22.06.2015

Pressemitteilung Fast 700 Unterkunftsplätze im Landkreis für Flüchtlinge

Das Thema Asyl hat den Kreistag in seiner Sitzung am Donnerstag erneut beschäftigt. Sozialamtsleiter Manfred Vill erklärte, dass das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) damit rechne, dass in diesem Jahr die bisherigen Höchstwerte aus dem Jahr 1992 erreicht würden. Auch der Landkreis Miltenberg sei davon betroffen, sagte Vill.

So gehe das BAMF für 2015 von 400.000 Erst- und 50.000 Folgeanträgen aus. Zwar sei der Zuzug aus den sicheren Herkunftsländern Serbien, Mazedonien und Bosnien-Herzegowina zurückgegangen, gleichzeitig habe aber die Zahl der Asylsuchenden aus Albanien zugenommen. Der wöchentliche Zuzug von Asylbewerbern im Landkreis Miltenberg sei seit Jahresanfang von anfänglich 24 auf zuletzt 14 gesunken, so Vill, dennoch rechne er bis Jahresende mit über 800 Personen. Aktuell gebe es im Landkreis Miltenberg 692 Plätze, davon seien 611 belegt. Knapp über 100 Plätze stünden in Regierungsunterkünften zur Verfügung, der Rest verteile sich auf die Gemeinden. Mit 88 Plätzen liege Miltenberg an der Spitze, gefolgt von Wörth mit 82. Bemerkenswert seien die 74 Plätze in Collenberg, das damit in Bezug auf die Einwohner prozentual die meisten Plätze zur Verfügung stelle. Angesichts der zu erwartenden Flüchtlingszahlen seien weitere Unterkünfte in Planung, sagte Vill.

Personell seien im Sozialamt 4,5 Stellen mit der Asylbearbeitung befasst, dazu kämen 3,5 Stellen in der Asylsozialberatung der Caritas. Der Landkreis fördere die Sachkosten der Caritas in diesem Jahr mit 20.000 Euro. Vill stellte zudem die Leistungen vor, die den Flüchtlingen laut Asylbewerberleistungsgesetz zustehen: für einen Alleinstehenden 326 Euro pro Monat, dazu kommen Unterkunft, Möblierung und Strom. Darüber hinaus gab Vill einen Überblick der ergänzenden Leistungen, die unter anderem die Krankenhilfe und diverse Sonderbedarfe umfassen. Die Kinder von Asylbewerbern seien in Deutschland schulpflichtig, so Vill. Er sprach auch von zahlreichen ehrenamtlich geführten Sprachkursen und sonstiger Unterstützung durch Helferkreise in den Gemeinden und lobte den hohen ehrenamtlichen Einsatz der Bürgerinnen und Bürger. Schulamtsleiter Engelbert Schmid berichtete von drei Übergangsklassen sowie mehreren weiteren inoffiziellen, ehrenamtlich geleiteten Kursen. Die meisten Ehrenamtlichen wollten nicht einmal das ihnen zustehende Honorar, zeigte er sich beeindruckt, sie wollten diese Unterstützung aus ihrer Überzeugung heraus leisten.

Zur geplanten Ausbildungsoffensive im Landkreis sagte Landrat Jens Marco Scherf, dass vorgesehen sei, in Zusammenarbeit der Bildungsträger und der Wirtschaft von September an fünf jungen, talentierten Flüchtlingen eine Ausbildung zu ermöglichen. Dies müsse aber intensiv vorbereitet werden, denn diese Auszubildenden müssten auch über die komplette Ausbildungszeit betreut werden. „Das ist ein erster Schritt, um nicht nur immer von der Chance der jungen Zuwanderer zu sprechen, sondern diese Chance auch tatsächlich zu nutzen“, so der Landrat, der ausdrücklich sowohl den vielen Ehrenamtlichen und Industrie und Handwerk für die große Unterstützung dankte.

Auf Anregung aus dem Kreistag soll geprüft werden, wie man die Auszahlung des Gelds an die Asylbewerber besser gestalten kann. Zum einen wurden Sicherheitsbedenken angeführt wegen teilweise hoher Geldsummen. Zum anderen wisse man bei einigen Asylbewerbern nicht, wie man angesichts der nicht vorhandenen Sprachkenntnisse die Funktionsweise von in den Banken einzulösenden Barschecks sprachlich begreiflich machen könne. Landrat Jens Marco Scherf bat die Gemeinden um Meldung, welche Sprachen Probleme bereiten; möglicherweise könne man geeignete Sprach- und Kulturvermittler finden.

Neues gibt es auch vom Projekt Gesundheitsregionplus zu berichten. Dort hat Judith Seidel die Leitung der Geschäftsstelle übernommen. Sie hat einen Bachelor-Abschluss in Pflege- und Gesundheitsförderung, ist examinierte Altenpflegerin und Palliative-Care-Pflegefachkraft und hat neben mehreren weiteren Qualifikationen auch Projekterfahrung. Die Geschäftsstelle wird als zentrale Kontakt-, Organisations- und Koordinationsstelle der Gesundheitsregionplus fungieren.

Einstimmig hat der Kreistag beschlossen, dass der Landkreis einen Versorgungslastwagen für den Brand- und Katastrophenschutz anschafft. Die Verwaltung soll hierfür die Ausschreibung erstellen und Angebote einholen; gerechnet wird mit einer Investitionssumme von rund 195.000 Euro. Laut Landratsamtsjurist Gerald Rosel sei von einem Zuschuss des Freistaats von 38.900 Euro auszugehen.

Landrat Jens Marco Scherf stellte kurz die Drei-Länder-Radtour vor, die unter dem Motto „Grenzenlos radeln im Odenwald“ vom 4. bis 6. August auch durch den Landkreis Miltenberg führt.

Landrat Scherf freute sich auch über die Tatsache, dass die Hochschule Aschaffenburg in Miltenberg eine Außenstelle einrichten und dort voraussichtlich ab dem Wintersemester 2017 den Studiengang Betriebswirtschaftslehre für kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) anbieten will. Nach der Kooperation von Industrie und Hochschule am Standort ICO im Rahmen von ZEWIS bekomme die Hochschule Aschaffenburg mit dem Studienangebot nun ein zweites Standbein im Landkreis Miltenberg. „Das ist ein großer Gewinn für die Bildungsregion Landkreis Miltenberg“, betonte Landrat Scherf. Zum Einsatz kommen sollen sowohl traditionelle Präsenzlehre als auch digital geprägte Lehr-Lernformate. Die Absolventinnen und Absolventen sollen für branchenübergreifende Tätigkeiten in allen wirtschaftlichen und administrativen Funktionsbereichen qualifiziert werden, mit besonderer inhaltlicher Orientierung an speziellen Bedürfnissen kleiner und mittelständischer Unternehmen – also prädestiniert für die Unternehmen der Region.

Ob die geplante Änderung der Südlink-Energietrasse auch den Landkreis Miltenberg betrifft, vermochte Landrat Scherf auf eine Anfrage aus dem Gremium hin nicht sagen. Bislang habe noch niemand seitens der Staatsregierung mit ihm deswegen Kontakt aufgenommen, so Scherf. „Der in den Medien publizierte Korridor einer von der Staatsregierung geplanten Verlagerung Richtung Hessen durchschneidet jedoch den Bayerischen Untermain in Nord-Süd-Linie. Auf Grund widersprüchlicher Aussagen kann ich die Entwicklung nicht abschließend beurteilen“, erklärte der Landrat Jens Marco Scherf auf Nachfrage aus dem Gremium.
© 2011 Landratsamt Miltenberg | Brückenstr. 2 | 63897 Miltenberg | Tel: 09371 501-0
Fernwartung