19.11.2015

Pressemitteilung Haushalt für Sachgebiet „Kinder, Jugend und Familie“ vorgestellt

Mit einem Zuschussbedarf von 6.361.950 Euro plant das Sachgebiet Kinder, Jugend und Familie den Etat des Jahres 2016 – das entspricht einer Steigerung von 9,6 Prozent gegenüber dem Ansatz des Jahres 2015. Das wurde in der Sitzung des Jugendhilfeausschusses am Mittwoch bekannt.

Bei den Ausgaben – 15.555.650 Euro – schlagen sich in erster Linie die Kosten für Unterbringung, Versorgung und Erziehung von unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen nieder, erklärte Landrat Jens Marco Scherf. Diese würden aber weitestgehend erstattet, daher hätten sich die Einnahmen auf 9.193.700 Euro fast vervierfacht. Dass der Zuschussbedarf dennoch höher als im Ansatz des letzten Haushaltsjahrs ist, führte der Landrat auf mehrere Faktoren zurück. Zum einen habe das Amt wegen der starken Belastung durch Asylfragen externe Dienstleistungen zukaufen müssen; unter anderem seien Vormundschaften an freie Träger vergeben worden. Ob und in welcher Höhe diese Kosten erstattungsfähig sind, könne man noch nicht sagen. Die Berufsausbildungsinitiative habe ebenfalls ihren Niederschlag im Etat gefunden, erklärte Scherf, dazu komme die Ausweitung der Jugendsozialarbeit an ausgesuchten Grundschulen und der Berufsschule. Nicht zuletzt hätten auch die Steigerungen der Personal- und Sachkosten einen Beitrag zum höheren Etatentwurf geleistet.
Der Landrat sprach dennoch von einem „Haushalt mit Bedacht“, der zudem noch Raum für unvorhersehbare Entwicklungen biete und es ermögliche, Jugendhilfe aktiv zu gestalten. Einen ausdrücklichen Dank richtete er an Jugendamtsleiter Peter Winkler und sein Team, das außerordentliche Leistungen vollbracht habe und auch weiter erbringen müsse.
Winkler ging in der Folge auf einige Positionen des Etats ein, die sich im Vergleich zu 2015 deutlich ändern. So brauche man für die „Hilfen zur Erziehung“ rund 375.000 Euro mehr als im Ansatz 2015, 87.400 Euro mehr seien für „Inobhutnahme, Eingliederungshilfe und Hilfe für junge Volljährige“ einzuplanen und das Aufgabenfeld „Jugendsozialarbeit und erzieherischer Kinder- und Jugendschutz“ benötige 71.4000 Euro mehr, sagte Winkler.
Nach der Beantwortung einiger Fragen richtete das Gremium die einstimmige Empfehlung an den Kreistag, den vorgestellten Etatentwurf anzunehmen.

Ebenso einstimmig sprach sich der Jugendhilfeausschuss für das von Claudia Joos vorgestellte, vierteilige Familienbildungskonzept aus. Ziel ist es, nach einer zweijährigen Planungsphase Strukturen der Familienbildung im Landkreis Miltenberg zu schaffen. Nach Feststellung der Ausgangslage in Bezug auf Familienbildung im ersten Teil des Konzepts wurden im zweiten Teil perspektivische Schwerpunkte der Familienbildung im Landkreis formuliert, die sich aus Ergebnissen einer Befragung ergaben. Im dritten Teil des Konzepts sind die konkreten Ergebnisse der Umsetzung aufgeführt. Als wichtig werden die Sicherung der vorhandenen Strukturen – etwa die Koordinationsstelle und das Familienbildungsnetzwerk – herausgestellt, aber auch die Sicherung und der Ausbau weiterer Familienbildungsangebote. Kooperationen mit Einrichtungen, die eng mit Eltern arbeiten, sollen demzufolge weiter ausgebaut werden. Vor allem der Öffentlichkeitsarbeit müsse ein hoher Stellenwert eingeräumt werden, so Claudia Joos, die als ein weiteres wichtiges Ergebnis die Einrichtung von Familienstützpunkten nannte. Im vierten Teil des Konzepts werden ausgewählte Einrichtungen mit ihren Perspektiven als Familienstützpunkt vorgestellt. Welche das sind, muss noch in einer Vergabe entschieden werden. Dann kann auch das Konzept komplettiert werden.

Einstimmig erkannte der Ausschuss die Notwendigkeit von Jugendsozialarbeit an den Grundschulen in Amorbach und Weilbach an und daraus folgend die Einrichtung einer Stelle. Der Landkreis übernimmt die Trägerschaft der Stelle, die arbeitsrechtliche und fachliche Personalführung sowie die Fort- und Weiterbildung des Fachpersonals. Die Personal- und Sachkosten der Stelle übernehmen der Schulverband der Grundschule Amorbach und die Gemeinde Weilbach. Wie Stefan Adams, im Landratsamt zuständig für Jugendsozialarbeit, sagte, solle die Stelle zu zwei Dritteln in der Grundschule Amorbach angesiedelt sein, zu einem Drittel in Weilbach. Die Antragsteller erhofften sich von der Jugendsozialarbeit eine Entlastung der Lehrer in der Erziehungsarbeit und in der Prävention, so Adams. Da eine staatliche Förderung nicht möglich sei, müsse der Landkreis keine Personal- und Sachkosten tragen, sagte Adams.

In der Sitzung stellte sich Gerald Hodapp vor, der seit Oktober 2015 im Landratsamt für die integrierte Sozialplanung zuständig ist. Er beschäftigt sich mit der Zusammenführung und dem Abgleich verschiedener Fachplanungen – unter anderem der Jugendhilfeplanung, dem Seniorenpolitischen Gesamtkonzept und dem Teilhabeplan. Zurzeit erfasse er die Daten für die Jugendhilfeplanung, erläuterte Hodapp, im Februar 2016 soll mit der Aktualisierung der Teilpläne der Jugendhilfeplanung begonnen werden. Dabei werde auch der beratende und begleitende Ausschuss zur Jugendhilfeplanung in Aktion treten. Dieses Gremium werde die Rahmenbedingungen festlegen, unter denen die Jugendhilfeplanung im Landkreis zukünftig stattfinden soll und welche Schwerpunkte gesetzt werden. Hodapp, der auch im Projekt Bildungsregion involviert ist, ist studierter Realschullehrer und Absolvent des Masterstudiengangs Caritaswissenschaft. Tätig war Hodapp bislang unter anderem im Referat „Gemeindecaritas und Engagementförderung“ in der Zentrale des Deutschen Caritasverbandes, im Referat „Behindertenhilfe“ des Caritasverbandes Freiburg-Stadt, in der EU-Vertretung des Deutschen Caritasverbandes in Brüssel, in der Bundesarbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtspflege sowie in einem Unternehmen der Stahlverarbeitung.
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