02.10.2017

Pressemitteilung Windkraft-Ersatzgelder fließen in drei Schwerpunktprojekte

Dass die Untere Naturschutzbehörde am Landratsamt Miltenberg eine Vielzahl von Aufgaben im Bereich des Natur- und Artenschutzes hat, hat deren Mitarbeiter Stefan Schneider am Donnerstag den Mitgliedern des Ausschusses für Energie, Natur- und Umweltschutz erläutert. Es sei wichtig, dies herauszustellen, meinte Landrat Jens Marco Scherf, denn viele Themen und Projekte sei nicht stark im Bewusstsein der Öffentlichkeit verankert.

In seiner Behörde gehe es größtenteils um die Einhaltung naturschutzfachlicher Belange im Landkreis, sagte Schneider. Zu den Aufgaben gehörten etwa die Betreuung von Landschaftspflegemaßnahmen durch den Landschaftspflegeverband – etwa die Freistellung von Terrassensteillagen. Hierfür habe man im laufenden Jahr bislang 50.000 Euro aufgewendet. Mit dem Vertragsnaturschutzprogramm trage man Sorge für den Erhalt der Landschaft und der Arten, sagte Schneider. Zurzeit habe man 60 Bewirtschafter unter Vertrag, die im Auftrag der Unteren Naturschutzbehörde arbeiten. In diesem Jahr habe man Neuverträge im Volumen von 30.000 Euro abgeschlossen, die Summe der laufenden Verträge bezifferte Schneider auf 96.500 Euro. Schwerpunkt im Landkreis sei die Förderung der Streuobstwiesen, um den Lebensraum des Steinkauzes zu erhalten. Seine Behörde gebe aber auch unbürokratisch Geld für Kleinstmaßnahmen – jeweils bis zu 2500 Euro. Bislang habe man in diesem Jahr hierfür 27.000 Euro ausgegeben, sagte Schneider. Da sich das Programm als sehr effektiv erwiesen habe, wolle man versuchen, mehr Geld zu bekommen.

Aufgaben der Unteren Naturschutzbehörde sei weiterhin die Betreuung und Überwachung von Schutzgebieten im Landkreis, darunter die Landschaftsschutzgebiete Spessart und Odenwald, zehn Naturschutzgebiete, zehn geschützte Landschaftsbestandteile, 44 Naturdenkmäler, acht FFH-Gebiete (hier werden zurzeit die Managementpläne erstellt) sowie zwei Vogelschutzgebiete.

Die Behörde arbeite auch eng mit dem Landschaftspflegeverband zusammen, wenn es um die Ersatzgelder aus den Ausgleichszahlungen für Windkraftanlagen geht – rund 700.000 Euro. Gemeinsam mit dem Landrat habe man drei Schwerpunktprojekte herausgesucht, die man realisieren wolle: die orchideenreichen Magerwiesen in Miltenberg-Breitendiel, das Feuchtgebiet Hesselsmühle bei Eschau-Sommerau sowie die artenreiche Kulturlandschaft Mömlingen. Um diese Vorhaben personell meistern zu können, habe der Landschaftspflegeverband laut Landrat die Biologin Kerstin Maier eingestellt.

Maier erklärte, dass es für die Umsetzung der Projekte wichtig sei, Zugriff auf Flächen zu bekommen. Deshalb habe man den Schwerpunkt auf den Ankauf von Flächen gelegt und, falls dies nicht möglich ist, auf den Abschluss langjähriger Pachtverträge. Zunächst schreibe man die Eigentümer an, gefolgt von einer Informationsveranstaltung, Einzelgesprächen und einer Exkursion mit den Eigentümern. Am Beispiel von Breitendiel erläuterte sie die Schwierigkeiten bei der Ermittlung aller Eigentümer. 48 Eigentümer seien im fraglichen Gebiet beteiligt, darunter auch Erbengemeinschaften mit bis zu 14 Beteiligten. Das bedeute für sie einen hohen zeitlichen Aufwand, bis es zu Kauf- oder Pachtverträgen kommt. „Jeder bekommt aber das gleiche Geld“, stellte sie klar. Pachtverträge würden ohne Pachtzins abgeschlossen, im Gegenzug würden die Flächen der Eigentümer gepflegt und verhindert, dass sie zuwachsen.

In Breitendiel habe man von der in Frage kommenden, rund 26 Hektar großen Fläche binnen eines Jahres 4,8 Hektar gekauft und 3,4 Hektar gepachtet. Bis Ende 2017 werde man auf rund 12,7 Hektar Zugriff haben, so Maier. Geplant sei, mit Hilfe von Landwirten im Gebiet eine durchgängige Beweidung zu ermöglichen. Häufig gehe es darum, den flächigen Wildwuchs von Brombeerhecken zu beseitigen. Auch wolle man den Wald zurückdrängen, der sich vom Hang herab zunehmend ausbreitet.

In Mömlingen habe man vier Teilbereiche mit insgesamt 56 Hektar Fläche im Auge, erklärte Maier.

Mit den Gebieten „Holzberg“ und „Kühzähl“ habe man bereits begonnen, „Dicknetsrain“ und „An der Keil“ würden folgen. Insgesamt plane man für die orchideenreichen Magerwiesen in Miltenberg-Breitendiel eine Summe von 259.000 Euro ein, für das Feuchtgebiet Hesselsmühle bei Eschau-Sommerau 162.800 Euro sowie 250.000 Euro für die artenreiche Kulturlandschaft Mömlingen.

Laut der Leiterin der Unteren Naturschutzbehörde, Regina Groll, sei es wichtig, sich auf diese drei Projekte zu konzentrieren; das Gießkannenprinzip führe nicht zum Erfolg. Die ausgewählten Projekte sind Groll zufolge „die wertvollsten und erfolgversprechendsten Maßnahmen.“ Andere Projekte seien in der Warteschleife, erklärte sie auf Nachfrage aus dem Gremium. Die werde man angehen, sobald man personelle Ressourcen habe. Kerstin Maier leiste tolle Arbeit, fasste Groll zusammen, sie habe dank ihres guten Drahts zu den Menschen schon sehr viel erreicht.
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