11.08.2015

Pressemitteilung Landkreis erwartet bis zu 200 Flüchtlinge

Auf Anweisung der Regierung von Unterfranken hat der Landkreis Miltenberg am Montagabend den Notfallplan zur Unterbringung von Asylbewerbern aktiviert. Vier bis sechs Wochen lang soll die Realschulturnhalle in Miltenberg-Nord als Notaufnahmeeinrichtung für bis zu 200 Flüchtlinge dienen.

Während dieser Zeit werden die Flüchtlinge sukzessive in andere Unterkünfte – auch in anderen Bundesländern – vermittelt.

In einer Pressekonferenz erläuterte stellvertretender Landrat Thomas Zöller am Dienstag, welche umfangreichen Vorarbeiten geleistet werden müssen, bis in der kommenden Woche die ersten Flüchtlinge kommen werden. Zöller zufolge hatten bereits am Montagabend die Arbeiten begonnen, um in der Halle zunächst einen Vliesboden zu spannen, über den ein Holzplattenboden verlegt wurde, darüber ein weiterer Schutzbelag. Insgesamt, ergänzte Kreisbrandrat Meinrad Lebold, seien 15 Tonnen Spanplatte verlegt worden. Diese Platten seien vorab gekauft und eingelagert worden, erklärte er, auch das Vlies sei in der Nähe gelagert worden. Zum Thema Sicherheit sagte er, dass die Halle baurechtlich für 200 Flüchtlinge genehmigt sei.

Zwei Drittel der Halle werden Zöller zufolge als Unterkunft dienen, im vorderen Bereich werde das Essen ausgegeben. Die Wohnbereiche, die mit Sichtschutzwänden unterteilt werden, würden im Laufe dieser Woche noch mit Schränken, Stühlen und Betten versehen, kündigte Zöller an. Die Mitarbeiter des Landratsamts seien am Montagabend zwischen 18 und 23 Uhr von insgesamt 170 Helfern der Feuerwehren, des Technischen Hilfswerks, des BRK-Kreisverbands sowie weiteren Ehrenamtlichen unterstützt worden, berichtete Zöller und dankte ihnen auch im Namen von Landrat Jens Marco Scherf für diesen eindrucksvollen Einsatz. Das Engagement von ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern werde auch weiterhin gebraucht, stellte Zöller fest und verwies auf den Ansprechpartner der Caritas, Wolfgang Härtel, der diesen Einsatz koordinieren werde (Telefon: 09371/978945, E-Mail: w-haertel@caritas-mil.de).

Die Flüchtlinge würden in den ersten Tagen durch das BRK versorgt, blickte Zöller voraus, anschließend werde eine Cateringfirma die Mahlzeiten liefern. Laut Gerald Rosel, Leiter der Abteilung Öffentliche Sicherheit und Ordnung am Landratsamt, werde man dabei auf die Essgewohnheiten der Flüchtlinge achten. Er stellte auch klar, dass sich die Flüchtlinge nach Registrierung und Gesundheitscheck frei bewegen dürften. In die Halle hineingehen dürften nur Personen, die vom Landratsamt mit einem Sicherheitsausweis ausgestattet werden. Das werde von einem Sicherheitsdienst kontrolliert, erklärte Thomas Zöller. Er wies darauf hin, dass man genauestens auf die Referenzen dieses Dienstes geschaut habe, bevor man ihn verpflichtet habe.

Um mit den Flüchtlingen kommunizieren zu können, habe man auch Dolmetscher in Bereitschaft. Für Familien mit Kindern würden zwei Wickelräume bereitgestellt. Babybetten seien vorhanden und das BRK werde Hygieneartikel vorrätig halten. Zudem solle ein Spielraum eingerichtet werden. Die Erwachsenen bräuchten zunächst viel Ruhe, um sich von den Strapazen der Flucht zu erholen, so Susanne Seidel, die Büroleiterin des Landrats. Bislang sei es so gewesen, dass die Flüchtlinge meistens binnen 14 Tagen weitergeleitet würden, wusste sie. Seidel stellte auch fest, dass sich der Freistaat Bayern vorbildlich verhalte, indem er den Großteil der dem Landkreis entstehenden Kosten übernehme.

Dass die Aufnahme von Flüchtlingen das Landratsamt und seine Mitarbeiter stark fordert, stellte Sozialamtsleiter Manfred Vill fest. Das Personal des Landratsamts sei an den Grenzen der Leistungsfähigkeit angekommen, meinte er. „Wir werden zusätzlichen Bedarf haben“, sagte er und sprach vor allem das Sozialamt, das Ausländeramt und in erster Linie das Jugendamt an, das sich um die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge kümmere. „Wir sind in einer unverschuldeten Situation, in der wir das Personal aufstocken müssen“, steht für Landratsstellvertreter Thomas Zöller fest. Mehrere Mitarbeiter des Landratsamts hätten sogar ihren Urlaub eingeschränkt, um zu helfen, wies Manfred Vill auf die hohe Einsatzbereitschaft des Personals hin.

Zur aktuellen Situation der Flüchtlinge im Landkreis Miltenberg führte Thomas Zöller weiter aus, dass von den verfügbaren 750 Plätzen derzeit rund 700 belegt seien. Der Landkreis trage aktuell für 49 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge die Verantwortung, zu denen im Laufe des Jahres weitere 80 dazu stoßen würden. Damit werde die im Raum stehende Zahl von 99 noch einmal übertroffen, so der stellvertretende Landrat.

Der Landkreis sei ständig dabei, neue Unterkünfte zu akquirieren, ergänzte Sozialamtsleiter Manfred Vill. Statt bislang 21 Asylsuchenden pro Woche seien aktuell 27 unterzubringen, sagte er. Diese Suche nach Unterkünften ziehe laut Kreisbrandrat Meinrad Lebold zudem weiteren Aufwand hinter sich, denn alle angebotenen Wohnungen müssten begangen werden. Dabei müsse geklärt werden, ob sie baurechtlich und sicherheitstechnisch den Anforderungen entsprechen, führte er aus.

Video von den ehrenamtlichen Helfern:
http://youtu.be/7voUoOgkMDw  

Fotos:

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170 ehrenamtliche Helfer waren am Montagabend in der Realschulturnhalle im Einsatz, um die Halle für die Unterbringung von 200 Flüchtlingen vorzubereiten.

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Viel Aufwand erfordert die Koordination aller beteiligten Stellen – hier mit stellvertretendem Landrat Thomas Zöller und weiteren Akteuren von Landratsamt und Caritas am Montagabend in der Realschulturnhalle.

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