31.03.2015

Pressemitteilung Vom Landrat initiiertes Gutachten stellt Handlungsbedarf für Rettungsdienst im Raum Amorbach fest

Weitere Beobachtung der Notaufnahme im Krankenhaus Erlenbach gefordert

Die vom privaten Krankenhausträger Helios im November 2014 angekündigte Umstrukturierung der beiden Krankenhäuser brachte u.a. die Schließung der Notaufnahme am KKH Miltenberg mit sich. Dies hat das Landratsamt noch im Dezember 2014 veranlasst, die Auswirkungen in Bezug auf die notärztliche und rettungsdienstliche Versorgung untersuchen zu lassen. Über den Rettungszweckverband erfolgte ein Auftrag an das Institut für Notfallmedizin und Medizinmanagement der Universität München (INM) zur Prüfung der Auswirkungen und konkreten Empfehlung von Maßnahmen zur Abhilfe. Üblicherweise begleitet das INM die Einsatzdaten des Rettungsdienstes in Bayern und zieht aus Veränderungen seine Schlussfolgerungen. Im Vorfeld mögliche Auswirkungen zu prognostizieren, war eine neue Qualität. Notwendig war dies auf Grund des großen Zeitdrucks – denn die Schließung der Notaufnahme in Miltenberg erfolgte faktisch schon am 21. Dezember.

Eine gutachterliche Feststellung des INM ist die einzige Basis für Veränderungen im Bereich des Rettungsdienstes. Im Gutachten heißt es wörtlich: „Aufgrund der zeitlichen Einsatzverteilung im Versorgungsbereich der Rettungswache Miltenberg ist es notwendig, die Vorhaltung des zweiten Rettungswagens anzupassen. Es wird empfohlen, Rettungswagen täglich montags bis donnerstags von 08:00 Uhr bis 22:00 Uhr sowie Freitag durchgehend von 08:00 Uhr bis Sonntag 22:00 Uhr an dem Stellplatz Amorbach vorzuhalten. Neben einer adäquaten Abdeckung des Einsatzgeschehens im eigenen Versorgungsbereich trägt die Ausweitung der Vorhaltung der Rettungswagen dazu bei, insbesondere die Versorgungssituation der südlich von Amorbach gelegenen Gemeinden zu verbessern.“ Das bedeutet, dass die Vorhaltezeit des zweiten Rettungswagens der Rettungswache Miltenberg, der am Stellplatz Amorbach stationiert ist, von bisher 77 Wochenstunden um 41 zusätzliche Wochenstunden auf nunmehr 118 Wochenstunden erhöht wird.

„Das Ergebnis bestätigt unsere Vorgehensweise. Die Schließung der Notaufnahme am KKH Miltenberg führt zu einschneidenden Veränderungen beim Rettungsdienst. Nun wird eine Veränderung am Standort Amorbach vorgeschlagen und damit im Raum Amorbach / Bayerischer Odenwald, wo ich bei einem Gemeindebesuch am 18. November in Kirchzell erstmals auf gravierende Mängel in der rettungsdienstlichen Versorgung hingewiesen wurde.
Die nun empfohlene Aufstockung am Standort Amorbach im Umfang von zusätzlichen 41 Wochenstunden verbessert nicht nur die Versorgung der Menschen im Bayerischen Odenwald, sondern wird helfen, die besonders in Kirchzell sehr kritische Situation zu mildern. Auch für den gesamten Landkreis Miltenberg bedeutet eine Aufstockung der Einsatzzeiten im Raum Amorbach eine bessere Versorgung, da die übrigen Rettungswagen entlastet werden. „Mein ausdrücklicher Dank geht an die Helfer-vor-Ort-Gruppe des BRK, die ehrenamtlich an vielen Orten im Landkreis den Rettungsdienst verstärken und vor Ort extrem schnell Hilfe leisten“, so Landrat Jens Marco Scherf.

Im Gutachten hat das INM die Einsatzzeiten aus dem Jahr 2014 untersucht und daraus die Handlungsempfehlungen abgeleitet. Die vorliegenden Daten zeigen, „dass der weit überwiegende Teil der Einlieferungen durch Rettungswagen (RTW) bei Notfalleinsätzen in die Notaufnahme Miltenberg ihren Ursprung im Versorgungsbereich der Rettungswache Miltenberg hatte“, wie dem Gutachten zu entnehmen ist.

Ferner wird empfohlen, „die rettungsdienstliche Versorgung in den von der Schließung der Notaufnahme Miltenberg betroffenen Regionen einem strengen Monitoring zu unterziehen, um zeitnah auf Veränderungen der Notfallversorgung reagieren zu können“. Die Grundlage für die verbesserte Kommunikation zwischen Rettungsdienst und Krankenhaus wurde im Rahmen des am 8. Dezember 2014 durch Landrat Scherf einberufenen Runden Tisches anlässlich der Strukturveränderungen in Krankenhäusern geschaffen. Die aktuelle Empfehlung setzt voraus – und das muss ausdrücklich betont werden – „dass die Notaufnahme des Krankenhauses Erlenbach künftig für den weit überwiegenden Teil des Notfallaufkommens im südlichen Landkreis Miltenberg als zentrale Versorgungseinrichtung zur Verfügung steht. Die regelhafte Abmeldung einer Abteilungen, beispielsweise aufgrund einer Überlastung der Versorgungseinrichtung, bedingt eine Neubewertung der Versorgungssituation“.

Der BRK-Kreisverband Miltenberg-Obernburg begrüßt die aktuelle Entwicklung ausdrücklich und wird im allseitigen Interesse für eine schnellstmögliche Umsetzung sorgen.
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