14.09.2015

Pressemitteilung Umweltausschuss auf Informationsfahrt

Wie könnte der im Süden des Landkreises in Bürgstadt geplante dritte Werkstoffhof aussehen? Bei einer Informationsfahrt haben Landrat Jens Marco Scherf und die Mitglieder des Ausschusses für Energie, Natur- und Umweltschutz verschiedene Wertstoffhöfe besichtigt, um sich Anregungen zu holen. Darüber hinaus gewannen die Kommunalpolitiker Einblicke in das kommunalisierte Abfallunternehmen des Landkreises Würzburg. 

Für den neuen Wertstoffhof in Bürgstadt kommen laut Christoph Faulhaber (Büro IBU) mehrere Varianten in Frage, die sich in punkto Fläche, Ausstattung und Öffnungszeiten unterscheiden – von einer kleinen Lösung (Komplettkosten geschätzte 861.000 Euro zuzüglich jährliche Betriebskosten von rund 150.000 Euro) über eine mittlere Lösung (2,1 bis 2,3 Millionen Euro, Betriebskosten rund 230.000 bis 240.000 Euro) sowie eine große Lösung (2,6 Millionen Euro plus Betriebskosten von 306.000 Euro). 

Wie eine kleine Lösung aussehen könnte, erfuhr die Gruppe in Tauberbischofsheim. Hier zeigten Betriebsleiter Walter Scheckenbach und Abfallberater Michael Schinnagel den sternförmig angelegten Wertstoffhof, in dem 20 verschiedene Abfallfraktionen abgegeben werden können. Der Wertstoffhof, einer von insgesamt zehn im Landkreis Main-Tauber, ist an drei Tagen insgesamt 9,5 Stunden pro Woche geöffnet. Das Gelände für die Wertstoffhöfe wird jeweils von der Gemeinde gestellt, der Abfallwirtschaftsbetrieb des Landkreises Main-Tauber übernimmt Ausstattung und Betrieb auf dem rund 1000 Quadratmeter großen Gelände. Die Ausstattung des Hofs, der in dieser Form seit sieben Jahren in Betrieb ist, hat rund 100.000 Euro gekostet. 

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Thomas Fackelmann, Leiter der Abfallwirtschaft im Landkreis Schweinfurt (links) erklärte der Delegation aus dem Landkreis Miltenberg den Aufbau des Wertstoffhofs im Abfallwirtschaftszentrum Rothmühle. 

Eine mittlere Lösung schaute sich die Delegation im Abfallwirtschaftszentrum (AWZ) Rothmühle bei Schweinfurt an, wo sie von Landrat Florian Töpper und dem Leiter der Abfallwirtschaft, Thomas Fackelmann, empfangen wurden. Das 2012 gebaute Abfallwirtschaftszentrum wurde 2012 gebaut und ist eines von nur zwei Zentren im gesamten Landkreis. Bis zu 25 Minuten Fahrzeit müssen die Bürger in Kauf nehmen, um den Standort zu erreichen. Dennoch, so Thomas Fackelmann, werde das AWZ sehr gut angenommen. Bis zu 200 Besucher pro Tag würden in der von Montag bis Samstag geöffneten Einrichtung gezählt, sagte er, Beschwerden gebe es so gut wie keine. Bei der Anlage sei größter Wert auf Arbeitssicherheit gelegt worden. Am Eingang werde der Besucher von einem Fachmann empfangen, der den angelieferten Müll unter die Lupe nimmt, den Ablageplatz zeigt und bei bestimmten Abfallfraktionen die Abrechnung vornimmt. Um das Abladen komfortabler zu gestalten und damit weniger zu reinigendes Abwasser anfällt, wurde die Anlage überdacht. Damit flexibler angeliefert werden kann, wurden die einzelnen Abteilungen mit flexiblen Blöcken unterteilt, die schnell versetzt werden können. Besonders bequem ist für die Bürger, dass sie ihre Wertstoffe vom Auto aus ebenerdig in Container werfen können. 

Große Augen bekamen die Besucher aus dem Landkreis Miltenberg in Kürnach, wo Alexander Pfenning, Leiter des Abfallbetriebs des Landkreises Würzburg, den dortigen Wertstoffhof vorstellte. Auf einer Fläche von 4800 Quadratmetern im Gewerbegebiet gelegen, wurde hier 2007 ein Wertstoffhof errichtet, der schnell zu klein war. Nach einer Erweiterung und der Überdachung der kompletten Anlage –Gesamtkosten von rund 1,8 Millionen Euro – steht hier den Bürgern eine Anlage bereit, die keine Wünsche offen lässt: große Flächen, bequemer ebenerdiger Einwurf der Wertstoffe und rund 25 Abfallbehälter für die verschiedensten Abfallfraktionen. Die Container können schnell angedockt und abgefahren werden, da für Lastwagen eine eigene, rund drei Meter tiefere Einfahrt bereitsteht. 

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Diesen in jeglicher Hinsicht großzügig ausgestatteten Wertstoffhof besichtigten die Besucher aus dem Landkreis Miltenberg in Kürnach (Landkreis Würzburg).

Landrat Jens Marco Scherf zeigte sich sehr zufrieden mit den vor Ort gesammelten Impressionen. „Wenn man sich solche Wertstoffhöfe anschaut, bekommt man einen realistischen Eindruck“, stellte er fest. Solche Visualisierungen seien für die Kreisräte wichtig, damit sie in der nächsten Sitzung des Ausschusses eine Entscheidung über den Ausbau des Wertstoffhofes in Würzburg treffen können. Zu beachten ist laut Wolfgang Röcklein, Leiter des Abfallwirtschaftsbetriebs am Landratsamts Miltenberg, aber auch, dass die Müllsysteme in allen drei besuchten Landkreisen unterschiedlich sind. Auch die geographische Ausbreitung der Kreise und die Bevölkerungszahl müsse man in Betracht ziehen. 

Als zweites Thema während der Informationsfahrt wurde die Kommunalisierung der Abfallwirtschaft behandelt. Schließlich steht der Kreistag noch in diesem Jahr vor der richtungsweisenden Entscheidung, ob der Landkreis seine Müllabfuhr europaweit ausschreibt oder in Eigenregie erledigt. Um zu erfahren, wie eine kommunalisierte Müllabfuhr funktioniert, trafen sich die Kommunalpolitiker in Kürnach mit Professor Dr. Alexander Schraml, Vorstand des Kommunalunternehmens des Landkreises Würzburg. Das „team orange“ kümmert sich seit 2004 um die Abfallentsorgung; zuvor lag der Vollzug der Abfallentsorgung im Wesentlichen beim Zweckverband Abfallwirtschaft (Betrieb des Müllheizkraftwerks Würzburg), bei einem Müllabfuhrzweckverband sowie bei den Gemeinden. Team orange löste die Anlagen und Fahrzeuge vom Müllzweckverband ab und kümmert sich seitdem um Abfuhr, Entsorgung, Deponienachsorge, Gebührenveranlagung und Abfallberatung. Aus ehemals 37 Wertstoffhöfen unterschiedlichster Qualität wurden 14 Wertstoffhöfe, von denen viele neu gebaut wurden.

Kein Bürger habe laut Schraml mehr als zehn Kilometer Anfahrt zu einem Wertstoffhof. Unter den zahlreichen Vorteilen der Kommunalisierung führte Schraml unter anderem den unmittelbaren Zugriff auf die Fahrer auf. Die habe man vom Müllzweckverband in den TvÖD übernommen und nutze deren Ortskenntnisse. Die Servicequalität auf den Wertstoffhöfen habe sich seit 2004 erheblich verbessert, sagte Schraml, alle großen Höfe hätten von Dienstag bis Samstag geöffnet. Von den Bürgern kämen ausschließlich positive Rückmeldungen. Die Gebühren habe man bewusst pauschaliert, erklärte Schraml. Man habe grundstücksbezogene Tonnen eingeführt und rechne an den Wertstoffhöfen kaum etwas ab. Seit 2004 seien die Abfallgebühren um zwölf Prozent gesunken, rechnete Schraml vor, und das trotzt höherer Leistungen. Das Umsatzsteuerprivileg sei für das Unternehmen nie relevant gewesen, antwortete er auf eine Frage aus der Miltenberger Delegation, für team orange gehe es in erster Linie um eine qualitativ hochwertige Abfallentsorgung. Man biete gute Arbeitsplätze und habe so gut wie keine Fluktuation unter den Beschäftigten, ergänzte Alexander Pfenning, Leiter des teams orange, jede Woche kämen zahlreiche Initiativbewerbungen. Ohne Sperrmüll falle pro Bürger und Jahr eine Restmüllmenge von 108 Kilogramm an (zum Vergleich: Landkreis Miltenberg: 116 Kilogramm). Schraml und Pfenning beantworteten noch zahlreiche weitere Fragen, ehe die Delegation aus dem Landkreis Miltenberg zur nächsten Station aufbrach. 

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