24.04.2015

Pressemitteilung Landrat besucht Gemeinde Collenberg

Im Rahmen seiner Gemeindebesuche hat Landrat Jens Marco Scherf, begleitet von seinen Juristen Dr. Vera Hennig, Stefan Pache und Oliver Feil, am Dienstag Station in der Gemeinde Collenberg gemacht.

Bürgermeister Karl Josef Ullrich stellte im Sitzungssaal des Rathauses die 2450 Einwohner zählende Gemeinde vor. Eine besondere Herausforderung stelle die demographische Entwicklung dar, sagte Ullrich und verwies auf eine prognostizierte Bevölkerungsabnahme um 100 Einwohner in den nächsten zehn Jahren. Aus diesem Grund sei man Mitglied der Kommunalen Allianz Südspessart, deren Sprecher er sei. Der Bürgermeister berichtete auch von guten Erfahrungen mit dem gemeinsamen Südspessart-Standesamt in Stadtprozelten „Die Zusammenarbeit im Südspessart funktioniert sehr gut“, pflichtete Landrat Scherf bei. Kooperation sei notwendig, um die Eigenverantwortung zu bewahren, sagte er und wies darauf hin, dass das Landratsamt nach wie vor die Idee eines Backoffices für bestimmte Bereiche verfolge, um die Kommunen zu entlasten.

Zur Bitte Ullrichs an den Landrat, beim Bau der Kirschfurter Mainbrücke zu helfen, antwortete Scherf, dass es nun wichtig sei, dass die Region in München mit einer Stimme wahrgenommen werde. Da der Tunnels in Freudenberg nur sehr schwer zu realisieren sei, müssen die Gemeinden sagen, ob sie den Bau der Brücke und der Umgehung auch ohne gleichzeitigen Bau des Tunnels wünschen. Zum Themenfeld Tourismus wünschte sich Ullrich vom Landkreis Unterstützung bei der Anerkennung Collenbergs als Weinort. Konkret geht es um die Idee, auf den Weinbergsterrassen unterhalb der Kollenburg wieder Wein anpflanzen und vermarkten zu dürfen. Dazu müsse die Gemeinde in die Liste der Weinorte aufgenommen werden. Dies werde aber vom Fränkischen Weinbauverband bislang verweigert, klagte Ullrich, obwohl der Weinanbau in Collenberg jahrhundertelange Tradition habe. Mit dem Weinbau wolle man auch die wertvollen Terrassenanlagen erhalten, zudem wäre dies ein weiteres Mosaiksteinchen in Richtung Fremdenverkehr. Alleine das Wort „Weinort“ im Ortsschild wäre wertvoll, so Ullrich. Landrat Scherf versprach hier Unterstützung.

Der Bürgermeister erörterte auch sein Unverständnis zum jüngst ergangenen Gerichtsurteil in Sachen Kiesabbau und kündigte an, das Urteil prüfen zu lassen. Es könne nicht sein, dass der Kiesabbau auch diesseits einer notariell festgelegten Grenze zulässig sei. Vom Landratsamt erbat er zudem Unterstützung für das Vorhaben des Schützenvereins, der seine Halle erneuern will. Sorge bereitet der Gemeinde auch der Unterhalt der Gemeindeimmobilien, vor allem der denkmalgeschützten Häuser, erläuterte der Bürgermeister. Mit dem Projekt „Sandsteinkultur“, für das man eine Förderung über Leader-Mittel beantragt habe, wolle man unter anderem in der alten Kirche Reistenhausen ein Dokumentationszentrum errichten.

Ullrich sprach im weiteren Verlauf des Gesprächs vor allem die Windradproblematik auf badischer Seite und die Erschließung des Gebietes „Im Sand“ an. Vom Landratsamt erhofft sich Ullrich Unterstützung bei der Ablehnung der Windkraftanlagen in Freudenberg. So liege der Abstand zum Campingplatz unter 1000 Metern, zudem befürchtete Ullrich Auswirkungen auf Tiere wie den Uhu, den Schwarzen Milan und Falken. Ein großes Problem ist für den Bürgermeister die geplante Erschließung des Gebietes „Im Sand“ in Kirschfurt. Hier berichtete er von unterschiedlichen Auffassungen von Gemeinde und Amt für ländliche Entwicklung. Die Gemeinde wolle in die umfassende Dorferneuerung, sagte Ullrich, da sie unter anderem die Ortsmittelpunkte neu gestalten und alte Häuser abreißen wolle. Zudem wolle man das Bauen und Renovieren im Altort ermöglichen und jungen Familien damit helfen. Die Aufnahme in das Programm sei laut Aussage aus dem Amt aber nur möglich, wenn dem Grundsatz „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“ gemäß kein neues Gebiet wie „Im Sand“ erschlossen werde. Dieses Gebiet aber müsse nicht wegen der Anlage neuer Bauplätze erschlossen werden, erklärten Ullrich und sein Stellvertreter Peter Mayer. Vielmehr gelte es, dort 18 Häuser an die Kanalisation anzuschließen. Dabei würden auch mehrere neue Bauplätze entstehen, damit die Erschließungskosten von geschätzten 1,6 Millionen Euro zu finanzieren wären. Im Falle des „Sand“ liege eine Sondersituation vor, stellte Ullrich fest, „eine grüne Wiese würden wir auf keinen Fall erschließen.“

Weitere Punkte des Gesprächs betrafen unter anderem die Jugend- und Seniorenarbeit, den Unterhalt der Wasser- und Kanalleitungen, den Erhalt der Grundschule, die notwendige Unterstützung der Helfer-vor-Ort-Gruppe und die Ärzteversorgung. Unterstützung signalisierte der Landrat für ein Anliegen der Gemeindeverwaltung, aus Sicherheitsgründen die Auszahlungen an die Asylbewerber nicht in bar, sondern mit Barschecks zu ermöglichen. Jens Marco Scherf nahm diese Anregung auf und wird dies umsetzen lassen.

Anschließend besuchte die Delegation des Landratsamts, die von Gemeinderat Andreas Freiburg, Gemeinderätin Anni Wolf, Geschäftsleiter Gerhard Schäfer und Kämmerer Manfred Wolz begleitet wurde, den Kindergarten und die Schule. Im Kindergarten führten Leiterin Karin Beer und Fördervereinsvorsitzender Herbert Umscheid die Delegation durch die hellen Räume, in denen 65 Kinder in drei Gruppen betreut werden, dazu kommen 16 Kinder in der offenen Ganztagsschule. In der Schule zeigte Schulleiterin Brigitte Schlegel einige Räume, hob die Bedeutung der künstlerischen Bedeutung hervor und zeigte als Besonderheit das Schulaquarium im Foyer, Bürgermeister Karl Josef Ullrich erläuterte die jüngste Generalsanierung. Im Feuerwehrhaus stellte Kommandant Willi Lindner die Ausrüstung der örtlichen Wehr vor und berichtete von 50 Aktiven, die sich um den Brandschutz und die Technische Hilfeleistung kümmern. Am Mainufer zeigte der Bürgermeister den Besuchern aus dem Landratsamt, welche negativen Beeinträchtigungen die Windräder auf badischer Seite für die Gemeinde und das Naherholungsgebiet am Ufer hätten.

Im Anschluss stellte sich der Landrat im Sportheim des TSV Collenberg den Fragen von Vereinsvertretern und Gemeinderäten. In einem Punkt ging es um die Frage, in welches Krankenhaus Patienten bei Notfällen eingeliefert werden. „Das entscheidet der Notarzt nach fachlichen Gesichtspunkten und Verfügbarkeit der Krankenhäuser“, antwortete der Landrat, der auf die anstehende Stärkung des Rettungsdienstes im Landkreis verwies. Breiten Raum nahm auch die Frage ein, wie man jungen Familien in Collenberg ein attraktives Wohnumfeld bieten kann. So würden beispielsweise mehrere junge Familien in Kirschfurt gerne bauen, der Grund hierfür aber fehle und könne nur „Im Sand“ bereitgestellt werden. Bauplätze in diesem Bereich fielen nicht unter den Begriff „Außenentwicklung“, stellte Peter Mayer fest. Landrat Jens Marco Scherf bereitet der hohe Flächenverbrauch in Bayern grundsätzlich Sorgen, allerdings betreffe dies in erster Linie den Bereich „Oberbayern mit dem riesigen Münchener Speckgürtel bis zur Alpengrenze hin“. Deshalb müsse man diese Problematik differenziert betrachten. Er sprach sich dafür aus, jungen Familien das Bauen zu ermöglichen, die Altorte dabei aber nicht zu vergessen. Er schlug vor, das Problem „Im Sand“ in einer Fachkonferenz mit allen Behörden zu besprechen.

Am Reistenhausener Mainufer zeigten Bürgermeister Karl Josef Ullrich und sein Stellvertreter Peter Mayer (von rechts) dem Landrat und seinen Mitarbeitern, welche negativen Auswirkungen Windräder bei Freudenberg auf das Naherholungsgelände am Main hätten.
Am Reistenhausener Mainufer zeigten Bürgermeister Karl Josef Ullrich und sein Stellvertreter Peter Mayer (von rechts) dem Landrat und seinen Mitarbeitern, welche negativen Auswirkungen Windräder bei Freudenberg auf das Naherholungsgelände am Main hätten.

Schulleiterin Brigitte Schlegel und Bürgermeister Karl Josef Ullrich führten Landrat Jens Marco Scherf durch die Schule – hier im Werkraum.
Schulleiterin Brigitte Schlegel und Bürgermeister Karl Josef Ullrich führten Landrat Jens Marco Scherf durch die Schule – hier im Werkraum.

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