12.11.2015

Pressemitteilung Informationen pur beim Palliativ-Hospiz-Tag

Zehn Jahre gibt es den Palliativ-Hospiz-Tag bereits und in diesen Jahren hat seine Attraktivität stetig zugenommen. Auch am Mittwoch stießen die Vorträge und Informationsstände im Bürgerzentrum Elsenfeld auf reges Interesse der zahlreichen Gäste.

Landrat Jens Marco Scherf bezeichnete es als „menschlich wichtige und richtige Aufgabe“, sich mit dem Sterben zu beschäftigen sowie Schwerstkranke, Sterbende und ihre Angehörigen nicht alleine zu lassen. Großen Respekt brachte er den Akteuren des Palliativ- und Hospizwesens entgegen, die in der Region hervorragende Pionier- und Aufbauarbeit geleistet hätten. Beim Blick zurück erkannte der Landrat die Aufnahme der Hospizarbeit vor 20 Jahren durch den Ökumenischen Hospizverein als ersten Meilenstein und erinnerte an den Idealismus der damaligen Mitstreiter um Pfarrer Hans Burkhardt und Diakon Hans-Georg Riebel. Die Gründung des eigenständigen ökumenischen Hospizvereins am 19. November 2005 sei der zweite Meilenstein gewesen, die Einrichtung eines Palliativ-Hospiz-Arbeitskreises auf Landkreisebene noch im selben Jahr der dritte Meilenstein. Der zehnte Palliativtag komplettiere den Jubiläumsreigen, sagte Scherf. Anfangs noch in Miltenberg verortet, werde der Tag seit 2011 im Bürgerzentrum Elsenfeld organisiert. Die Veranstaltung erfreue sich großen Interesses – nicht nur im Landkreis, sondern auch in den benachbarten Bundesländern. Scherf dankte allen in der Palliativ- und Hospizversorgung Tätigen für ihren Einsatz, allen Unterstützern des Palliativ-Hospiz-Tags, dem Organisationsteam des Gesundheitsamts, den finanziellen Unterstützern des Bayerischen Staatsministeriums für Gesundheit und Pflege sowie der Bayerischen Stiftung Hospiz und nicht zuletzt den Turnerfrauen des Sportvereins Eichelsbach für die Bewirtung.

Elsenfelds Bürgermeister Matthias Luxem erinnerte in seinem Grußwort an die wenige Tage zurückliegende Bundestagsdebatte, die die Bandbreite der gesellschaftlichen Meinungen zur Sterbehilfe gezeigt habe. Er lobte das vielseitige ehrenamtliche Engagement, das bei der Begleitung von Sterbenden und deren Angehörigen geleistet wird.

Wolfgang Zöller, ehemaliger Patientenbeauftragter der Bundesregierung, ging unter dem Motto „Pflege human gestalten“ auf den neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff ein, der zusammen mit einem neuen Begutachtungsverfahren alle wesentlichen Aspekte der Pflegebedürftigkeit berücksichtigen soll. Als Maßstab für die fünf Pflegegrade gelte künftig der Verlust an Selbstständigkeit. Er ging auf die neue Begutachtung ein, die sechs verschiedene Bereiche bewertet: Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, Bewältigung von selbstständigem Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen sowie die Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte. Für Zöller bringt dieses neue Verfahren zahlreiche Vorteile, da es alle wesentlichen Aspekte der Pflegebedürftigkeit berücksichtigt. Die Umsetzung des damit einher gehenden neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs eröffne die Chance auf einen Paradigmenwechsel in der Pflegeversicherung mit der Gleichbehandlung Betroffener, ganzheitlicher Sicht, mehr Selbstbestimmung und Teilhabe sowie einer höheren Bedarfsgerechtigkeit.

Patricia Appel, Fachärztin für Psychotherapie und Psychosomatik und tätig an der Universität Würzburg, befasste sich mit der psychischen Widerstandsfähigkeit in der Palliativpflege. Sie gab Ratschläge, wie Pflegende besser auf sich achten und ihre Widerstandsfähigkeit fördern können. Sie nannte beispielsweise den Erhalt der körperlichen Leistungsfähigkeit mit gesunder Ernährung und genügend Schlaf. Auch müsse man lernen, richtig mit Gefühlen umzugehen. Wichtig sei es, mit realistischem Optimismus, Akzeptanz, Selbstwirksamkeitsüberzeugung und Lösungsorientierung die psychische Widerstandsfähigkeit zu fördern. Die Vernetzung mit anderen in der Palliativpflege Tätigen und das Teilen des Leids sei wichtig, aber auch das Nachdenken darüber, was einem wirklich wichtig ist.

Nach einem musikalischen Exkurs mit Christian Schmitt und Eva Reis sprach Dr. Rainer Schäfer (Juliusspital Würzburg) über „Möglichkeiten der Schmerztherapie – selbstbestimmtes Leben trotz Schmerztherapie und Sedierung“. Er ging auf die vier sich ergänzenden Strategien der Schmerztherapie in der Palliativmedizin ein und erläuterte diese. Allerdings garantiere die palliativmedizinische Therapie keine völlige Schmerzfreiheit, sagte er. Dennoch könne sie in rund 95 Prozent der Fälle zu einer akzeptablen Lebenssituation führen – auch bei weit fortgeschrittenem Leiden.

Rege besucht waren neben den Vorträgen auch die zahlreichen Stände der Informationsbörse, die in mehrere Themenfelder gegliedert waren. So ging es um medikamentöse und medizinische Hilfsmittel, soziale, finanzielle und rechtliche Hilfen, Abschiedskultur, die ambulante Palliativ-Hospiz-Versorgung, stationäre Einrichtungen und Fort- und Weiterbildung. Informationen zur Gesundheitsregionplus Miltenberg ergänzten den Reigen der Stände. 

Landrat Jens Marco Scherf würdigte beim zehnten Palliativ- und Hospiztag das Engagement der ehrenrenamtlich tätigen.
Landrat Jens Marco Scherf würdigte beim zehnten Palliativ- und Hospiztag das ehrenamtliche Engagement der ehrenamtlich Tätigen.

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