20.03.2015

Pressemitteilung Rekordjahr für den Tourismus – Ausschuss wird touristische Ziele gemeinsam definieren

Der Ausschuss für Wirtschaft und Tourismus des Landkreises wird, analog zum Ausschuss für Bildung, Kultur und Soziales, in einem Zielvereinbarungsprozess gemeinsam mit der Verwaltung diskutieren, mit welchen Ressourcen welche Ziele im Bereich des Tourismus erreicht werden sollen.

Controllerin Eva Erfurth hatte den Kreisräten erklärt, dass Zielvereinbarungsprozesse für alle Bereiche des Landratsamts ein geeignetes Instrument seien – vor allem für die freiwilligen Leistungen. Sie schlug vor, einen Tag lang mit externer Moderation zu diskutieren, was man erreichen will, was man dafür tun muss, wie man das umsetzen soll und wie viel Geld und Personal man dafür aufwenden will. Das erarbeitete Ergebnis solle Basis für die Diskussion in den Kreisgremien sein. Landrat Jens Marco Scherf betonte: „Es ist mir wichtig, dass der Kreistag die Grundlagen bekommt, um zu handeln und Entscheidungen treffen zu können. Dazu dient der Prozess.“

Mit dem Instrument des Zielvereinbarungsprozesses bestand im Gremium Einigkeit, einige Kreisräte wollten eine Änderung der Besetzung des Workshops. Diesem sollen der Landrat, Vertreter aller sieben Fraktionen im Ausschuss, die Leiterin des Büros des Landrats, Susanne Seidel, die Leiterin des Controllings, Eva Erfurth, sowie die Fachkraft für Wirtschaft und Tourismus, Birgit Dacho, angehören. „Wir holen uns für diesen Workshop auch fachlichen Input“, kündigte Landrat Jens Marco Scherf an. Scherf zeigte sich offen für den Wunsch von Kreisrat Jürgen Reinhard, dass der Größe der CSU-Fraktion angemessen auch weitere Ausschussmitglieder am Workshop teilnehmen können.

Dass der Tourismus im Landkreis auch ein Wirtschaftsfaktor ist, legten mehrere Vertreterinnen und Vertreter von Tourismusverbänden dar. Vom Landratsamt Miltenberg erläuterte zunächst Birgit Dacho das Drei-Ebenen-Modell im Tourismus, ausgehend von der Vertretung auf Landesebene von der Bayern Tourismus Marketing GmbH über den Tourismusverband Franken (Nürnberg), der vom Landkreis jährlich 7992 Euro bekommt. Darunter positioniert sich als eine von 15 Gebietskulissen der Gebietsausschuss Spessart-Mainland, dem die Landkreise Miltenberg, Aschaffenburg, Main-Kinzig und Main-Spessart sowie die Stadt Aschaffenburg angehören. Dieser Ausschuss bekommt vom Landkreis Miltenberg jährlich 27.046 Euro überwiesen. Die regionalen Tourismusverbände Churfranken, Räuberland sowie der Touristik-Service Odenwald-Bergstraße bekommen ebenfalls Zuwendungen vom Landkreis: 75.000 Euro jährlich für die Touristische Arbeitsgemeinschaft (TAG) Churfranken, 13.350 Euro für die TAG Räuberland sowie 26.790 Euro für den Touristik-Service Odenwald-Bergstraße.

Dacho zufolge ist der Landkreis darüber hinaus in weiteren Verbänden Mitglied – etwa im Geo-Naturpark, im Freilandmuseum Gottersdorf und im Spessartbund. Finanziell beteiligt sich der Kreis darüber hinaus unter anderem in der Lokalen Aktionsgruppe Main4Eck und der Initiative Bayerischer Untermain. Anhand der Übernachtungszahlen belegte Dacho die Bedeutung des Tourismus: So hätten die Gästeankünfte (149.760) als auch die Übernachtungen (290.982) im Landkreis im Jahr 2014 neue Rekordwerte erreicht. Der Landkreis selbst sei lediglich Funktionalpartner, sagte Dacho, er arbeite mit allen touristischen Ebenen zusammen.

Christina Postel, Geschäftsführerin des Tourismusverbands Spessart-Mainland, berichtete von 67 Mitgliedskommunen. Ziel des Verbands sei die touristische Vermarktung des gesamten Spessarts. Sie bestätigte Birgit Dachos Erkenntnis, dass 2014 in touristischer Hinsicht mit über 2 Millionen Übernachtungen ein Rekordjahr gewesen sei. Der Verband informiere nicht nur Touristen, sondern betreibe auch Verbandsarbeit, indem man mit dem Tourismusverband Franken und den Mitgliedskommunen kooperiere. Marketing betreibe man mit diversen Broschüren, Anzeigenwerbung, Auftritten bei Messen und umfangreicher Pressearbeit. Im Internet sei man mit einer Homepage sowie mit Apps für Smartphones aktiv. Man vermarkte Themen wie Wandern, Radeln, Kulinarik, Wellness und Gesundheit sowie Kultur, erklärte Postel. Als Lizenznehmer überprüfe man Unterkünfte, auch sei man für die Zertifizierung „Qualitätsgastgeber Wanderbares Deutschland“ zuständig.

Brigitte Duffeck, Geschäftsführerin von Churfranken, sprach von deutlichen Mitgliedersteigerungen – von 258 im Jahr 2007 auf 400 im Jahr 2014. Neben gedruckten Broschüren werbe man mit Internetauftritt und Smartphone-Apps. Hohen Stellenwert genieße auch die Zusammenarbeit mit der Presse – sowohl mit Pressemitteilungen als auch mit der Organisation von Pressereisen. Artikel in Zeitungen oder Berichte in Fernsehsendungen seien unbezahlbar, sagte Duffeck. Werbung betreibe man auch mit Messeständen, darüber hinaus sei der Verband Projektträger für zwei LEADER-Projekte gewesen. Forciert habe man die Beschilderung der Radwege und des Fränkischen Rotwein-Wanderwegs, auch werbe man an der A3 bei Wertheim für „Miltenberg in Churfranken“. Mit den Themen Mountainbiken und Golfen habe man neue Touristenkreise erschlossen, ein Erfolg sei auch das erste Churfranken-Genussfestival gewesen. Die nächste Auflage werde in Amorbach stattfinden, kündigte sie an.

Kornelia Horn ging auf die Organisationsstruktur der Odenwald Tourismus GmbH ein. Es gebe darin insgesamt fünf touristische Arbeitsgemeinschaften, erklärte sie. Diese wollten unter anderem ein Netzwerk bilden, gemeinsam Maßnahmen zur Qualitätssicherung umsetzen, zusammen arbeiten und Marketingaktivitäten bündeln. Das Marketing werde von den Themen „In der Natur bewegen“, „Welterbe Erlebnisland“, „Essen, Trinken und Genießen“ sowie „Kultur erleben“ getragen. Das Feld „Natürlich gesund“ werde zurzeit aufgebaut. Die GmbH arbeite vertriebsorientiert und sei auch als Reiseveranstalter tätig, sagte Horn. 2014 sei auch im Odenwald ein Rekordjahr gewesen, belegte sie mit Zahlen des Buchungssystems. Geplant seien unter anderem die Erstellung eines Gastgeberverzeichnisses Bayerischer Odenwald, die Erstellung einer eigenen Homepage und die gezielte Aquise von Busreiseveranstaltern. Mit dem Räuberland arbeite man sehr gut zusammen, sagte sie.

Laut dem Räuberland-Vorsitzenden Jürgen Schwab sei die Zahl der Mitglieder in dem kleinen Verband in den letzten Jahren auf zurzeit 160 gesunken, zurzeit seien eine Ganztageskraft, eine Dreiviertelkraft, zwei Halbtagskräfte und zwei Aushilfen beschäftigt. Der Verband halte zudem eine Tourist-Information vor, die man selbst finanziere. Deshalb müsse der Verband von Jahr zu Jahr schauen, wie man das Personal, die Info und die Aufgaben finanzieren könne. Man hoffe, als eine der ersten Regionen in Deutschland die Zertifizierung zur „Qualitätsregion Wanderbares Deutschland“ zu erhalten, so Schwab. Die Zahl der Übernachtungen und Ankünfte sei seit 2012 rückläufig, erklärte er. Unter anderem fehlten Unterkünfte, da diese aufgegeben oder umgewandelt würden. Auch hätten manche Hoteliers Nachwuchsprobleme. Schwab listete eine Reihe von Sonderveranstaltungen auf, mit denen man um Aufmerksamkeit kämpfe – unter anderem Wandertage, Pressereisen und Busworkshops. Für Schwab ist es wichtig, dass die Schnittstellen zu den anderen Tourismusverbänden funktionieren.

Dieser Meinung schloss sich Roland Bauer, stellvertretender Vorsitzender des Verbands, an. Die Vernetzung der Tourismusstrukturen biete noch genügend Potenzial, zeigte er sich überzeugt. Es sei heute kein Problem für einen Gast, mit dem Auto oder dem E-Bike einige Kilometer zwischen Räuberland und Churfranken zu fahren, nannte er ein Beispiel. „Wir sollten einen neuen Versuch unternehmen, die Zusammenarbeit zu intensivieren“, appellierte er an die Vertreter der anderen Verbände. „Das ist genau der richtige Weg“, fand auch Landrat Jens Marco Scherf und bezeichnete die Idee einer besseren Vernetzung und Kooperation als „guten Leitfaden für die nächsten Jahre.“
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