um ein Naturschutzgebiet handelt, ergänzte Ulrich Müller von der unteren Naturschutzbehörde des Landkreises.

Im 47 Hektar großen Steinbruchgebiet bei Umpfenbach trugen die Fachleute den Lebensraum „Magere Flachland-Mähwiesen“ in ihren Standardbogen ein, für den die gleichen Managementmaßnahmen gelten wie für den gleichen Lebensraumtyp im Aubachtal. Die in Umpfenbach in einer bedeutenden Population auftretende Gelbbauchunke verfüge über zwei sogenannte Reproduktionszentren in mittlerem beziehungsweise schlechtem Zustand. Stöcker zufolge sei es notwendig, für die Unken neue Laichgewässer anzulegen, die bestehenden Laich- und Aufenthaltsgewässer zu pflegen, die Gewässer- und Ufervegetation aufzulichten sowie Trittsteinbiotope zwischen den beiden Reproduktionszentren anzulegen. Den vorgefundenen Kammmolch solle man ebenfalls in den Standardbogen aufnehmen, regte Steffen Scharrer (Bund Naturschutz) an. Das sei aus rein formalen Gründen schwierig, antwortete Matthias Berg (Höhere Naturschutzbehörde), denn das Nachmelden später festgestellter Arten sei nach Vorgaben der Bayerischen Staatsregierung nicht möglich. Dennoch werde man in der Umsetzung auch Schutzmaßnahmen für den Kammmolch, den „kleinen Odenwald-Drachen“, vornehmen, versicherte Landrat Jens Marco Scherf. Da die Population Scharrer zufolge die einzige im bayerischen Odenwald sei, sei dies im Sinne des Artenschutzes absolut sinnvoll.

Um die Maßnahmen umzusetzen, gibt es Isabel Stöcker zufolge mehrere Möglichkeiten: etwa über das Vertragsnaturschutzprogramm, das Landschaftspflegeprogramm, die Förderprogramme der Landwirtschafts- und Forstbehörden, Ankauf oder Anpachtung, Ausgleichs- oder Ersatzmaßnahmen. Für Fragen der Umsetzung ist die untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Miltenberg zuständig.

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Damit sich die Population der Gelbbauchunke im Steinbruchgelände in Umpfenbach entfalten kann, sieht der Natura-2000-Managementplan die Anlage neuer Laichgewässer vor.
Foto: Steffen Scharrer
  

Umsetzung der Natura-2000-Managementpläne:
Das europaweite Schutzgebietsnetz Natura 2000 soll dazu beitragen, gefährdete oder typische Lebensräume und Arten zu erhalten. In Bayern gibt es 745 Natura-2000-Gebiete (11,4 Prozent der Landesfläche), in Unterfranken 117 (17,6 Prozent). In Managementplänen wird festgelegt, wie schützenswerte Lebensräume und Arten erhalten werden können. Grundlage hierfür ist eine Erfassung und Bewertung der Lebensräume und Arten durch Fachbüros. An runden Tischen werden die Planentwürfe Flächeneigentümern, Flächennutzern, Kommunen, Behörden, Verbänden und sonstigen Interessenten vorgestellt und diskutiert.

Der Managementplan ist für Behörden rechtsverbindlich, für private Grundstückseigentümer und Nutzer stellt er lediglich Empfehlungen dar, wie Landnutzung ökologisch optimal umgesetzt werden kann. Bei der Nutzung ist allein das Verschlechterungsverbot entsprechend der FFH-Richtlinie maßgeblich – das heißt: Der bisherige Zustand muss mindestens erhalten werden. Die Umsetzung von Maßnahmen ist für private Eigentümer und Nutzer freiwillig, mehrere Förderprogramme bieten Unterstützung. Im Landkreis Miltenberg setzt der Landschaftspflegeverband viele Maßnahmen um, Informationen hierzu unter www.lpv-miltenberg.de.


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Matthias Berg von der Höheren Naturschutzbehörde beantwortete im Miltenberger Landratsamt zahlreiche Fragen zu den Natura-2000-Managementplänen. 

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