21.09.2017

Pressemitteilung Mit richtigem Mahdzeitpunkt dem Wiesenknopf-Ameisenbläuling helfen

Vertreter der Regierung von Unterfranken haben am Mittwoch in der Sulzbacher Braunwarthsmühle Managementpläne vorgestellt, wie das rund 302 Hektar große Natura-2000-Gebiet „Maintal und Maintalhänge zwischen Sulzbach und Kleinwallstadt“ mit seinen schützenswerten Lebensräumen und Arten erhalten werden kann.

Das Gebiet war 2004 vom Bayerischen Landesamt für Umwelt als FFH-Gebiet vorgeschlagen, an die EU-Kommission gemeldet und von dieser als „Gebiet von gemeinschaftlicher Bedeutung“ bestätigt worden. Damit gehört die Region zum europaweiten Natura-2000-Netz. Die für jedes Gebiet entwickelten Managementpläne werden in der Folge von der Höheren und Unteren Naturschutzbehörde mit allen Betroffenen diskutiert. Die vorgeschlagenen Maßnahmen sind für die Behörden verbindlich, für Privateigentümer dagegen freiwillig. Zahlreiche Förderprogramme sollen die Grundstückseigner aber dazu motivieren, ihren Beitrag zu leisten. Eines allerdings muss beachtet werden: Der Gebietszustand darf sich nicht verschlechtern.

„Artenschutz fängt bereits im Kleinen an“, stellte Landrat Jens Marco Scherf bei seiner Begrüßung zu Beginn der Veranstaltung vor rund 50 Gästen fest, ehe er zur Vorstellung der Pläne überleitete. Der runde Tisch sei der Startschuss zur Umsetzung des Managementplans, so Isabel Stöcker (Höhere Naturschutzbehörde). Die Gemeinden bekämen nun die Pläne, so dass jeder Interessent dazu Stellung nehmen kann. Darüber hinaus könne sich jeder Grundstückseigentümer bei der Unteren Naturschutzbehörde im Landratsamt informieren, ob eigene Flächen im Natura-2000-Gebiet liegen.

In dem Natura-2000-Areal, das Teile der Gemeinden Sulzbach, Kleinwallstadt, Niedernberg und Hausen umfasst, kommen Stöcker zufolge unter anderem magere Flachland-Mähwiesen auf einer Fläche von insgesamt 30 Hektar vor. Diese seien zumeist mit der Note B (gut) bewertet worden. Empfohlen werde eine ein- bis zweischürige Mahd mit dem ersten Schnitt in der ersten Junihälfte, die zweite Mahd solle sich am Aufwuchs orientieren – in der Regel frühestens acht bis zehn Wochen nach der Erstmahd. Der Verzicht auf Düngung und Pflanzenschutzmittel sei angeraten. Auch eine Beweidung käme in Frage, falls diese unter Bedingungen erfolgt, die der Mahd nahekommen.

Auenwälder, die im Gebiet auf 18,5 Hektar Fläche vorkommen, seien vom Planungsbüro ebenfalls mit Note B (gut) bewertet worden. Hier gehe es darum, die bisherige, möglichst naturnahe Behandlung fortzuführen und weiter zu entwickeln. Lebensraumtypische Baumarten wie die Silberweide sollten gefördert werden.

Feuchte Hochstaudenfluren seien nicht gefunden worden, ergänzte Matthias Berg, diese könnten aber mit geringem Aufwand wiederhergestellt werden. Diese Fluren seien eng mit dem Auenwald vernetzt, so dass sie kartiertechnisch dem Auenwald zugeschlagen worden seien – vor allem dann, wenn sie kleinflächig sind.

Um den Dunklen Wiesenknopf-Ameisenbläuling zu erhalten und dessen Vorkommen zu fördern (Note B bis C, gut bis mittel/schlecht), sollte der erste Wiesenschnitt nicht vor der Hauptblüte der Gräser erfolgen – etwa zwischen Mitte Mai und Anfang/Mitte Juni. Dabei sollen möglichst Mähgeräte mit zehn Zentimeter Schnitthöhe verwendet werden. Die zweite Mahd sollte erst im September erfolgen. Randstreifen, in denen der Wiesenknopf vorkommt, sollten zwei bis drei Jahre nicht bewirtschaftet werden, heißt es im Managementplan weiter. Auf Düngung sollte in dem Gebiet verzichtet werden.

In der Diskussion meldeten sich zahlreiche Teilnehmer zu Wort, wobei mehrere Detailfragen geklärt werden konnten. Unter anderem stellte Matthias Berg fest, dass es nicht möglich sei, zusätzliche Gebiete nachzumelden. Falls weitere schützenswerte Arten genannt würden, werde man aber für Nachmeldungen eintreten.

Einige Zeit wurde über den Umgang mit Neophyten diskutiert – also über eingewanderte Pflanzen wie das Springkraut. So warnte Klaus Peter Gerhart davor, die Natur dem Springkraut zu überlassen, da dieses sich explosionsartig ausbreitet und heimische Pflanzen erstickt. Den Kampf gegen das Springkraut könne man nicht gewinnen, antwortete Matthias Berg und nannte Beispiele vergeblicher Bekämpfung. Auf wichtigen Flächen solle man aber gegen das Kraut vorgehen, sagte er. Harald Blankart (Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten) stellte fest, dass sich das Springkraut dort, wo Flächen landwirtschaftlich genutzt werden, nicht entwickelt. Das gelte auch für andere Neophyten. Im Übrigen würden Landwirte die Managementpläne gerne unterstützen, wenn die Förderprogramme attraktiv genug sind. Ein Gast regte an, die schützenswerten Flächen bekannt zu machen – etwa mit Schildern. Matthias Berg dagegen fände es besser, Exkursionen für Interessenten anzubieten.
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