09.09.2015

Pressemitteilung Quelle überflutet: Biber muss sich neues Revier suchen

Es sei eine schwierige Abwägung zwischen Naturschutz und Trinkwasserschutz gewesen, so Landrat Jens Marco Scherf, aber wegen der Sorge um das Trinkwasser für den Südspessart sei es nach Auffassung der Fachleute notwendig, den Biber im Bereich der Quellfassungen zwischen Breitenbrunn und Altenbuch zu vergrämen. Vor Ort informierten Landratsamt und Wassergruppe Stadtprozelten am Dienstagmorgen über die Gründe, warum mehrere Dämme und Biberburgen beseitigt werden müssen.

Begleitet von großem Medieninteresse, erläuterte der Landrat, dass man den Biber gerne in der Region sehe. Mindestens 21 Biberreviere im Landkreis seien ein Zeichen, dass sich die Tiere hier wohlfühlen. Das Revier im direkten Bereich der Quellfassung sei aber problematisch. Hier müsse man eine klassische Güterabwägung vornehmen mit dem Ergebnis, dass die sichere Trinkwasserversorgung Priorität habe.

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Ulrich Müller von der Unteren Naturschutzbehörde am Miltenberger Landratsamt erklärte, dass der Biber in den Jahren 1987/88 an der bayerisch-hessischen Landesgrenze ausgesetzt worden sei. In der Folge sei er auch in Unterfranken verstärkt aufgetaucht, im Landkreis Miltenberg erstmals 2001. Der Biber sei eine besonders geschützte Art, deshalb dürften die Tiere, ihre Bauwerke und ihre Lebensräume normalerweise nicht gestört werden. Nun habe die Stadtprozeltener Gruppe einen Antrag auf Vergrämung des Bibers gestellt und dies mit der Sorge um das Trinkwasser begründet.

Marko Birkholz, Vorsitzender der Wassergruppe, ging auf die Gründe für den Antrag ein. Er stellte fest, dass die Wassergruppe die Quelle regelmäßig warten müsse, damit diese im Notfall Trinkwasser liefern könne. Seit eineinhalb Jahren aber seien Wartungen nicht möglich, da der Biber die Quellfassungen aufgrund der Errichtung von Dämmen und dem sich stauenden Wasser überflutet habe. Das Stauwasser vermische sich mit dem Quellwasser, so dass man kein sauberes Trinkwasser gewinnen könne.

Stefan Wolf (Stadtwerke Wertheim) erklärte, dass die Trinkwasserversorgung grundsätzlich auf zwei Standbeinen stehen müsse. Das Wasser in der Region komme aus zwei Tiefbrunnen zwischen Breitenbrunn und Faulbach, so Wolf, die Quellen nördlich von Breitenbrunn seien normalerweise nicht im Betrieb. Der Gesetzgeber fordere aber in der Trinkwasserverordnung, dass der Trinkwasserversorger aufzeigen müsse, was passiert, wenn ein Brunnen ausfällt. Im Falle der örtlichen Wassergruppe gebe es nur eine Lösung: „Man muss die Quellen hier nutzen.“ Deswegen müssten die Quellen stets instand gehalten werden, erklärte Wolf. Das sei aber in letzter Zeit nicht möglich gewesen, da alles unter Wasser gestanden habe.

Bürgermeister Amend (Altenbuch) betonte, dass im Zuge der akuten Bedrohung des niedrigen Wasserstandes, die zur Zeit im Landkreis Miltenberg herrscht, zusätzlich die Gefahr besteht, dass eine der beiden Tiefbrunnen zwischen Breitenbrunn und Faulbach ausfällt. In einem solchen Falle fand der Bürgermeister deutliche Worte: „Die Leute hätten kein Trinkwasser mehr“. Gerade deshalb ist es eine Sache von größter Dringlichkeit die Instandhaltung der Trinkwasseranlage in der Nähe des Biberreviers zu garantieren.

Das Problem mit dem Wasserstau ist nicht neu: Bereits 2014 habe die Wassergruppe laut Landrat Scherf in Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde Anstrengungen unternommen, um etwa mit Rohrleitungen das Aufstauen zu verhindern. Dieser Versuch der Sicherung einer friedlichen Koexistenz von Biberrevier und Trinkwasseranlage war allerdings vergeblich.

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Nun müsse man mehrere Dämme mit dem Bagger einreißen und einige Burgen per Hand abtragen, um den Biber dazu zu bringen, sich einen anderen Lebensraum ober- oder unterhalb der Quelle zu suchen, so Ulrich Müller. Er und der ehrenamtliche Naturschutzwächter Wolfgang Neuberger gehen davon aus, dass sich rund um die Quelle eine ganze Biberfamilie angesiedelt hat, die sich nun ein anderes Quartier suchen muss. Als Zeitraum für die Arbeiten habe man bewusst den Herbst gewählt, denn zu dieser Zeit gehen die Jungtiere auf Wanderung. Keinesfalls dürfe man an eine Burg Hand anlegen, wenn noch nicht selbstständig lebensfähige Jungtiere darin leben, erläuterte Ulrich Müller. Wolfgang Neuberger hofft wie alle anderen Verantwortlichen darauf, dass die Tiere ihren jetzigen Bau aufgeben und sich in einiger Entfernung ein neues Revier suchen. „Möglichkeiten hierfür gibt es zur Genüge“, so Neuberger. Ob der Biber sich nun auch tatsächlich vertrollt, vermochte er aber nicht zu prognostizieren.

Welche enorme Arbeit der pelzige Baumeister geleistet hat, zeigte sich kurze Zeit später. Als der Bagger einen Damm – etwa zehn Kubikmeter Schlamm und Äste – beseitigt hatte, sank der Wasserspiegel in dem überfluteten Gebiet binnen weniger Minuten um rund einen Meter, so dass der ursprüngliche Bachlauf wieder erkennbar war. Nach der Beseitigung von zwei weiteren Dämmen und dem Auflassen von zwei Biberburgen bleibt nun zu hoffen, dass der Biber diesen Wink mit dem Zaunpfahl versteht und nicht wieder versucht, alles aufzubauen. Regelmäßige Kontrollen in den nächsten Tagen und Wochen sollen zeigen, ob der Biber sich an den Plan der Verantwortlichen hält oder ob man sich neue Gedanken machen muss, wie man die Quellen vor Überflutung schützt.

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