25.11.2015

Pressemitteilung Geopark vor Ort – Fürth: Naturdenkmal einer 300Jahre alten Buche

Bei der letzten Sonntagswanderung des Fürther Geopark-Teams fiel den Teilnehmern ein alter Baumrumpf besonders ins Auge. Er steht am Weg zum Naturschutzgebiet Schmerbachtal im Fürther Zentwald. Nur seine untersten Meter sind erhalten, der höhere Teil mit der Krone ist durch Windbruch verloren gegangen. Stellenweise fehlt die Borke, das frei liegende Holz weist reichlich Bohrgänge und Fraßspuren auf. Tiefe Kerben und Löcher wurden von Spechten auf der Suche nach Insekten ausgestanzt. Das Holz ist morsch und der Stamm stellenweise hohl. Nach Auskunft des Fürther Revierförsters Jens-Uwe Eder handelt es sich um das Relikt einer etwa 300 Jahre alten Buche, die bei einem Kronendurchmesser von über 20 m mindestens 32 m hoch gewesen ist.

Ein Laubbaum von so stattlicher Größe kann im Sommer bis zu 800.000 oder mehr Blätter haben. Er verfügt somit über eine gewaltige Oberfläche für seinen Stoffaustausch mit der Umwelt. Das einzelne Blatt nimmt aus der Luft Kohlenstoffdioxid (CO2) auf und stellt daraus mit Wasser (H2O) in seinem Inneren Zucker für den Zellwandbaustoff Cellulose her, der zur Holzbildung gebraucht wird. Die für diesen chemischen Umbau nötige Energie liefert das Sonnenlicht. Mit der Außenluft gelangt nicht nur CO2 in das Blattinnere. Auch Feinstaub, Schadstoffe, Pilzsporen und Bakterien werden aufgenommen, aus der Luft herausgefiltert und im Zellgewebe eingelagert. Wenn der Baum im Spätherbst seine Blätter abwirft, entsorgt er auch diese gespeicherten Schadstoffe. Am Boden kümmern sich anschließend Myriaden von Mikroorganismen und andere Lebewesen um das welke Laub und beginnen mit seiner Umwandlung in neuen, frischen Humus für die folgende Vegetationsperiode. Als wichtiges „Abfallprodukt“ bei der Zuckergewinnung aus CO2 und H2O in der belaubten Krone entsteht Sauerstoff (O2). Den größten Teil davon benötigt der Baum nicht selbst; er gibt ihn zusammen mit der gereinigten Luft durch die feinen Öffnungen an der Unterseite seiner Blätter wieder ab. Über diese Spaltöffnungen werden täglich auch mehrere hundert Liter Wasser, das die Wurzeln zusammen mit wichtigen Mineralstoffen aus dem Boden gezogen haben, verdunstet – was gleichzeitig der Kühlung des Blattorgans dient. 

Alle diese Vorgänge sind in der alten Buche am Weg zum Schmerbachtal abgelaufen, 300 Jahre lang. Kalkuliert man die ökologische Leistung, die sie im Lauf ihres langen Lebens erbracht hat, ergeben sich beeindruckende Zahlen. Rechnerisch hat dieser Baum durch sein Blattwerk Jahr für Jahr den Bedarf von 20 Menschen an lebenswichtigem Sauerstoff gedeckt und jedes Jahr der Luft mehr als 2,5 Tonnen schädliches Kohlenstoffdioxid entzogen. Eindrucksvoll ist auch der Beitrag zur Luftreinigung: Vorsichtig geschätzt sind durch das Blattwerk der Buche über 2.000 Tonnen an Feinstaub und Schadstoffen aus der Luft herausgefiltert worden. Das wird den Menschen schon früher sehr zugute gekommen sein, denn im Zentwald war die Luft stark belastet. Grund ist der in vergangenen Jahrhunderten bei Weschnitz betriebene Eisenerzbergbau mit seinem enormen Bedarf an Holzkohle. Köhler hatten mit schwelenden Meilern ständig für Nachschub zu sorgen; Rauch und Ruß dürften damals die Landschaft recht unwirtlich gemacht haben. 

Auch wenn die alte Buche ihre biochemische Tätigkeit längst eingestellt hat, stiftet sie weiterhin Leben. Zahlreiche Bewohner, vor allem Holzwespen, Mulmböcke, Werft-und Nutzholzborkenkäfer haben im morschen Holz ein Zuhause gefunden. Außen sieht man wie Konsolen den Zunderschwamm und den Rotrandigen Baumschwamm gedeihen und tiefer unten entfaltet ein weiterer Pilz, der Wurzelschwamm, seine Wirkung. Sie alle spielen im Kreislauf der Natur ihre eigene Rolle, gleichgültig, ob sie in unseren Augen nützlich oder schädlich sind. Noch weitere Lebewesen werden sich mit zunehmendem Verfall des Baumrumpfes einstellen und seine Reste verbrauchen bis eines Tages nichts mehr davon übrig sein wird.
Als außerordentlich ermutigend wurde es von der Wandergruppe empfunden, dass trotz aller ökonomischen Zwänge in der Forstwirtschaft immer noch Raum bleibt für den Erhalt eines so wunderbaren Naturdenkmals wie das der dreihundert Jahre alten Buche. 

2015 Habitatbuchendenkmal

Text und Foto: Dr. Ekkehard Bahlo, 20. November 2015

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