26.10.2015

Pressemitteilung Erstaufnahme in Kleinheubach im November bezugsfertig

Landrat Jens Marco Scherf und der Personalleiter des Landratsamts, Gerhard Rüth, haben im Kreisausschuss am Donnerstag einen aktuellen Sachstand zum Thema Flucht und Asyl gegeben und die personellen Auswirkungen skizziert.

Laut Scherf sind zurzeit 71 minderjährige unbegleitete Flüchtlinge in diversen Einrichtungen, Pflegefamilien, Betreutem Wohnen und einer Gemeinschaftsunterkunft untergebracht. Die Erstaufnahmeeinrichtung in der Johannes-Hartung-Realschule Miltenberg sei mit 269 Bewohnern belegt bei einer Kapazität von 284. Mit Stichtag 19. Oktober seien mittlerweile 466 Flüchtlinge im Landkreis aufgenommen worden, sagte Scherf. Der Umzug in die Erstaufnahme in Kleinheubach (Kapazität: 300) werde noch im November erfolgen. Nach diversen Instandhaltungsmaßnahmen in der Realschulturnhalle werde diese einige Wochen später wieder dem Schul- und Vereinssport zur Verfügung stehen. Den Asylsuchenden im Anerkennungsverfahren stünden zurzeit 39 Unterkünfte mit 875 Plätzen zur Verfügung. Belegt seien diese Unterkünfte derzeit von 815 Menschen, so dass man einen kleinen Puffer habe. Hauptherkunftsland sei überwiegend Syrien, dazu Afghanistan und in kleinerem Umfang die Ukraine und Staatenlose. Scherf zufolge sind 40 Prozent der Flüchtlinge unter 18 Jahre alt, der weitaus größte Teil von ihnen sogar unter 16 Jahren.

Von der Landrätetagung in Brüssel war Scherf ernüchtert zurückgekehrt, wie er sagte. Denn er habe die Erkenntnis gewonnen, dass noch viele Hebel zu betätigen seien. Das werde lange Zeit brauchen, so dass Scherf von „sehr langfristigen Perspektiven“ sprach, um das Flüchtlingsproblem zu meistern. „Ohne Ehrenamt wäre das alles nicht zu stemmen“, lobte Scherf die positive Einstellung der Bürgerinnen und Bürger.

Personalchef Gerhard Rüth hob zudem das Engagement von 33 Beschäftigten des Landratsamts und des Jobcenters heraus, die einen Helferpool gebildet hätten, um ihren stark belasteten Kolleginnen und Kollegen in den am meisten betroffenen Sachgebieten zu helfen. Sie hätten sich bereit erklärt, außerhalb der üblichen Servicezeiten Tätigkeiten wie Lotsen- und Fahrdienste zu übernehmen, fand Rüth lobende Worte.

Um die zusätzlichen Aufgaben durch die ständig steigende Zahl der Asylbewerber zu meistern, habe man die Sachgebiete Sozialamt, Jugendamt und Ausländeramt mit 9,5 Stellen verstärkt – teilweise durch interne Umsetzungen, aber auch durch Neueinstellungen. Eine besondere Herausforderung sei die gleichzeitige Betreuung der Ersthilfeeinrichtung und der Aufbau der neuen Erstaufnahme in Kleinheubach. Kreisbrandrat Meinrad Lebold habe die operativ-taktischen Einsatzleitung, die Leitung der Einrichtung vor Ort liege bei Tim Steinbart. Im Sozialamt sei ein Team zur Akquise von Unterkünften gebildet worden, erklärte Rüth. Dieses Team arbeite eng mit dem Bauamt zusammen.

Falls die Zahl der Flüchtlinge weiter zunehmen sollte, sei die Personalmehrung noch nicht am Ende, befürchtete er. Die Platzreserven im Landratsamt seien nahezu ausgeschöpft, wies er auf ein weiteres Problem hin. Er bereitete die Gremien darauf vor, dass sich der Personalaufwand in 2016 und den folgenden Jahren erhöhen werde.

Mehrere Kreisräte wiesen darauf hin, dass vor allem Kindertagesstätten nur begrenzte Kapazitäten hätten. Sie baten die Aufsichtsbehörden, bei Betriebserlaubnissen flexibler zu sein. „Wenn wir an den Standards festhalten, werden wir nicht weit kommen“, so ein Kreisrat. Laut Landrat Jens Marco Scherf sei zudem die Umstellung in den Erstaufnahmen auf Sachleistungen nicht umsetzbar, da der Aufwand hierfür viel zu hoch sei.
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