27.03.2015

Pressemitteilung Landrat Scherf besucht Großheubach

Im Rahmen seiner Gemeindebesichtigungen hat Landrat Jens Marco Scherf am Mittwoch in Großheubach Station gemacht. Fast sieben Stunden lang nahm er sich Zeit, mehrere soziale Einrichtungen zu besuchen und mit den Bürgern ins Gespräch zu kommen.

Erste Station war der Sitzungssaal im Rathaus, wo Bürgermeister Günther Oettinger vor den Beschäftigten der Gemeinde und Gemeinderäten seine Kommune vorstellte, die sich von einer kleinen, armen Gemeinde zu einem lebenswerten Ort entwickelt habe. Landrat Jens Marco Scherf ging unter anderem auf die Wirtschaftsstruktur sowie die weichen Standortfaktoren im Landkreis Miltenberg ein. „Im Gegensatz zur von Armut geprägten Vergangenheit haben wir nun dank einer starken Wirtschaft auf der einen und einer einmaligen Kulturlandschaft auf der anderen Seite gute Voraussetzungen, um mit Optimismus an die Aufgaben heranzugehen“, betonte Scherf bei seinem Blick in die Zukunft. Er führte die Anstrengungen vor Augen, die der Landkreis in Sachen Gesundheit – Anerkennung als Gesundheitsregion plus – und Bildung – Stichwort Bildungsregion – unternimmt. Scherf machte auch auf die demographische Entwicklung aufmerksam. Besonderes Problem sei der Mangel an Bürgerinnen und Bürgern im Alter rund um 30 Jahre. Gerade diese Menschen, die am Beginn ihres beruflichen Wegs eine Familie gründen wollen, fehlten in der Region. Bürgermeister Günter Oettinger stellte zum Thema Bildung fest, dass man auch in der Gemeindeverwaltung auf Fachkräfte angewiesen sei. Bislang sei das kein Problem, so Oettinger, aber es bedürfe auch künftig vieler Anstrengungen, das sicherzustellen. „Wir müssen jungen Leuten klar machen, dass auch die Verwaltung ein guter und spannender Arbeitgeber ist“, stimmte Landrat Scherf zu. Das Projekt Bildungsregion solle jungen Menschen mögliche berufliche Wege aufzeigen, so Scherf. Für ihn steht fest, dass der Landkreis Zuwanderung brauche, um die künftigen Herausforderungen zu meistern. Er wusste auch, dass rund ein Drittel der Asylsuchenden unter 18 Jahren seien. Dieses Potenzial gelte es, so weit möglich, zu nutzen, fand der Landrat.

Anschließend machte sich der Bürgermeister mit Landrat Scherf, der von seinen Juristen Dr. Vera Hennig, Gerald Rosel und Stefan Pache begleitet wurde, per Bus auf den Weg durch die Gemeinde. In der katholischen Kindertagesstätte St. Elisabeth wurde die Delegation von den Kindergartenkindern mit einem Mitmachlied begrüßt, ehe Leiterin Cordula Bösmüller und Bürgermeister Oettinger die Gäste durch die großzügig dimensionierte und lichtdurchflutete Tagesstätte führten. In dem von 1992 bis 1994 erbauten Kindergarten befinden sich zurzeit vier Gruppen und eine Krippe. Auch zahlreiche auswärtige Kinder besuchen diese Einrichtung. Das Essen wird hier selbst gekocht, erläuterte Leiterin Bösmüller, täglich würden hier 65 Kinder verköstigt.

Im katholischen Schülerhort St. Katharina, der sich auf dem Gelände der Grund- und Mittelschule Großheubach befindet und im oberen Stockwerk der Guido-Kratschmer-Halle untergebracht ist, begrüßten Leiterin Petra Bubik und Monika Schaller die Delegation des Landratsamts. Der Hort befindet sich in Trägerschaft der katholischen Kirchenstiftung St. Peter und ist an Schultagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet, in den Ferien von 7.30 bis 15 Uhr. Die Kinder werden hier betreut, können ihre Hausaufgaben machen und sich beschäftigen. Mit dem Vortrag eines Frühlingsgedichts, einem Flötenduett und einem Geigenvorspiel erfreuten mehrere Schüler die Delegation. Zurzeit besuchen 46 Kinder diese Einrichtung; eine Erweiterung auf 53 ist laut Petra Bubik geplant. „Alles funktioniert gut, nichts ist zu bemängeln“, freute sich Bubik. Den Hort besuchten auch fünf Kinder von Asylbewerbern, sagte sie. Diese Kinder lernten schnell deutsch, aber für die Kommunikation mit den Eltern wäre ein Dolmetscher wichtig. Landrat Jens Marco Scherf erklärte, dass die Caritas im Landkreis zuständig für die Asylsozialberatung sei. Das Dolmetschen sei tatsächlich ein Problem, wusste der Landrat. Möglicherweise könne neben der Caritas auch der Verein „Frauen für Frauen“ helfen, der mehrere fremdsprachige Mitglieder habe.

Beim Besuch im Gute-Laune-Treff in Großheubach warteten über 40 Senioren auf Landrat Jens Marco Scherf (links) und Bürgermeister Günther Oettinger. 

Im Gute-Laune-Treff im Gemeinschaftshaus stellte Erich Grasmann vor über 40 Seniorinnen und Senioren diesen Treff vor, der jeweils mittwochs stattfindet und vielerlei Veranstaltungen anbietet. Gerlinde Massong ergänzte, dass sich auch ein großer Helferkreis gebildet haben. „So etwas gibt es im Landkreis in dieser Form nirgends“, steht für Bürgermeister Günther Oettinger fest. Landrat Scherf bestätigte gegenüber den Senioren, dass ihnen die gleiche Fürsorge gelten müsse wie den Kindern und Jugendliche, denn man dürfe nicht vergessen, was die Senioren in der Vergangenheit für den Wohlstand der jetzigen Generation geleistet hätten.

Michael Hennig (links) erläuterte Landrat Jens Marco Scherf (rechts) und Bürgermeister Günther Oettinger, wie moderne Fensterproduktion funktioniert. 

Als „Vorzeigunternehmen von Großheubach“ stellte Günther Oettinger die Firma Hennig-Haus vor, die eine neue Fertigungs- und Logistikhalle für den Fensterbau fertig gestellt hat. Bald werde auch der Neubau für die Zimmerei fertig sein, kündigte Michael Hennig an. Ziel sei es, den gesamten Betrieb an einem Standort zu konzentrieren. Er zeigte bei einem Rundgang, wie Fenster gefertigt werden. Die Firma profitiere zurzeit von einem starken Sanierungstrend, stellte Hennig fest. Im Oktober will er einen Tag der offenen Tür anbieten, um allen Bürgern einen Einblick in die Firma zu geben.

Das weit über Großheubach bekannte Elisabethenstift besuchte die Delegation am Ende ihres Besuchs. In dem Gebäude waren viele Jahre ein Kindergarten, ein Krankenhaus und die Caritas-Sozialstation untergebracht. Nun befindet sich hier ein Senioren-Pflegeheim mit Tagesstätte. Ulrike Lutz führte die Delegation durch die Einrichtung, die vor acht Jahren mit einem Aufwand von 3,8 Millionen Euro gebaut wurde und die seitdem stets voll belegt ist.

Im Gasthaus „Goldenes Fass“ nahm sich der Landrat abschließend rund zwei Stunden Zeit, um Fragen der Großheubacher zu beantworten. Größtenteils wurden örtliche Fragen diskutiert, die nicht im Zuständigkeitsbereich des Landratsamt liegen – etwa der innerörtliche Verkehr oder der Schulweg. Größeren Raum nahm die Diskussion um die Verbesserung der Sprachkompetenz junger Asylbewerber ein. Für den örtlichen Helferkreis berichtete Christiane Leuner von Deutschkursen, die von insgesamt zehn Lehrern gegeben würden. Leuner wünschte sich einen besseren Austausch mit dem Landratsamt – etwa, was Neuankünfte angeht. Landrat Scherf antwortete, dass auch das Landratsamt von Neuankünften oder Wegzügen häufig erst verspätet erfahre und angesichts von 26 Unterkünften und einem ständigen Wechsel es eine Herausforderung sei, den Überblick zu behalten. Der Landkreis habe eine Initiative aus der Wirtschaft dankbar aufgenommen und plane laut Landrat mitzuhelfen, damit jungen Asylsuchenden von September an die Möglichkeit einer Berufsausbildung geboten wird. Deshalb sei es wichtig, dass diese jungen Leute, um die Berufsschule besuchen zu können, vorher Deutsch lernen könnten. Ansprechpartner in allen Angelegenheiten rund um den Schulbesuch sei das Schulamt, sagte Scherf. Wer Nachhilfe brauche, solle sich an die Schule wenden. Diese könne Hilfe leisten, um diese Leistung mit Mitteln aus dem Bildungs- und Teilhabepaket finanzieren zu können. Jens Marco Scherf bedankte sich ausdrücklich bei allen ehrenamtlichen Helfern für ihre Arbeit und schloss auch alle Bürgermeister ein, die das Thema ihren Bürgern positiv vermitteln.

Einer Bürgerin, die die ihrer Meinung nach zu hohen Gebühren im Kindergarten ansprach, empfahl der Landrat, mit dem Jugendamt Kontakt aufzunehmen, da Familien in finanziell schwieriger Situation staatlich unterstützt werden: unter bestimmten Umständen übernehme das Amt diese Kosten. Auf Anregung eines Bürgers will das Landratsamt auch überlegen, wie man das Abladen größerer Abfallmengen in den Wertstoffhöfen vereinfachen kann. Wegen der Aufbringung von Lehm in den Weinbergen zur Bodenverbesserung und der dazu notwendigen Bauanzeige werden Fragesteller Stefan Kremer und Umweltjuristin Dr. Vera Hennig nochmals reden.

 In der Kindertagesstätte „St. Elisabeth“ wurden Landrat Jens Marco Scherf (rechts) und Bürgermeister Günther Oettinger von den Kindern aufgefordert, sich an ihrem Mitmachlied zu beteiligen.
In der Kindertagesstätte „St. Elisabeth“ wurden Landrat Jens Marco Scherf (rechts) und Bürgermeister Günther Oettinger von den Kindern aufgefordert, sich an ihrem Mitmachlied zu beteiligen.

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