13.03.2015

Pressemitteilung Elektromobilität im Fokus

Mit einer Fläche von rund 20.000 Quadratkilometern in der Region Bayerischer Wald ist das Projekt E-Wald das größte Demonstrationsprojekt für Elektromobilität in Deutschland. Wie das Projekt funktioniert und ob es auf den Landkreis Miltenberg übertragbar ist, ist in der Sitzung des Ausschusses für Bau und Verkehr am Dienstag diskutiert worden.

Franz Josef Gotzler stellte das Projekt vor, das mit Hilfe neu entwickelter intelligenter und integrierter Ladeinfrastruktur sowie innovativen Steuerungs- und Kommunikationskonzepten den Nachweis liefern soll, dass Elektromobilität im ländlichen Raum funktioniert. Unter Projektleitung und Koordinierung der Hochschule Deggendorf haben sich öffentliche und private Partner in einer GmbH als Träger versammelt – darunter 93 Kommunen, acht große Firmen sowie die Deutsche Bahn als größter Gesellschafter. Das notwendige Geld – insgesamt 30 Millionen Euro – stammt vom Freistaat Bayern (18 Millionen Euro) sowie von den beteiligten Partnern.

Beim Gesamtprojekt handelt es sich um ein Verbundforschungsprojekt: Unter Leitung und Koordinierung der Hochschule Deggendorf sollen durch gemeinsames Wirken von Wissenschaft und privater Wirtschaft sowie beteiligten Kommunen und Landkreisen mehrere Ziele erreicht werden. Das sind Franz Josef Gotzler zufolge unter anderem die Unterstützung des öffentlichen Personennahverkehrs, die Steigerung des Anteils von Bahnreisenden und die Reduzierung des Kohlendioxidausstoßes, den Einsatz regionaler Ökoenergie, die Stärkung des Tourismus.

Diese Ziele will man mit der Bereitstellung von Elektrofahrzeugen erreichen. Die bis Ende 2016 geplante Flotte von 150 Fahrzeugen aller Hersteller habe man schon 2013 aufgebaut, blickte Gotzler zurück, zurzeit seien es schon über 200. Diese Autos werden an Interessenten aus Reihen der Bürger, der Wirtschaft und der öffentlichen Verwaltung vermietet. „Unsere Vermietungsquote liegt zwischen 95 und 98 Prozent“, erklärte Gotzler. Die Vermietung fußt auf mehreren Mietmodellen – entweder als Kurz- oder Langzeitmiete. Das normale Carsharing – mehrere Nutzer teilen sich ein Fahrzeug – ist einfach: Der Kunde meldet sich einmalig an und bucht sein gewünschtes Auto für den gewünschten Zeitraum. Ein weiteres Modell ist das Bürgerauto: Dabei zahlt die Kommune den Basisbeitrag für ein Auto und vermietet es in Zeiten, in denen sie es nicht benötigt, an Bürger. Die Hälfte dieser Miete bekommt die Kommune. „Das rechnet sich für Bürger und Kommune“, zeigte Gotzler mit einer Beispielrechnung. Auch Hotels zählen zu den Kunden, die somit ihren Gästen Autos zur Verfügung stellen können. Mehrere Firmen nutzen das Modell für ihre Mitarbeiter, so Gotzler weiter. Mittlerweile könnten E-Auto-Kunden in der Region 150 Ladestandorte nutzen; jedes Auto sei an jeder Station aufladbar.

Wichtig sei, bei einem solchen Projekt möglichst viele Partner zu gewinnen, sagte der Fachmann. Die Aufgabe der E-Wald-GmbH sei die komplette Verwaltung mit Bereitstellung der Autos, dem Betrieb der Carsharing-Plattform, die Bereitstellung der Ladetechnik – kurz gesagt die Bereitstellung der kompletten Infrastruktur. Kommunen und Landkreise seien beispielsweise mit der Bereitstellung der Ladetechnik im Boot, Energieversorger mit finanzieller und praktischer Unterstützung – etwa mit der Verlegung von Leitungen und der Errichtung eigener Ladestationen.

Gotzler nahm zudem zu einigen Fragen aus der Praxis Stellung. So sei die Hochschule bei der Entwicklung eines Programms (App), die die Reichweite der Autos, je nach gewünschter Strecke, realistisch berechnet. Diese App gebe auch Tipps, wie der Kunde am besten von A nach B kommt – möglicherweise sogar per Bahn und E-Auto, wenn dies sinnvoller erscheint. „Die Verknüpfung mit der IT ist ein Riesenthema“, so Gotzler. Die Verschmutzung der Autos sei „außerordentlich gering“, sagte er und berichtete von einem Nutzerspektrum, das mit jungen Leuten beginne und mit 92 Jahren ende.

Im Anschluss leitete Kreisbaumeister Andreas Wosnik über zur Vorstellung des Mobilitätskonzepts der Spessartallianzen „Südspessart“ und „Spessartkraft“, das auf eine Bezuschussung mit Mitteln aus dem Europäischen Fonds für Regionale Entwicklung (EFRE) und Landesmitteln hofft. Ziel ist es, die Gemeinden mit E-Mobilität auszustatten, das Car-Sharing und Fahrgemeinschaften zu fördern und die Ortsmitten aufzuwerten. Aber auch touristisch soll Einiges angestoßen werden: Der Wald mit dem Hochspessart soll durch E-Bikes behutsam erschlossen werden, die Tourismusdestinationen Räuberland und Churfranken sollen verknüpft werden, die Aufenthaltsdauer in der Region soll verlängert werden, zudem soll ein Netz von Ladestationen aufgebaut werden. Doch auch die Bürger sollen profitieren: Raumnahe Arbeitsplätze sollen entstehen – etwa durch Nutzung heimischer Baustoffe und der Absatzförderung regionaler land- und forstwirtschaftlicher Produkte –, vor allem aber sollen die Ortszentren wiederbelebt werden.

Architekt Bernd Müller stellte die Pläne vor, wie man das Radwegenetz im Spessart durch Nutzung von Waldwegen erweitern könnte und an zahlreichen Knotenpunkte nicht nur Ladestationen errichten, sondern auch die Verknüpfung mit dem ÖPNV herstellen könnte. Diese sogenannten Mobilotheken könne man regionstypisch in attraktiver Holzbauweise erstellen, schlug Müller vor und zeigte an einer Karte, wie es gelingen könne, über den gesamten Spessart ein Netz mit E-Infrastruktur zu spannen.

Andreas Wosnik ergänzte, dass man das Konzept erarbeitet habe, um eine Idee zu entwickeln, wie man zumindest den halben Landkreis abdecken könne – unabhängig von der Förderung durch die EU. „Wir sehen das als Anstoß, dies im Kreis zu diskutieren“, so Wosnik weiter, der auch eine mögliche Kooperation mit E-Wald ansprach. Die förderungswürdigen Konzepte würden voraussichtlich nach den Osterferien im April 2015 ausgewählt.
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