07.12.2015

Pressemitteilung Strategien für das Ehrenamt erarbeitet

Rund 70 ehrenamtlich Tätige haben am Samstag bei einer Fachtagung im Landratsamt gemeinsam mit Vertretern aus Politik und Wirtschaft Handlungsstrategien für die ehrenamtliche Arbeit und das bürgerschaftliche Engagement erarbeitet.

Wie wichtig das Ehrenamt und das bürgerliche Engagement sind, betonte Landrat Jens Marco Scherf, der die Förderung, Beratung und Unterstützung durch das Landratsamt ansprach – beispielsweise durch die Fachstelle Bürgerschaftliches Engagement unter Leitung von Helmut Platz, der die Tagung organisiert habe. Um Bedarfe zu erkennen und Handlungsstrategien erarbeiten zu können, brauche man den Austausch. Scherf hoffte, dass die hierbei erarbeiteten Handlungsempfehlungen auf fruchtbaren Boden fallen mögen.
Der Landtagsabgeordnete Hans Jürgen Fahn, Mitglied des Runden Tischs Ehrenamt im Landtag), stellte klar, dass das Ehrenamt kein Lückenfüller und kein Ersatz für staatliche Aufgaben sein dürfe, zudem dürfe das Engagement keine sozialversicherungspflichten Arbeitsplätze verdrängen. Volkswirtschaftlicher Sicht sei bemerkenswert, dass der Einsatz von einem Euro im Ehrenamt einen Nutzen von 7,24 Euro erbringe. Er listete Ehrenamtsstrukturen in Bayern auf und freute sich auf die Einführung der Ehrenamtskarte im nächsten Jahr. Die Fachtagung sei der richtige Weg, das Ehrenamt zu stärken.

Den Auftakt der Tagung bildete ein Trialog. Moderiert von Freiwilligenmanager Joachim Schmitt, traten die Referenten Heinz Janning (Bremen/Fortbildner, Berater und Autor rund um das Thema Freiwilligenmanagement) und Doris Heineck (Freiwilligenagentur Marburg-Biedenkopf) in den Austausch mit dem Publikum. Nach Schmitts Einführung in das Thema und einigen Ausführungen der Referenten zu ihrer Tätigkeit stand zunächst der Wandel im Vordergrund, dem Vereine, Organisationen und Institutionen unterliegen. Hier wurde unter anderem die Schwierigkeit angeführt, Vorstände zu besetzen. Dass es hierfür keinen Königsweg gibt, gab Doris Heineck zu. Allerdings berichtete sie von guten Erfahrungen, Vorstandsteams zu bilden und „kleine Päckchen zu packen“. Das allerdings erfordere auch Mut, sagte sie. Heinz Janning erklärte, dass es auch gute Erfahrungen gebe, wenn man für einzelne fachbezogene Problemstellungen vorübergehend Fachleute zuziehe. Doris Heineck empfahl, Interessenten projektbezogen zu binden – bei Projektchören etwa funktioniere das sehr gut. Aus diesen Leuten könnten später einmal auch Mitglieder werden, das Verantwortung übernehmen.

Große Klage wurde von mehreren Gästen über die Vielzahl der vereins- und steuerrechtlichen Fragen sowie die überbordende Bürokratie geführt. Heinz Janning berichtete vom Zusammenschluss mehrerer Vereine, die gemeinsam einen Steuerfachmann für wenig Geld engagiert hätten. Als ganz wichtig erachteten die beiden Referenten die korrekte Ansprache von Interessenten. Vom Vorstand müsse eine positive Einstellung ausgehen, sagten beide übereinstimmend. Der BLSV-Kreisvorsitzende Adolf Zerr hob hervor, dass sein Verband allen Vereinen bei finanziellen und rechtlichen Fragen Ansprechpartner benennen könne.

Wie sollte man Anerkennungskultur leben? Auch bei dieser Frage stellte sich heraus, dass es den Idealweg nicht gibt. Manche brauchen die öffentliche Ehrung, anderen reicht ein Dankeschön des Vorstands immer dann, wenn man etwas geleistet hat. Doris Heineck dazu: „Die alltägliche Wertschätzung ist für Ehrenamtliche wichtiger als Ehrungen.“ Wichtig sei für Ehrenamtliche, dass ihnen ihre Arbeit Spaß macht, dass sie auf Augenhöhe wahrgenommen werden, mitreden können und dass die Kommunikation stimmt. „Dort, wo es in Kommunen Ansprechpartner für Fragen rund um das bürgerschaftliche Engagement gib, entwickelt sich eine gute Alltagskultur“, steht für sie fest. Wie so etwas funktionieren kann, erläuterte Obernburgs Bürgermeister Dietmar Fieger. In seiner Stadt gibt es die sogenannten Aktivbürger, die sich um die Verschönerung der Stadt kümmern. Diese hätten einen Ansprechpartner im Rathaus und im Bauhof und alles laufe wunderbar. Mömlingens Bürgermeister Siegfried Scholtka stellte sein Rezept im Umgang mit Ehrenamtlichen vor: „Ich versuche, die Menschen authentisch anzunehmen mit all ihren Facetten.“ Achim Albert rief dazu auf, die neuen Medien – etwa Messengerdienste auf dem Handy – als Chance wahrzunehmen, junge Leute zu erreichen.

In drei Arbeitsgruppen wurden konkrete Handlungsempfehlungen erarbeitet. „Runde Tische“ und Expertenrunden könnten den fachlichen Austausch und die Vernetzung verstärken. Ein Expertenpool könne bei Bedarf angefragt werden. Ebenfalls angeregt wurde die Erstellung eines Konzeptes zur Förderung „Neuer Formen bürgerschaftlichen Engagements„. Alle Ergebnisse der Fachtagung werden in das Netzwerk Ehrenamt eingebracht und dort weiter konkretisiert.

In einer kurzen Abschlussrunde des Trialogs hob vor allem Heinz Janning hervor, dass die äußeren Bedingungen für bürgerschaftliches Engagement nicht alleine in den Focus gestellt werden sollten.
Strukturen innerhalb der Vereine und Verbände seien genauso wichtig – „die innere Einstellung“ bestimme in sehr starkem Maße den Erfolg ehrenamtlicher Arbeit.  

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