30.04.2015

Pressemitteilung Einstieg in die Jugendsozialarbeit an der Berufsschule beabsichtigt

Übergangsklassen, eine BAF-Klasse und Jugendsozialarbeit an der Berufsschule – viel Neues kann der Jugendhilfeausschuss präsentieren. Dass unbegleitete minderjährige Flüchtlinge Chance und Herausforderung für die Jugendhilfe darstellen, haben Landrat Jens Marco Scherf und Jugendamtsleiter Peter Winkler im Jugendhilfeausschuss am Dienstag dargelegt. Scherf zufolge habe der Landkreis zurzeit 19 dieser Flüchtlinge aufgenommen, von denen einer in einer Pflegefamilie untergebracht sei. 18 Plätze werden von der Berufsbildungsstätte Himmelthal bereitgestellt. Von Mai an könne der Landkreis durch die Evangelische Kinder- und Jugendhilfe in Miltenberg neun weitere Plätze zur Verfügung stellen.

Angesichts von laut Verteilungsschlüssel 50 weiter aufzunehmenden minderjährigen unbegleiteten Flüchtlingen seien zahlreiche Aktivitäten notwendig, um neue Aufnahmemöglichkeiten zu schaffen, sagte der Landrat. Der Landkreis sorge für Aufnahme und Unterbringung, helfe bei der Bewältigung traumatischer Erlebnisse und leiste seinen Beitrag, den jungen Menschen Perspektiven zu bieten. Scherf kündigte an, dass es ab dem kommenden Schuljahr eine sogenannte BAF-Klasse (Berufsausbildung für Asylbewerber und Flüchtlinge) in der Berufsschule geben werde. Dies solle dazu beitragen, die Schulpflicht zu erfüllen und eine berufliche Ausbildung zu ermöglichen. Industrie, Handwerk, Arbeitsagentur, Wohlfahrtsverbände, Schule und Landratsamt hätten darüber hinaus eine Ausbildungsinitiative gestartet, um geeignete junge Flüchtlinge in eine duale Ausbildung zu bringen. „Die deutsche Sprache ist Grundlage für die jungen Leute, damit sie eine Ausbildung beginnen können“, steht für Landrat Scherf fest.

Laut Jugendamtsleiter Peter Winkler habe man aus eigenen Reihen zwei erfahrene Mitarbeiter für den Allgemeinen Sozialen Dienst – speziell für Flüchtlinge – mit jeweils zehn Wochenstunden gewinnen können. Diese seien für die Hilfeplanung zuständig, hielten Kontakt mit den Einrichtungen und den Bezugspersonen, mit den Ausbildungsbetrieben und stellten die Schnittstelle zur wirtschaftlichen Jugendhilfe dar. Im Bereich der Vormundschaften und der wirtschaftlichen Jugendhilfe seien je eine halbe Vollzeitstelle für die Asylbetreuung neu eingerichtet worden. Geprüft werde, ob die Übernahme von Vormundschaften an die freie Wohlfahrtspflege übertragen werden könne. Winkler stellte klar, dass die Verantwortung für diese Personengruppe nicht mit der Volljährigkeit ende, sondern bei Bedarf auch bis zur Vollendung des 21. Lebensjahres Jugendhilfe zu gewähren sei.

Teilweise in Zusammenhang mit den minderjährigen Flüchtlingen steht auch die Bedarfsanerkennung für Jugendsozialarbeit an der Berufsschule Miltenberg-Obernburg. Die Berufsschule begründet den Bedarf mit der Einrichtung einer berufsvorbereitenden Klasse für junge Asylbewerber und Flüchtlingen, die aufgrund ihrer Lebenssituation am Arbeitsmarkt benachteiligt sind, aber auch Schwierigkeiten im sozial-emotionalen Bereich haben. Als weiteren Grund für die Jugendsozialarbeit führt die Schule an, dass zunehmend Schüler mit erheblichen erzieherischen und psychosozialen Defiziten die Schule besuchen. Der Ausschuss bestätigte den Bedarf, sprach sich für eine neue halbe Vollzeitstelle aus und legte fest, dass das Personal arbeitsrechtlich und fachlich vom Landkreis betreut wird. Ob die Stelle eingerichtet wird, müssen Kreisausschuss und Kreistag entscheiden, da sie finanzielle Auswirkungen hat: Bei Start am 1. September 2015 kämen auf den Landkreis im Jahr 2015 Kosten von rund 6000 Euro zu, für jedes weitere Jahr 18.000 Euro. Die Anstrengungen des Landkreises in Sachen Jugendsozialarbeit seien mittlerweile auch überregional auf große Anerkennung gestoßen, wusste Landrat Scherf. An der Berufsschule Aschaffenburg gebe es diese Sozialarbeit schon, ergänzte Thomas Reising von der Agentur für Arbeit. Die Jugendsozialarbeiterin übernehme eine ganz wichtige Lotsenfunktion, stellte er fest.

Einstimmig sprach sich der Ausschuss dafür aus, das Projekt Sozialpaten/Schulbegleiter in den Jahren 2016 und 2017 mit Beträgen von jeweils 10.000 Euro pro Jahr fortzuführen. Dieses Projekt bietet der Caritasverband im Auftrag des Jobcenters im Zuge der Grundsicherung für Arbeitssuchende erfolgreich an. Das Projekt wurde auf Jugendliche im Übergang von Schule zu Beruf erweitert und hilft diesen, sich beruflich zu orientieren. Diese ehrenamtlichen Paten arbeiten eng mit den Jugendsozialarbeitern an den Schulen zusammen. Der Jugendhilfeausschuss hatte vor einiger Zeit beschlossen, dass das Projekt auch auf Jugendliche außerhalb von Hartz-IV-Bedarfsgemeinschaften erweitert werden sollte, da auch diese Personen mitunter ähnliche Probleme haben. Diese Kosten finanziert der Landkreis mit 10.000 Euro pro Jahr mit, da das Jobcenter diese Personengruppe nicht unterstützen darf.
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