02.12.2015

Pressemitteilung Wissenswertes rund um Flucht, Flüchtlinge und Asyl

Grundlegende Informationen zu den Themen Flucht, Flüchtlinge und Asyl vermittelt die Ausstellung „Asyl ist Menschenrecht“ im Foyer des Landratsamts Miltenberg, die noch bis zum 12. Dezember zu den üblichen Öffnungszeiten zu sehen ist. Organisiert wurde die Ausstellung von Landratsamt und dem DGB-Kreisverband Aschaffenburg – Miltenberg.

Auf vielen Tafeln kommen Flüchtlinge zu Wort, daneben werden Zahlen präsentiert, die zum Teil wenig bekannte Fakten in den Vordergrund rücken. „Ich wollte meine Heimat nicht verlassen und hoffte bis zuletzt, der Krieg würde zu Ende gehen“, sagt beispielweise ein syrischer Flüchtling, andere berichtete von Todesangst bei Tag und Nacht. Dargestellt werden auch die vielfältigen Ursachen der Flucht, der gefährliche Weg nach Europa, aber auch der teilweise unmenschliche Umgang mit den Flüchtlingen in Europa. Konzipiert wurde die Ausstellung von Pro Asyl, unterstützt von zahlreichen Institutionen und Verbänden.

Der Landkreis Miltenberg habe schon im Frühling Flagge gezeigt, als man im Foyer des Landratsamts wenige Tage nach dem schrecklichen Anschlag auf die Satire-Zeitschrift Charlie Hebdo eine Karikaturen-Ausstellung „Fremd sein in Deutschland“ gezeigt habe, so Landrat Jens Marco Scherf bei der Eröffnung der Ausstellung am Montag. Dieser Anspruch gelte auch für die derzeitige Ausstellung. Der Landkreis und seine Kommunen gewährleisteten eine menschenwürdige Aufnahme und Integration von rund 1300 Asylsuchenden, sagte Scherf und wies darauf hin, dass auch durch eine Vielzahl ehrenamtlich engagierter Bürgerinnen und Bürgern das Recht auf Asyl und die Umsetzung der Genfer Flüchtlingskonvention sicher gestellt würden. Während man europaweit auf erfolgreiche Maßnahmen für die Reduzierung der Fluchtursachen und eine europäische Flüchtlingspolitik warte, „packen vor Ort unsere Bürgerinnen und Bürger gemeinsam mit den Hauptamtlichen an.“ Scherf zeigte sich dankbar über die Einstellung der Menschen im Landkreis, die von Pragmatismus und Menschlichkeit geprägt sei. Er sei froh, dass viele Menschen mit dem Herzen denken, griff der Landrat einen Satz von Petra Kelly auf.

Für Rudi Großmann, DGB-Kreisverbandsvorsitzender Aschaffenburg-Miltenberg, gilt es, die Ursachen zu bekämpfen. Auch er lobte die vorbildliche Einstellung der Menschen vor Ort. Das Thema Flüchtlinge polarisiere, aber die Mehrheit der Menschen sei für die Aufnahme der Flüchtlinge, sagte er und kritisierte die Einstellung von Menschen mit rechtem Gedankengut. Für die Gewerkschaft sei die Solidarität ein Grundgedanke, der auch im Umgang mit Flüchtlingen gelte. „Ängste sind legitim, aber sie sind kein guter Ratgeber“, so Großmann. Er wies darauf hin, dass Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg Millionen Flüchtlinge aufgenommen und integriert habe. Das werde man nun auch schaffen, zeigte er sich überzeugt.

Laut DGB-Regionssekretär Björn Wortmann gibt es unterfrankenweit pro 100 Einwohner rechnerisch 1,09 Flüchtlinge, deshalb könne man nicht von Übervölkerung sprechen. Rechtsradikale und Rechtspopulisten schürten Ängste, ebenso Organisationen wie Pegida und die AFD. Es gelte deshalb, die demokratischen Grundpfeiler zu verteidigen, sagte Wortmann und wies auf die hohe Anzahl rechtsmotivierter Straftaten in Deutschland hin. Glaube man der Weltbank, werde künftig der Klimawandel, einhergehend mit der Erderwärmung, die Fluchtursache Nummer 1 sein. Deshalb komme der aktuellen Klimaschutzkonferenz hohe Bedeutung zu. Er bat darum, negativ besetzte Begriffe wie Lawine oder Katastrophe zu vermeiden, denn man spreche von Menschen, die vor Krieg und Terror flüchten. Vielmehr solle man die Begriffe Solidarität, Integration und Bereicherung in den Mund nehmen und leben, forderte der Regionssekretär.

Dass sich in den letzten 25 Jahren in der Flüchtlingsberatung viel geändert hat, wusste Wolfgang Härtel vom Sozialdienst für ausländische Flüchtlinge bei der Caritas. Einst sei Integration und Deutschlernen nicht gefragt gewesen, denn alle Flüchtlinge sollten schnell wieder in ihre Heimat zurück, erinnerte er sich. Diese Sichtweise habe sich glücklicherweise grundlegend geändert. Er rief in Erinnerung, dass es sich bei den Flüchtlingen in erster Linie um Menschen handelt – unabhängig vom Grund ihrer Flucht. Überall seien Helferkreise im Einsatz, die großartige Beiträge leisten, erkannte Härtel, aber auch THW, BRK und Feuerwehr hätten Großartiges geleistet. Man dürfe aber nicht vergessen, dass es auch in der einheimischen Bevölkerung Menschen gibt, die Hilfe nötig hätten. Auch denen müsse man Unterstützung zukommen lassen.

Umrahmt wurde die Vernissage von Musikern der Klangfabrik Miltenberg, einer privaten Musikschule, die Asylbewerbern und sozial Benachteiligten einmal pro Woche die Möglichkeit bietet, am Gruppenunterricht teilzunehmen. Nach dem schwungvollen Auftakt mit „Sultans of Swing“ trugen die Flüchtlingskinder Mohammad, Tarek und Hassem ein syrisches Lied vor, am Ende sang die Iranerin Maryam ein Protestlied gegen die Regierung des Iran. Mit John Lennons Friedenslied „Imagine“ endete die Vernissage, der sich ein Empfang anschloss.

Einblicke in die interessante Ausstellung „Asyl ist Menschenrecht“ nahmen (von links) Rudi Großmann (DGB), Wolfgang Härtel (Caritas), Björn Wortmann (DGB) und Landrat Jens Marco Scherf.
Einblicke in die interessante Ausstellung „Asyl ist Menschenrecht“ nahmen (von links) Rudi Großmann (DGB), Wolfgang Härtel (Caritas), Björn Wortmann (DGB) und Landrat Jens Marco Scherf.

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