23.10.2015

Pressemitteilung Zwischenbilanz der Erstaufnahme von Flüchtlingen im Landkreis Miltenberg

Trotz der großen Herausforderung, die die Erstaufnahme im Landkreis Miltenberg mit sich bringt, ist auch dank des Einsatzes der Haupt- und Ehrenamtlichen ein reibungsloser Betrieb gewährleistet. Auch bleibt es in und rund um die Unterkunft ruhig. Dieses erfreuliche Fazit zieht das Landratsamt, seit am 10. August 2015 auf Anordnung der Regierung von Unterfranken der Notfallplan „Asyl“ zum 17. August aktiviert wurde.

Der Landkreis musste innerhalb einer Woche die kreiseigene Dreifachturnhalle der Johannes-Hartung-Realschule mit Hilfe von 300 Ehrenamtlichen aus Reihen der Freiwilligen Feuerwehren, des Technischen Hilfswerks und des Roten Kreuzes zu einer Unterkunft für 200 Asylsuchende umfunktionieren. Ende August wurde die Kapazität der Halle auf 300 Personen aufgestockt und die Erstaufnahme zu einer dauerhaften Aufgabe erklärt. Nachdem auch diese Erhöhung gemeistert wurde, arbeitet das Landratsamt zurzeit am Umbau einer Gewerbehalle in Kleinheubach, um dort eine Erstaufnahmeeinrichtung für die geforderten 300 Plätze zu gewährleisten. Noch im Herbst soll die Sporthalle der Realschule wieder für den Schul- und Vereinssport freigegeben werden.

Seit 17. August leben in erster Linie Asylsuchende und Flüchtlinge aus Syrien, einige aus Afghanistan, der Ukraine sowie Staatenlose in der Erstaufnahme, darunter viele Frauen und Kinder. Rund 200 Personen wurden mittlerweile inner- und außerhalb des Landkreises weiterverteilt. Über 40 Prozent der Flüchtlinge im Landkreis Miltenberg sind Kinder und Jugendliche.

Von Anfang an wurde darauf geachtet, dass die Flüchtlinge zumindest ein wenig Privatsphäre haben – etwa durch eine kleinteilige Unterbringung und die Aufstellung eines Sichtschutzes zwischen den Abteilen. Auch dies ist sicher ein Grund dafür, dass in der Unterkunft und im Umfeld ein friedliches Miteinander herrscht. Die Bewohnerinnen und Bewohner der Unterkunft gehen höflich miteinander um, ebenso mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Landratsamtes und den zahlreichen ehrenamtlichen Helferinnen und Helfern. Insgesamt ist festzustellen, dass sich die Asylsuchenden und Flüchtlinge vorbildlich verhalten – insbesondere wenn man bedenkt, welche Erlebnisse sie hinter sich haben.

Wo sich so viele Menschen auf so engem Raum über längere Zeit aufhalten, ist der ein oder andere Konflikt aber nicht zu vermeiden – egal um welche Nationalität, Religion oder Ethnie es sich handelt. In der Erstaufnahme kam es seit August zu insgesamt drei Polizeieinsätzen. Anlass waren jeweils Streitigkeiten zwischen Bewohnern, in deren Verlauf zwei Flüchtlinge leicht verletzt wurden. Die Polizeiinspektion Miltenberg leitete deshalb zwei Ermittlungsverfahren wegen Körperverletzung ein. Darüber hinaus gab es sowohl innerhalb, als auch außerhalb der Unterkunft keine Sicherheitsstörungen durch die dortigen Bewohner.

Die Polizeiinspektion Miltenberg und das Landratsamt Miltenberg sind intensiv bemüht, mögliche Konflikte frühzeitig zu erkennen und zu bewältigen. Das wichtigste Hilfsmittel ist das offene Gespräch mit allen Beteiligten. Häufig sind ganz einfache, lebensnahe Missverständnisse ursächlich und können schnell gelöst werden. Hierbei kommt insbesondere den Dolmetschern eine besondere Bedeutung zu.

Die Sicherheit hat bei allem oberste Priorität. Hierzu gehört auch der Gesundheitsschutz. Schon bei der Ankunft werden die Flüchtlinge ärztlich auf Hinweise auf übertragbare Krankheiten untersucht. Laut einer Studie des Robert-Koch-Instituts (Berlin) gehören die Flüchtlinge aber eher zu den gefährdeten als zu den gefährdenden Personen. Das Risiko der Einheimischen, an eingeschleppten Infektionen zu erkranken, ist um ein Vielfaches geringer als das Risiko der Flüchtlinge, an hier üblichen, für sie ungewohnten Krankheiten – etwa der Grippe –, zu erkranken. Bei den hier untergebrachten Flüchtlingen konnten bislang keine gefährlichen Krankheiten festgestellt werden.

Besonders erfreulich ist neben dem ungebrochen großen ehrenamtlichen Engagement das hohe Spendenaufkommen im Bereich der Bekleidung und des Schuhwerks. Besonders im Hinblick auf den nahenden Winter ist dies sehr wichtig, denn die Flüchtlinge kommen zumeist nur mit leichter Sommerbekleidung und dem Nötigsten an.

Neben der Erstaufnahmeeinrichtung leben im Landkreis derzeit 815 Flüchtlinge in 40 dezentralen Unterkünften, dazu 71 unbegleitete minderjährige Flüchtlinge in fünf pädagogisch betreuten Unterkünften, in Pflegefamilien oder in betreuten Wohnformen. Neben Unterkunft, Verpflegung und Bekleidung erhalten die Flüchtlinge Geld zur Deckung persönlicher Bedürfnisse des täglichen Lebens. Für einen alleinstehenden Erwachsenen sind das 143 Euro pro Monat – etwa für Verkehr, Freizeit, Unterhaltung Kultur und für das Halten des Kontakts zur Familie, beispielsweise per Handy.
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